Jazzfest mit Milo, einer Meute und einem Wunderkind

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Max Herre spielt am Freitagabend.
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Der Verein Kunterbunt hat das Programm für den 4. bis 11. November vorgestellt. Wer kommt und wo die Musik spielt.

Aalen

Wir stehen vor dem 30. Aalener Jazzfest, das wir in der Vergangenheit mit Amplituden für die Stadt und die Region entwickelt haben“, fasst Ingo Hug, der künstlerische Leiter des Festivals, bei der Vorstellung des Programms für ebendies zusammen. Eine der auffälligsten Ausschläge hat das Jazzfest dabei wohl in den vergangenen zwei Jahren aufgrund der Corona-Pandemie erfahren. Doch alle, die den Verein Kunterbunt bei der Realisierung des Jazzfestes über die lange Distanz unterstützen, hätten dafür gesorgt, dass es immer weiter geht, dankt Hug bei der Vorstellung des Programms.

Nun sind die alten und neuen Fans an der Reihe: sie müssen kommen, wenn angehende, geheime und ganz offizielle Stars Anfang November live auf der Bühne stehen.


Was die Jazzfest-Gäste erwartet: Begonnen hat alles mit Miles Davies, dann kam auch schon B.B. King und nach ihnen viele weitere Namen. Diesmal ist der bekannteste wohl der von Singer- Songwriter Milo, der am Sonntag, 7. November, das Festival abschließen will. Milo war bereits im Sommer im Stadtgarten zu Gast – warum schon wieder, erklärt Franz Donner, zweiter Vorsitzender des Vereins Kunterbunt: „Er wurde begeistert aufgenommen.“ Bei manchem Künstler bestehe vonseiten des Publikums der Wunsch, dass ein Auftritt wiederholbar wäre. So wie etwa auch bei Myles Sanko, der am Freitag, 5. November, den Soul nach Aalen bringt, und bei Tortured Soul am Samstag, 6. November, mit Joey Alexander eine „Art Wunderkind“ am Piano, das schon bei den Obamas im Weißen Haus zu Gast war. Heute ist er 18 und war schon dreimal für den Grammy nominiert. Lee Ritenour dagegen, ebenfalls ein Programmpunkt an diesem Abend, habe kurzfristig abgesagt. Wer stattdessen komme, stehe bald fest, so Hug.

Der zweite Act am Freitagabend allerdings ist wieder fest gesetzt: Web Web x kommt mit Max Herre. Vier Jazzer und ein Musiker aus dem „Freundeskreis“ – „spannend“, ist sich Hug sicher. „Kraak und Smak„ sind nach Tortured Soul am Samstagabend beim Festival. Zwei DJs aus Holland, die man auch auf einer Tour mit Jimmy Kimmmel, Glastonbury oder Sziget erleben kann, oder eben in Aalen mit zwei Sängerinnen, samt Soul, Funk und House. Ein „Superteppich“ für die Meute, so Hug: „Womöglich aktuell der heißeste Act in dieser Richtung weltweit.“ Die „Techno-Marching-Band“ kommt aus Hamburg und macht House mit den Instrumenten einer Blaskapelle. Runterkommen können Konzertbesucher am Sonntag mit Jarrod Lawson, der zweite Act neben Milo. Ein Soulsänger, der, wenn man ihn nicht sehe, „ein wenig wie Stevie Wonder klingt“, so Hug.


Zur Frage: Ist das Jazz? Mit House, Nu Jazz, Soul und Dancefloor Jazz und Popanleihen sind fast alle Bands sicher Tatverdächtige für die Jazzpolizei, aber längst im Portfolio des Aalener Jazzfestes, wie Donner betont. „Das Programm ist oberste Liga, aber vor allem auch für junge Menschen, ein junges, frisches Programm, das die ganze Bandbreite mit Soul, Funk und auch Pop abdeckt.“ „Da kann man sich fragen, was ist Jazz“, sagt Hug. „Wir haben nach wie vor Elemente im Programm“, aber man habe innerhalb der vergangenen 30 Jahre begonnen, sich für andere Richtungen zu öffnen. Entscheidend sei immer die Qualität. „Mit Gigantismus können wir nicht arbeiten“, erklärt Hug. Weder, was die Finanzen betreffe. Noch die Spielorte.


Warum es nur Konzerte in der Stadthalle geben wird? Maximale Fläche. Die bietet für das Jazzfest, das immer noch in der Pandemie stattfindet, die Aalener Stadthalle, erklären Franz Donner und Ingo Hug. „Wir sind ausschließlich in der Stadthalle mit den Konzerten, um möglichst viel Spielraum zu haben, der Covid-Situation zu begegnen. Auch, was die Kapazitäten und Abstände betrifft“, erklärt Hug. Jeder weitere Produktionsort sei zudem wegen der Covid-Situation ein Kostenfaktor. Man wolle die Stadthalle aber in ein schönes Licht setzen, mehr Sitzmöglichkeiten im Foyer bieten und mit Licht „cozy“, also gemütlich, machen. Das alles mit Unterstützung von „aalen.kultur und event“ und der Stadt.

Günstige Karten für Menschen unter 30: Die Stadt wisse um die Bedeutung des Jazzfestes für „die ganze Stadtgesellschaft“, wie Bürgermeister Karl-Heinz Ehrmann erklärte. Man wolle „Flagge zeigen“ und alles dafür tun, damit die Freunde des Jazz wiederkommen. Es sei dieser Tage nicht zu leicht, Kulturinteressierte wieder an die Kulturstätten zu bringen.

Vielleicht hilft ja da die Information, die Ingo Hug für nächstes Jahr beschreibt. Viermal mehr Konzerte und Festivals wird es 2022 voraussichtlich geben als 2021. Damit könnte der Geldbeutel erheblich mehr belastet werden, als durch das Jazzfest 2021. Das bietet zudem erstmals in diesem Jahr als Versuchsballon für 16- bis 29-Jährige etwas ganz Besonderes an: Tagestickets für den halben Preis.

  • Karten und Festivaltickets: Für die meisten Veranstaltungen gibt es bereits Karten im Vorverkauf bei Eventim und ab kommenden Dienstag unter www.aalener-Jazzfest.de und bei Hugs Weinkontor in der Bahnhofstraße. Der Festival-Pass kostet 189 Euro, der Normalpreis der Einzelticket 49 Euro, für 16 bis 29-Jährige bis 29 Jahre alt 25 Euro. Fotoaktion: Der ehemals in Aalen lebende Fotograf Friedrun Reinhold wird die Künstlerinnen und Künstler während des Festivals Fotografieren. Die Fotos werden dann auf Banner in der Stadt gezeigt und täglich wechseln. Verein Kunterbunt: 143 Mitglieder zählt der ehrenamtliche Verein aktuell. Vor kurzem war Mitgliederversammlung. Ingo Hug wurde erneut zum Vorsitzenden gewählt, Franz Donner zum stellvertretenden Vorsitzenden. Der Verein sei "in keiner Schieflage", so Donner, man habe keine Sorge, "morgen zum Amtsrichter gehen zu müssen." Aber Kultur sei grundsätzlich immer auf der Kante. Und Gelder wegen Corona seien nicht geflossen.
Myles Sanko bringt Soul in die Kocherstadt.
Tortured Soul: ein Schlagzeuger, der singt.
Aalen mag Milo, Milo das Aalener Jazzfest: Der belgische Singer-/Songwriter ist auch im November in der Stadthalle Aalen dabei.
Wunderkind am Piano: Joey Alexander.
Techno-Brass aus Hamburg: Die Meute.

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