Musikwinter holt Jüngere mit ins Boot

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Der Gschwender Musikwinter startet in die neue Saison. Hans-Peter Rzesnitzek, Rainer Klein, Karin Schöntag und Horst Niermann präsentieren das neue Programm. Foto: kust
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Inhaltlich finden sich auch langjährige Gäste wieder. Wirtschaftlich erwartet Vorsitzender Rainer Klein „die Stunde der Wahrheit“.

Gschwend

Nur auf den ersten Blick gleicht das Programm der 36. Musikwinter-Saison einem „weiter so“. Bei genauerer Betrachtung geht der veranstaltende Verein Bilderhaus e. V.  einen großen Schritt in Richtung Zukunft, inhaltlich wie organisatorisch. „Wir wissen, dass das dicke gedruckte Programmheft die jüngere Generation nicht erreicht“, sagt Vorsitzender Rainer Klein bei der Programmpräsentation. Eine Erkenntnis, die auch in Werkstattgesprächen in diesem Sommer  mit Kulturinteressierten zwischen Mitte 20 und Ende 40 zum Ausdruck kam. Sie begrüßt das schon in Corona-Jahren angebotene Video-Lievestreaming, das  beibehalten werden soll.

Und sie schätzt - wie das ganze Bilderhaus-Team - das neue Format des Programmhefts. Parallel zum dicken gedruckten Werk gibt es eine schlanke Ausgabe in der Form eines auffaltbaren Wandkalenders. Dort finden Interessierte alle Veranstaltungen, nach den einzelnen Reihen und dem Datum geordnet. Ein QR-Code ergänzt dort alle Terminansagen. Ein Klick mit dem Mobilgerät führt direkt zur ausführlichen Programmbeschreibung, auf Wunsch direkt zum Ticketportal.

Programm in zwei Formaten

Für Rainer Klein ein Weg, den inzwischen alle Generationen mitgehen können. Durch die Corona-App hätten die Menschen genug Erfahrungen mit dem QR-Code gesammelt.

Der Stamm der Musikwinter-Gäste erhält ohnehin beide Versionen, den 60 Seiten starken Katalog und die schnelle Übersicht. Die treuen Besucherinnen und Besucher werden sich inhaltlich wiederfinden, die beliebten Reihen sind – mit neuen Themen versehen – geblieben. Spuren der Werkstattgespräche werden dennoch deutlich: Mit dem „Projekt X“ startet der Musikwinter am Samstag, 12. November, einen Luftballon, um das Interesse des jüngeren Publikums zu testen. DJ Luceleven wird „im Bilderhaus live so richtig einheizen und den Tanz-Dschungel eröffnen“, wie es im Programmheft heißt. Mit dabei auch die Künstlerinnen und Künstler von Sandtogether aus Schwäbisch Gmünd mit einer Art-Performance. Ein Abend, an dem auch ältere Semester ihre Freude haben können, schätzt der Vorsitzende. Hintergrund aller Bemühungen ist die langfristige Sicherung des Gschwender Musikwinters. Der ist zwar gut über die Corona-Runden gekommen, mit einem kleinen finanziellen Polster sogar.

Das war nach Worten Rainer Kleins aber nur möglich, weil Gelder aus dem Programm Neustart Kultur geflossen sind. So konnte die auf 50 Prozent reduzierte Bestuhlung ausgeglichen werden. Immerhin galt es, einen Rückgang von sonst 4000 auf rund 2300 Besucherinnen und Besucher auszugleichen. Die Saison 2022/2023 wird nach Einschätzung des Vorsitzenden aber zur „Stunde der Wahrheit“. Man wisse von anderen Festivals dieses Sommers, dass das Publikum zurückhaltender war als in den Vorjahren.

Wie sich die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation auf den Besuch auswirken wird, das sei offen. Er rechnet mit einem schwierigeren Vorverkauf, mit mehr spontanen Besuchen. Besondere Zuschüsse dürfte es nicht mehr geben. „Wir müssen davon ausgehen, dass in diesem Sommer kein Füllhorn mehr ausgeschüttet wird.“ Dann finanziere sich der Verein allein aus Eintrittsgeldern, der Gastronomie und Sponsoren, „die zum Glück alle an Bord geblieben sind“. 

Ein Entgegenkommen ans Publikum: in einer Zeit, in der alles teurer wird, bleiben die Eintrittspreise beim Gschwender Musikwinter auf Vorjahresniveau. Nur möglich, weil so  viele Ehrenamtliche hinter diesem Kulturbetrieb stehen. 45 machen mit, zehn davon sind rund ums Jahr im Einsatz für Programm und Organisation, unter ihnen sind neben Rainer Klein auch Karin Schöntag, Horst Niermann und Hans-PeterRzesnitzek, die für die Öffentlichkeitsarbeit stehen und auch inhaltlich mitwirken.

Prominente Namen beim Gschwender Musikwinter

Bekannte Persönlichkeiten, aktuelle Themen und klassisches Kulturprogramm, das vereint auch die 36. Ausgabe des Gschwender Musikwinters. So geben sich Prominente beim thematischen Flagschiff „Rendezvous“ die Klinke in die Hand. „Vom Wert der Demokratie“ ist die Reihe überschrieben und da hat der ehemalige Bundestagspräsident Prof. Norbert Lammert eine Menge zu sagen. „Vom Glanz und Elend der Demokratie“ nennt er seinen Beitrag. Den Auftakt der Rendezvous-Reihe macht Prof. Claus Leggewie am Mittwoch, 16. November mit seinem Beitrag „Demokratie auf dem Rückzug?“ Ein Abend mit vielen Bezügen zur aktuellen Situation, in der „autokratische Systeme zunehmen“, wie Rainer Klein sagt. Auch im „Rendezvous“ zu Gast sind Markus M. Grabka, Barbara Bosch, Heribert Pantl und Prof. Jutta Allmendinger.

Eröffnet wird der Gschwender Musikwinter am Samstag, 22. Oktober. Zu Gast sind dann im Jazz-Club Ecos de Siboney, die Enkel von Compay Segundo. Besonderheiten in der Klassik-Reihe: Mit „Trombone Unit“ sind erstmals acht Posaunisten zu hören, am Samstag, 4. Dezember spielen sie in der Evangelischen Kirche Gschwend. Bei „Wolfgang Heim im Gespräch“ erhalten Besucherinnen und Besucher  Einblick in die Weltpolitik. Zu Gast ist (30. November) unter anderem Arthur Landwehr, langjähriger Korrespondent in Washington. Die Reihe „Weltreligionen“ heißt nun „Religion und Spiritualität“ und steht in dieser Saison unter dem Motto „Zur Vitalität von Christentum und Glauben“. Dr. Reiner Manstetten spricht am Mittwoch, 8. Februar, über „Mystik – Weltflucht oder Weg zur Erkenntnis“ und Dr. Navid Kermani (Mittwoch, 8. März),  bringt das Wissen aus zwei Kulturen mit. Kulinarisch-literarisch wird der Musikwinter am Samstag, 5. November, wenn Julia Stemberger „Isabel Allende. Aphrodite - Eine Feier der Sinne“ liest. Im passenden Ambiente, im Restaurant „Hi Charles“ im Remspark-Hotel Schwäbisch Gmünd. Kein Musikwinter ohne Literatur-Reihe: Zu Gast sind Christian Brückner (Samstag, 28, Januar“, Paul Maar (Samstag, 11. Februar) und Samuel Finzi, „Samstag, 1. April).Karten gibt es im Vorverkauf unter anderem bei der Tourist-Information Aalen, im i-Punkt Schwäbisch Gmünd, der Buchhandlung Schmidt in Schwäbisch Gmünd, im Bilderhaus Gschwend, Reisebüro Kranich Gschwend. 

Der 36. Gschwender Musikwinter in der Übersicht

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