Neu: eine Sammlung von „Ein-Fällen“

+
Winfried Schindler Foto: privat
  • schließen

Neue Aphorismen in „Spitzen und Spitzfindigkeiten“ vom Straßdorfer Autor Winfried Schindler.

Schwäbisch Gmünd. Er schreibt Literaturwinzlinge voller Scharfsinn, Witz, mit Lust an Polemik und gegen erstarrte Denkgewohnheiten. Alles zusammen passt in die Jackentasche: Der Straßdorfer Autor Winfried Schindler hat gerade mit „Spitzen und Spitzfindigkeiten“ eine Sammlung von „Ein-Fällen“ veröffentlicht.

Schindler, nach dem Studium im Schuldienst für Deutsch, Latein und Philosophie, packte die Literatur schon früh: Mit sechs Jahren wurde die Leihbibliothek zu seinem magischen Ort. Fasziniert lauschte er im Gymnasium den Interpretationen seines Deutschlehrers zu Kafka, einem Meister des Paradoxen. Darauf verschlang er Dostojewski, Tolstoi, Tschechow und Gogol, deren Figuren ihn durch ihr paradoxes Verhalten faszinierten.

Vertieft wurde diese Liebe durch ein Buch über den antiken Schriftsteller Martial, seine Epigramme und Kommentierung, das er gemeinsam mit dem Wissenschaftler Paul Barié herausgab und das zu einem Welterfolg wurde. Dann packte Schindler wieder die Lust am Aphorismus. Schon als 16-Jähriger schrieb er aus Büchern Sätze, sogar Passagen ab, die ihm in ihrer Gedankentiefe imponierten. Friedrich Nietzsche faszinierte ihn, weil er zwei unterschiedliche Bereiche zusammenbrachte: „Philosophie, die auf Eindeutigkeit setzt, und Poesie, der es um Mehrdeutigkeit geht“, erklärt Schindler.

Mit den neuen Aphorismen in „Spitzen und Spitzfindigkeiten“ entführt Winfried Schindler in Sichten, Analysen, Empfindungen und eigentlich alles, was Leben ausmacht. In Sätzen wie „Paradox ist, wenn ein Alkoholiker für voll genommen wird“, „Wer glaubt, mich zu verstehen, hat mich übersehen“, aber auch „Der Tau ist eine Träne Gottes“ oder Anweisung fürs Leben mit „Wenn dir einer auf den Zahn fühlt – beiß zu!“ lotet Winfried Schindlers geschliffene Sprache Deutsch in seiner Vielfalt aus.

Wie er zu seinen Aphorismen kommt? „Es handelt sich um Ein-Fälle. Gedanken überfallen mich, sie finden mich, sie suchen sich meinen Kopf aus, um einzuwandern.“ Für Themen wie „Gott und die Welt“, oder „Wahrheit, Sinn, Liebe, Sein und Schein, das Ich und die Kunst“, leiht er den Gedanken Hand und Bleistift.

So frei seine Gedanken sich bewegen, so beschwerlich ist sein Leben. Phasen völliger Unbeweglichkeit gehören seit einem Sportunfall in der Jugend dazu. Doch Winfried Schindler, der in den nächsten Tagen seinen 81. Geburtstag feiert, erschafft mit seinem ungemein beweglichen Geist Aphorismen, die neue Sichten eröffnen auf das, was so alltäglich zu sein scheint.

⋌Gise Kayser-Gantner

Winfried Schindler, „Spitzen und Spitzfindigkeiten“, Aphorismen, gibt es für 10,80 Euro in Buchhandlung Schmidt, Ledergasse 2 in Schwäbisch Gmünd.

Aphorismen, neu von Winfried Schindler. Foto: privat

Zurück zur Übersicht: Ostalb-Kultur

Kommentare