Spannend und aus der Region: Gina Mayers „Schwimmerin“

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Gina Mayer, Autorin Foto: Ravensburger Verlag
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Die erfolgreiche Autorin ist in Ellwangen geboren und in der Region aufgewachsen. Was ihr neuester Roman „Die Schwimmerin“ damit zu tun hat.

Ellwangen

Ihre Kinderbücher sind Bestseller. Und preisgekrönt. Doch auch Romane für Erwachsene schreibt sie. Mit „Die Schwimmerin“ kehrt Gina Mayer sogar literarisch auf die Ostalb zurück - in ein fiktives Dorf namens Weilerbach und nach Schwäbisch Gmünd. Geboren wurde die in Düsseldorf lebende Schriftstellerin 1965 allerdings in Ellwangen. Dagmar Oltersdorf sprach mit ihr übers Schwimmen, das Schreiben für Kinder und Erwachsene und darüber, welche Verbindung sie bis heute zur Region hat.

Frau Mayer, die Frage liegt nah: Schwimmen sie selbst gerne?

Gina Mayer: Ja, aber anders als meine Romanfigur habe ich nicht als Kind, sondern so richtig erst vor ungefähr 15 Jahren damit angefangen. Vorher war ich immer joggen, aber dann bin ich wegen Problemen mit dem Fuß aufs Schwimmen umgestiegen. Im Sommer, wenn es so heiß ist, schwimme ich auch im See.

Mit Brille und Badekappe?

Ich habe sogar immer eine Schwimmboje dabei, in der man den Schlüssel und andere Dinge verstauen kann. Da bin ich wohl ein bisschen Nerd. Der Vorteil ist aber auch, dass man damit auch besser gesehen wird von SUP-Fahrern und Booten.

Ihr Roman „Die Schwimmerin“ spielt unter anderem in dem schwäbischen Dorf Weilerbach und in Schwäbisch Gmünd. Welche Verbindung haben Sie zu diesen Orten?

Ich bin in Bühlerzell aufgewachsen, auf der Schule war ich in Schwäbisch Hall, nicht etwa in Schwäbisch Gmünd. Weilerbach ist zudem ein fiktiver Ort, den ich mir so geschaffen habe, wie ich ihn für die Geschichte wollte. Ein realer Ort hätte mich vermutlich auch in Teufelsküche gebracht. Ich habe aber viele Verwandte in dieser Gegend, mir sind die Orte und das Leben dort vertraut. Und den Kontrast Schwäbisch Gmünd zur Großstadt Düsseldorf - das fand ich spannend. Die beiden Schulen in Schwäbisch Gmünd, über die ich auch schreibe, gab es tatsächlich. Das habe ich recherchiert.

„Die Schwimmerin“ ist ein historischer Roman - wie auch andere Ihrer Romane für Erwachsene. Warum gerade dieses Genre?

In meinem ersten Roman „Die Protestantin“ von 2006 geht es um Friederike Fliedner, die Gründerin der Kaiserswerther Diakonie. Ich bin in eine Straße mit diesem Namen gezogen und wollte wissen, wer das ist. Also begann ich damit, nachzuforschen und einen Roman zu schreiben. Fast gleichzeitig erschien auch mein erstes Kinderbuch - heute verdiene ich mein Geld zum Großteil mit den Kinderbüchern. Die ich eigentlich nebenher machen wollte. Aber 2016 hatte ich damit einen wirklichen Durchbruch und bin damit nun sehr erfolgreich.

Sind historische Romane nicht schwer zu vermarkten? Es gibt ja unzählige davon ...

Begonnen damit habe ich ja vor dem eigentlichen Boom. Ich schaue auch nicht, wie der Markt ist und schreibe die Geschichte, wie ich sie will. Es findet sich immer ein Verlag, der sie nimmt. Bei den Büchern für Erwachsenen kommt es nicht darauf an, wie viele ich verkaufe. Ich mache das einfach auch gerne. Aber ich bin zu 90 Prozent Kinderbuchautorin.

Muss man für Kinder anders schreiben?

Da gibt es auf jeden Fall einen Unterschied. Bei Kindern muss der Spannungsbogen schneller funktionieren. Sie können mit der Vergangenheit auch nicht viel anfangen. Ob 100 oder 1000 Jahre - das ist irgendwie eins. Kinder sind sehr stark mit dem Jetzt beschäftigt. Beides ist aber gleich schwer, denke ich. Beides macht mir auch gleich viel Spaß.

Für mich persönlich hätte „Die Schwimmerin“ auch anders, versöhnlicher ausgehen können ...

Oh, ich finde es versöhnlich ... aber man kann das Ende hier nicht vorwegnehmen. Zur Liebesgeschichte, um die es darin ja auch geht: es gibt viele Formen von Partnerschaft - und das spiegeln meine Bücher auch wider. Nur Gut und Böse, das gibt es nicht - auch nicht, wenn es um die Schwestern im Heim geht. Sie handeln so, weil sie überzeugt sind, dass es das Beste für die jungen Frauen ist.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

Edgar Selges „Hast du uns endlich gefunden“. Und „Das Wüten der ganzen Welt“ von Maarten 't Hart. Das dritte Mal. Ich lese es diesmal auf Niederländisch. Meine Tochter lebt nun in den Niederlanden und ich lerne die Sprache gerade ein wenig.

An was arbeiten Sie aktuell?

Ich schreibe im Moment an einer weiteren Staffel einer Kinderbuch-Reihe. Das „Internat der bösen Tiere“ ist gerade am erfolgreichsten. Es geht um Tiere und Menschen, die gemeinsam an einer Schule sind - auf Inseln in einem fernen Ozean. Jede Spezies lernt von den Stärken der anderen - und es gibt keine bösen oder ekligen Tiere. Aber in meinem Kopf geistert auch schon wieder etwas anderes herum ...

Haben Sie ein Lieblingstier?

Es ist von jeher der Geier. Die machen Ordnung und ohne sie wäre es nicht mehr so schön auf dieser Welt. Das finde ich sympathisch. Ich habe sogar eine Geiersammlung - die sehr klein ist. Da gibt es nicht viel. Aber ein Geier-Kuscheltier - das habe ich auch.

Sie selbst als Kind - was haben Sie gerne gelesen?

Mich hat sicherlich Astrid Lindgren geprägt. Viel gelesen habe ich auch von Michael Ende, nicht alles von ihm hat mir aber gleich gut gefallen. Und ich habe auch viel Schrott gelesen - jedenfalls sehe ich das heute so. Meine Bücher sollen aber auf jeden Fall das Gefühl, dass ich beim Lesen als Kind hatte, zurückbringen. Ich will fürs Lesen begeistern.

Sind Sie manchmal nach auf Besuch in Ellwangen?

Ja, ich habe dort noch Verwandte und auch mein Vater lebt in der Nähe von Ellwangen. Wenn ich auf Besuch komme, dann fahren wir auch mal in die Stadt zum Bummeln und Eisessen.

Gina Mayer wurde 1965 in Ellwangen geboren, wuchs in Bühlerzell auf und besuchte das Gymnasium in Schwäbisch Hall. Sie studierte in Düsseldorf Grafik-Design und arbeitete als Werbetexterin. 2006 erscheinen von ihr „Die Protestantin“ und das Jugendbuch „Das Mädchen ohne Gedächtnis“. Ihre Bücher wurden für zahlreiche Preise nominiert und ausgezeichnet. Zuletzt die Reihe „Das Internat der bösen Tiere“ mit dem Zürcher Kinderbuchpreis 2020. Mehr unter www.ginamayer.de online.

Die Schwimmerin von Gina Mayer. Foto: Ravensburger Verlag

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