Spielfreude und jede Menge Wortwitz

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Aufgeführt wird das Stück im neuen urbanen Garten beim Kulturbahnhof.

Der Spielclub 1 Theater der Stadt Aalen feiert Premiere mit Tiergedichten von James Krüss.

Aalen. Verstehen Sie Tiere? Manche Menschen können es. Sowohl akustisch als auch mit ihren Gefühlen. Steckt in jedem Tier ein Mensch, in jedem Menschen ein Tier? James Krüss, Jugendbuchautor, hat neben vielen anderen Dingen Tiergedichte geschrieben, die vom Spielclub 1 des Theaters Aalen inszeniert und auf lustige und nachdenkenswerte Weise aufgeführt wird.

Die Sonne brennt auf den urbanen Garten hinter dem KubAA, Besucher, jung und alt, suchen schattige Plätze auf, sind gespannt. Es ist die Premiere eines vielleicht ungewöhnlichen Stücks, doch wer Krüss kennt, weiß, dass Spaß und Unterhaltung in seinen Geschichten und Gedichten steckt. Eine fantastische Erfrischung mit einem Spritzer Selbstironie.

Noch ist die Bühne leer, aber um die Ecke des Kulturbahnhofs kommen zehn Mädels. Nur einige postieren sich neben der Bühne, andere malen mit Kreide auf den Weg. Eine kleine Gruppe versteckt sich hinter Sträuchern teils im Rücken der Zuschauer. Plötzlich bricht es heraus. „Ich bin ein Mensch!“ , ruft eines der Mädchen, anschließend reihen sich die Anderen mit der gleichen Aussage ein. Dann sind die jungen Schauspielerinnen nicht mehr zu bremsen, stürmen die Bühne. Unbändige Spielfreude breitet sich aus.

Die Sonne auf dem Hühnerhof ist das erste Gedicht, das „gespielt“ wird. Treffend bei der Hitze. Der Pfau lässt sich feiern, zieht als symbolisches Rad einen Kimono an, streift sich lange Handschuhe über und schaut mit Verachtung auf die Hühner, die ihm huldigen sollen. So geht es weiter. Eine Schnecke tritt mit einem „echten“ Haus auf dem Rücken auf, der Fuchs versucht, an die zu hoch hängenden Trauben zu kommen, unternimmt allerlei Versuche, während der Eisbär und die Königin ihre Probleme miteinander haben und der Esel sich als Präsident sieht.

Mikrofone und Lautsprecher gibt es nicht, hätten in der guten halben Stunde, die das Stück dauert, gestört. So ist es natürlicher, „Tiere“ müssen frei sein, sich bewegen können, laufen, springen und uns zum lachen bringen. Denn wie heißt es bei Krüss: „Wenn die Tiere Sachen machen, kann man weinen oder lachen. Aber lachen, bitte sehr, wäre das, was besser wär“.

Es macht Spaß, den Dialogen und Monologen zu lauschen, sich auf Sprachwitz und Feinsinn einzulassen. Chapeau für die Darstellerinnen, die die Gedichte zum Leben erwecken. Regisseurin Lisa-Marie Krauß, Emma Preyer als Assistenz an ihrer Seite und Bärbel Krause als Kostümbildnerin haben zudem dafür gesorgt, dass die Mädchen eine lebhafte, lockere und unterhaltsame Inszenierung umsetzen konnte.

Uwe Glowienke

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