BionTech-Impfstoff bleibt auf der Ostalb weiter ein rares Gut

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Das Vakzine von BionTech/Pfizer ist das beliebteste in Deutschland. daher wollen sich viele mit diesem Impfstoff nun auch „boostern“ lassen. Doch das wird schwierig. Archivfoto: opo
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Landrat Dr. Bläse versichert, der Ostalbkreis verfüge über ausreichend mRNA-Impfstoff. Wegen Lieferengpässen beim BionTech-Wirkstoff bleibt der aber Menschen unter 30 vorbehalten.

Aalen

Impfstoff von BionTech ist ein rares Gut auf der Ostalb. Das hat Landrat Dr. Joachim Bläse am Dienstagabend im Verwaltungsausschuss der Kliniken eingeräumt. SPD-Fraktionschefin Dr. Carola Merk-Rudolph wollte da von ihm wissen, ob es stimmt, dass für den gesamten Bereich Oberkochen aktuell nur 46 Impfstoffdosen vorhanden seien. Das hätten Hausärzte von dort ihr nämlich gesagt. „Ganz so schlimm ist es nicht“, antwortete der Landrat. Tatsächlich bestehe aber aktuell ein Mangel beim Wirkstoff von BionTech. Hier gebe es Lieferengpässe, weshalb der Landkreis bei den Impfungen an seinen vier festen Standorten in Gmünd, Aalen, Ellwangen und Bopfingen, der Empfehlung folgend, den BionTech-Impfstoff für Menschen unter 30 Jahren reserviere.

Bestellungen wöchentlich

Für die vier Stationen des Landkreises würden Impfstoffe wöchentlich bestellt, die Hausärzte bestellten 14-tägig, weshalb es hier schon mal vorkomme, dass der Impfstoff ausgeht, erklärte Bläse. Hausärzte wendeten sich dann an Apotheker oder den Kreis, „und wir konnten bislang immer aushelfen“, sagt Bläse. Und dass Moderna inziwschen ebenfalls knapp sei, sei nichts als ein Gerücht, versicherte Bläse.

„Erhalten denn nun alle, die einen Termin beim Hausarzt vereinbart haben, tatsächlich ihre Impfung“, fragte Dr. Eberhard Schwerdtner (CDU) nach. „Ja“, sagte Dr. Bläse „aber sie erhalten dann nicht zwingend den Wirkstoff, den sie möchten“.

Die sei aber nicht schlimm, meint Bläse. „Wir haben mit BionTech und Moderna zwei hervorragende Wirkstoffe, die in Wirkung und Verträglichkeit gleich zu betrachten sind“, sagte er. Er verstehe aber, dass sich Menschen ärgerten, die beim Hausarzt unbedingt BionTech haben wollen. Der Landkreis habe sich daher bereits beim Landes-Gesundheitsministerium beschwert und gefordert, die Ostalb mit ausreichend Impfstoff aller Hersteller zu versorgen.

Das Land verweise auf den Bund und habe daraufhin den Kreis gebeten, bei einer Kampagne zu helfen, mit der insgesamt mehr Impfstoffdosen nach Baden-Württemberg geholt werden soll. „Wir meckern nicht nur auf der Ostalb, sondern packen mit an“, begründete Bläse, weshalb er einen führenden Mitarbeiter seiner Verwaltung freigestellt habe, um bei dieser Aktion mitzuwirken.

Die großen Kreis-Impfzentren wieder hochzufahren, wie es Dr. Carola Merk-Rudolph erneut vorschlug, das sei nicht nötig, sagte der Landrat. „Die Hausärzte hier impfen 2000 bis 2500 Menschen täglich, an den Zentren schaffen wir zwischen 1000 und 1200 Impfungen am Tag und dann kommen noch die Pop-up-Angebote in den Landgemeinden hinzu. Es ist großartig, wie sich alle einsetzen, vielen Dank dafür und es ist unglaublich, dass wir mit dieser vergleichsweise sehr schlanken Struktur täglich viel mehr Impfungen schaffen, als wir es in der Spitze an den Impfzentren an einem Tag geschafft haben“, sagt Bläse.

Die Fieberambulanz haben die niedergelassenen Ärzte in Aalen in der ehemaligen Musikschule, Ziegelstraße, wieder hochgefahren, informierte er Dr. Carola Merk-Rudolph weiter.

Die „Corona-Kliniken“ wieder hochzufahren, das sei nicht nötig, versicherte der SPD-Politikerin auch der Chef der Ostalb-Kliniken, Professor Dr. Ulrich Solzbach. Nicht Betten oder Räume seien das Problem, beides gebe es genug, weil alle planbaren Eingriffe verschoben wurden, sondern Personalknappheit. Die Kliniken hätten inzwischen ein Personalkonzept entwickelt, mit dem die Herausforderung zu meistern sei, meint Solzbach.

Die Lage an den Kliniken sei „schon sehr angespannt“, bekannte der Landrat. Das Personal erlebe Zustände, so drastisch wie bei der dritten Welle an Ostern. „Viele sind an ihrer Belastungsgrenze, viele fühlen sich ausgebrannt und einige werden krank und fallen dann aus“, appellierte Bläse dran, alles dafür zu tun, auch sich impfen zu lassen, um die aktuelle Welle zu brechen.

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