Bus: 365-Euro-Jahresticket für Ostalb noch nicht aktuell

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Verfügbarkeit und Taktung von Bussen (hier am ZOB in Aalen), ist in den Städten weniger ein Problem als in den ländlichen Regionen. „Die Fahrgäste sind durchaus bereit, für ihr Busticket einen angemessenen Preis zu zahlen, sofern die Gegenleistung stimmt“, sagt Ingo-Benedikt Gehlhaus, Leiter des Geschäftsbereichs Nachhaltige Mobilität im Landratsamt. Archivfoto: opo
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Wie die Landkreisverwaltung zum Antrag der SPD-Kreistagsfraktion steht. Und wo autonom fahrende Busse auf der Ostalb eine erste Chance hätten.

Aalen

Für einen Euro pro Tag Busfahren, das klingt verlockend. Dennoch wird es ein 365-Euro-Umwelt-Jahresticket für den Ostalbkreis wohl so schnell nicht geben. Der Geschäftsbereich Nachhaltige Mobilität im Landratsamt hat einen entsprechenden Antrag der SPD-Kreistagsfraktion prüfen lassen und ist zu dem Ergebnis gekommen: Auf praktischer Ebene ist ein 365-Euro-Umwelt-Jahresticket noch mit vielen Vorbehalten behaftet.

Warum ein 365-Euro-Jahresticket für den Ostalbkreis derzeit noch nicht in Frage kommt, berichtete Geschäftsbereichsleiter Ingo-Benedikt Gehlhaus den Kreisräten in der jüngsten des Kreisausschusses für Umweltschutz und Kreisentwicklung. Zudem ging er auf den Antrag der CDU-Kreistagsfraktion ein, die darum gebeten hatte, einen Testbetrieb „autonom fahrender Busse“ im ländlichen Raum zu prüfen.

Modellprojekte mit 365-Euro-Jahresticket: In Wien, so Gehlhaus, habe sich dieses Jahresticket „nicht so wirklich durchgesetzt“. In Reutlingen sei das Modellprojekt im Rahmen der Initiative „Saubere Luft“ mit Bundesfördermitteln unterstützt worden. Doch weil sich nach Ablauf des Förderprogramms die Finanzierung problematisch wurde, sei das Projekt wieder eingestellt worden.

Apropos Finanzierung: Die Modulation der aktuellen Tarife wie Schüler-Abos in ein verbundweit gültiges 365-Euro-Jahresticket wäre für den Ostalbkreis bei gleichbleibender Fahrgastzahl mit jährlichen Mehrkosten von etwa 2,5 bis 3 Millionen Euro verbunden, so Gehlhaus. Allein bei der Überführung der Ostalb-Abos in ein 365-Euro-Jahresticket würden jährlich 1,4 Millionen Euro Einnahmen wegbrechen, die es wiederum auszugleichen gelte.

Was bei den Fahrgästen punktet: Laut Gehlhaus legten Fahrgäste beim Umstieg auf den ÖPNV zuvorderst Wert auf Erreichbarkeit, Fahrtdauer und Taktung der öffentlichen Verkehrsmittel. Die Preisfrage sei diesen Aspekten nachgeordnet. „Es hat sich gezeigt, dass Fahrgäste für ihr Bus- oder Bahnticket durchaus bereit sind, einen angemessenen Preis zu zahlen, sofern die Gegenleistung stimmt.“ Daraus folgert Gehlhaus: Gerade im ländlichen Raum, wo Taktung und Verfügbarkeit der Busse nicht so erfolgreich funktioniert wie in Ballungsräumen, sei es nicht ratsam, den Fokus nur auf tarifliche Aspekte zu legen.

Wie es weitergeht: Gehlhaus verweist auf den Koalitionsvertrag des Landes, wonach landesweit attraktive Tarifangebote geprüft werden sollen mit dem Ziel, landesweit günstige Tickets anzubieten. Der Ostalbkreis zusammen mit Ostalb-Mobil wollen diese Entwicklungen im Auge behalten und die Einführung eines 365-Euro-Jahrestickets dann neu bewerten, wenn sich abzeichnet, dass sich das Land adäquat an der Finanzierung des Tickets beteiligt.

Autonom fahrende Busse

Landesweit gibt es bereits einzelne Modellprojekte mit fahrerlosen Bussen. Allerdings, so Gehlhaus, handelt es sich dabei ausschließlich um Testbetriebe und Pilotversuche. Nichtsdestotrotz könne man sich auch Testversuche im Ostalbkreis vorstellen, beispielsweise bei der Landesgartenschau in Ellwangen 2026. Landrat Dr. Joachim Bläse bestätigt: „Ein Pilot- oder Modellprojekt ist derzeit die einzige Chance, so etwas zu realisieren.“ Er befinde sich deswegen bereits im Gespräch mit Ellwangens OB Michael Dambacher.

Fördertöpfe leer: Voraussetzung, so Gehlhaus, sei eine umfangreiche Prüfung, an der etwa Hochschulen, Forschungsinstitute und Prüfgesellschaften, Wirtschaft, Industrie, Verkehrsunternehmen, Kommunen und Verkehrsverbünde beteiligt sein müssten. Allerdings seien die entsprechenden Förderprogramme bei Bund und Land derzeit ausgelaufen, beziehungsweise die Fördertöpfe leer geschöpft.

Dr. Susanne Garreis (Grüne) legt großen Wert darauf, dass die Ostalb Modellregion wird für autonom fahrende Busse. „Wir sollten nicht warten, bis uns die gebratenen Tauben in den Mund fliegen!“ Sie schlug vor, autonome Busse auf sogenannten Umwegfahrten einzusetzen; auf Nebenstrecken also die derzeit von Rufbussen bedient werden.

Und zum 365-Euro-Ticket: Vor dessen Einführung sollte Angebot und Nachfrage stimmen.

Mario Capezzuto (SPD) will das Ergebnis der Prüfung zur Einführung des 365-Euro-Tickets mit zur Besprechung in seine Fraktion nehmen. „Die Differenz von 1,4 Millionen Euro jährlich hat uns schon erschreckt.“

Nikolaus Ebert (CDU) merkte an, dass die Fragen zu den Lösungsansätzen für 365-Euro-Ticket und autonom fahrende Busse in den Aufsichtsrat gehören. „Danach müssen wir in den Gremien die Zielsetzung formulieren.“

Herbert Witzany (FW) monierte: „Wir brauchen einen flächendeckenden ÖPNV, ein entsprechendes Angebot und gute Tarife. Unser Busverkehr ist zu stark an der Schülerbeförderung ausgerichtet.“ Das sei der Kostenverursacher. Er persönlich halte vom 365-Euro-Ticket wenig.

Cynthia Schneider (Die Linke) geht es beim 365-Euro-Ticket vor allem um den Personenkreis der sozial Schwachen. Sie plädierte für ein Pilotprojekt, um zu sehen, wie es genutzt wird.

Ich halte vom 365-Euro-Jahresticket wenig.“

Herbert Witzany, FW-Kreisrat

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