Coronazahlen explodieren - wo Krisenstab und Kliniken jetzt die größten Probleme sehen

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Die Intensivstation in den Kliniken Ostalb vermeldet zurückgehende Coronapatienten-Zahlen..
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Über die Schwierigkeiten mit der Hospitalisierungsinzidenz, die kritische Phase im Februar und wann das Landratsamt wieder tagesaktuell die Zahlen erfasst. Eine Einordnung der aktuellen Situation.

Aalen. Die Coronazahlen explodieren förmlich: Rund 1100 neue Fälle im Ostalbkreis allein am Dienstag, die 7-Tage-Inzidenz steigt um über 300 auf fast 1700 am Montag und nochmal um rund 200 auf über 1900. Es fällt schwer, diese Zahlen einzuordnen, die alten Regeln aus den früheren Coronawellen gelten nicht mehr. Zwei Faktoren haben sich geändert: Impfungen im Zusammenspiel mit Omikron. 70 Prozent der Bevölkerung im Ostalbkreis sind vollständig geimpft, die Hälfte hat immerhin schon einen Booster erhalten. Außerdem verursacht die Omikron-Variante weniger schwere Verläufe. Doch wie ist nun die Lage, was bedeuten die aktuellen Zahlen?

Personalausfälle bereiten Sorgen

Sowohl im Landratsamt als auch bei den Kliniken Ostalb sieht man die Omikronwelle aus Patientensicht derzeit eher unkritisch. "Die Zahlen der an Corona Erkrankten, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen, sind stark zurückgegangen", sagt Pressereferentin Susanne Dietterle im Landratsamt. Auf den Normalstationen nehmen die Patienten zu. Klinik-Chef Professor Ulrich Solzbach vermeldet 48 Patienten auf den Isolierstationen, sagt aber auch: "In dieser Welle sind allerdings nicht die Patientenzahlen das größte Problem, sondern vielmehr machen uns die krankheitsbedingten Personalausfälle Sorgen."

Der Personalmangel sei schon vor der Pandemie "enorm" gewesen, so Solzbach, jetzt habe sich dieser noch weiter verschärft. "Deshalb müssen wir immer noch weitsichtig bei der Planung von Operationen und Eingriffen sein. Auch können wir für Besucher noch nicht in vollem Umfange öffnen, wofür wir weiterhin um Geduld und Verständnis bitten", sagt Solzbach.

Kritische Phase im Februar

Beim Krisenstab im Landratsamt teilt man diese Ansicht. "Mit Blick auf die hohe Anzahl an Infizierten ist deshalb aktuell weniger die Schwere der Krankheitsverläufe, sondern vielmehr mehr die Aufrechterhaltung des laufenden Betriebs der kritischen Infrastruktur teilweise eine Herausforderung", sagt Dietterle. Entsprechend den Modellrechnungen von Bund und Land gehe der Krisenstab von einer kritischen Phase zumindest noch während des Februars aus.

Hospitalisierungsinzidenz immer weniger geeignet

Die 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz ist in Baden-Württemberg von 5,4 in der Vorwoche auf 7,7 gestiegen. Allerdings taugt auch dieser Indikator immer weniger als Messinstrument in der Omikronwelle. Denn, so Solzbach: "Alle Patienten, die positiv auf das Coronavirus getestet sind, fließen in diese Zahlen mit ein." Das bedeutet: Wer beispielsweise mit einem Knochenbruch ins Krankenhaus kommt und beim Routinetest positiv auf das Coronavirus getestet wird, fließt als Fall in die Hospitalisierungsinzidenz mit ein. Zwar muss die Klinik in diesen Fällen dann ebenfalls einen hohen Isolierungsaufwand betreiben, doch als Gradmesser, wie viele Menschen wegen Corona ins Krankenhaus müssen, ist die Hospitalisierungsinzidenz deshalb immer weniger geeignet. 

Landratsamt will bald wieder tagesaktuell melden

Seit dem 28. Januar konnte das Landratsamt aufgrund des sprunghaften Anstiegs neue Fälle nicht mehr tagesaktuell erfassen. "Inzwischen wurde das Team der Befunderfassung um 15 Beschäftigte aufgestockt und ein Großteil des Rückstands konnte aufgearbeitet werden", sagt Dietterle. Im Landratsamt gehe man davon aus, dass bei gleichbleibenden Verhältnissen man bis Ende der Woche wieder auf dem Laufenden sei.

Insgesamt sei die aktuelle Strategie ohne die Kontaktnachverfolgung, jedoch im Zusammenspiel mit Testen, Masken und Impfen, aufgrund der milderen Verläufe vertretbar - auch hinsichtlich der weiterhin geöffneten Schulen und Kitas, so Dietterle. Es gehe darum, psycho-soziale Belastungen bei Kindern und Jugendlich weitgehend zu reduzieren und Lernrückstände zu vermeiden. Im Ostalbkreis liegt die 7-Tage-Inzidenz bei Kindern im Alter bis 14 Jahren laut RKI aktuell bei 3249, ein Anstieg um rund 18 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. 

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