Das Jahr in Musik und Tanz

Zum Glück muss man schon fast sagen, leben wir in einer Klimazone, die die Jahreszeiten kennt. Nicht nur wegen des herrlichen Winters da draußen, sondern auch deshalb, weil die Jahreszeiten so herrliche Kompositionen wie Fanny Hensels Klavierzyklus "Das Jahr" hervorgebracht haben. Die Ballettwerkstatt von Marianne Kähler und Pianistin Simone Häcker-Brune haben sie in all ihrer Pracht erscheinen lassen.

Das Werden und Vergehen im Jahreslauf der Natur, der Duft der Blumen und der wogende Wind, die Kraft eines reinigenden Gewitterregens und der Durst der Erde danach: All diese Eindrücke vermochte Fanny Hensel, die zu Lebzeiten stets verkannte und kaum an die Öffentlichkeit gelangende große Komponistin, in ihrem Werk umzusetzen. Im Schatten ihres berühmten Bruders, Felix Mendelssohn-Bartholdy, gelangten ihre charakterstarken Werke erst lange nach ihrem frühen Tod an die Öffentlichkeit. So auch "Das Jahr", dem sich die Ballettklassen von Marianne Kähler aus Aalen und Ellwangen mit sehr intensiven Choreografien widmeten. Der Körper, der Tanz, wirkt an diesem Freitagabend auf dem schlichten Schwarz der Stadthallenbühne wie eine weitere Ausdrucksform der Gefühle, die Fanny Hensel einst im stets romantisch anmutenden Duktus so meisterhaft notiert hat. Fast herrschaftlich, von einer tiefen Ehrfurcht vor der Schöpfung gezeichnet, beginnt der Zyklus. Aus tiefem Schlaf erwacht dann plötzlich der Tanz in anmutigen Formationen, Simone Häcker-Brune spielt bedächtig die choralartigen Akkorde. Doch nicht lange währt diese herrschaftliche Atmosphäre, die im Laufe des getanzten Musikjahres immer wieder wie ein roter Faden auftaucht. Schnelle, virtuos gespielte Klavierläufe künden das Erwachen der Natur, der närrischen, fünften Jahreszeit. Mit süßen Latzhosen und Knubbelnasen zeigen die kleinen Tänzerinnen und Tänzer ihr Können, Musik und Tanz sind hervorragend aufeinander abgestimmt. Graziöse Liebesstimmung wird poetisch eingeleitet Aufblühende Frühlingsblumen folgen in eleganten Armbewegungen der Repertoireklassen, und das Aprilwetter zeichnet mit den chromatisch aufsteigenden Läufen des Klaviers dazu passend wunderbare Bilder. Von Sprecherin Andrea Haug poetisch eingeleitet, kann die Lieblichkeit des Wonnemonats eine graziöse Liebesstimmung in Musik und Tanz zaubern. Und während im Sommer "die Flure dürsten nach frischem Tau" warten schon die lächelnden Herbstblumen mit schwingenden Röckchen und fröhlichen Tänzen. Starke Ritardandi im Klavier und hornähnliche Quartintervalle lassen das innere Auge durch Wälder gleiten. Später bringt der Weihnachtsmonat Dezember erwartungsvolle Gesten in musikalischen und tänzerischen Motiven. Der Jahreskreis schließt sich in einem motivisch zusammenfassenden Nachspiel, bei dem die Elevinnen und Eleven jeweils ein Requisit aus ihrem Monat zusammenbringen. Erwartungsvolle Gesten des Monats Dezember Der rauschende Applaus des Publikums zeigte die Begeisterung für die großartige Umsetzung des Werks durch die Pianistin und die Choreografinnen Marianne Kähler, Christina Haal und Jacqueline Martius-Lüdeking. Auch für die instrumentalen Intermezzi der Jugendkapelle Aalen gab es schließlich viel herzlichen Beifall am Ende der gelungenen Aufführung.

sibylle schwenk

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