Der Radweg zwischen Aalen und Gmünd im Praxistest 

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Flott vorankommen statt einer Kurve nach der anderen - das sollen Radschnellwege bieten.
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Touristisch gedacht, reich an Zickzack-Passagen und für Berufspendler recht zeitintensiv: ein Radweg mit 63 Ecken.

Gmünd/Aalen

Das Auto hat sie, der Zug auch: eine Strecke zwischen Aalen und Gmünd, die möglichst kurz und schnell ist. Beim Verkehrsmittel Fahrrad ist die Lage anders, die Radroute ist schon mal vier Kilometer länger als die Autostrecke. Es ist nicht das einzige Manko, das dem schnellen Vorankommen entgegen steht. Die Grünen im Kreis wünschen sich einen Radschnellweg zwischen den zwei Städten.  SchwäPo- und GT-Radredakteur Bernd Müller hat den Ist-Zustand  untersucht – und ist aus dem Zählen von 90-Grad-Knicken gar nicht mehr herausgekommen. 

Die Entfernung: Der offiziell ausgeschilderte Radweg zwischen Gmünd und Aalen, gemessen von Bahnhof zu Bahnhof, ist 29,5 Kilometer lang. Mit dem Auto sind es 25,4 Kilometer. Die Zahlen zeigen den Unterschied: Stellt man sich die Bahnlinie als Idealbild direkter Linienführung vor, dann ist der Radweg das Gegenteil davon. Vier Kilometer mehr, das macht für einen Radler mit einem 20er-Schnitt eine Viertelstunde mehr Fahrzeit. Es ist aber nur ein theoretischer Wert: Denn die Streckenführung macht den bisherigen Radweg an manchen Stellen richtig langsam – vor allem in den großen Städten.

Durch Aalen und Gmünd: Ein schmaler Steg in Aalen, verwinkelte Gassen in Gmünd. Dazu große Ampelkreuzungen, an denen Radler meist Wartezeiten haben. Die Routenführung in den beiden großen Städten des Kreises ist das Gegenteil von schnell. Ein Radweg nach der Methode: irgendwo reingequetscht, wo's noch ein bisschen Platz hatte. Zum Beispiel in der Gmünder Altstadt: An der Stadtbibliothek und in der Honiggasse muss man um unübersichtliche 90-Grad-Ecken kurven, die zudem nicht den Radlern allein gehören. Wer da schnell fährt, gefährdet schnell Fußgänger. 

Immer wieder ums Eck: Wir haben mitgezählt: In Aalen knickt der ausgeschilderte Radweg 16 Mal um 90 Grad ab, in Gmünd sind es 14 Mal – mal übersichtlicher, mal um Häuserecken oder auf engen Quasi-Fußwegen. Auf der gesamten Strecke sind's 63 solcher Knicke, für Autos übrigens: null. In Mögglingen, am östlichen Ende des Industriegebiets, gibt’s immerhin einen praktischen Service für die Radler: einen Verkehrsspiegel, mit dem man ums Eck schauen kann. 

Durch Böbingen und Mögglingen: Im Tour-de-France-Sprech ausgedrückt: In den beiden Orten liegen die Bergprüfungen der Strecke: An beiden Ortsenden von Böbingen geht's den Buckel rauf, auch zwischen den zwei Gemeinden muss man noch mal Höhenmeter bewältigen, während Zug und Auto (abgesehen von der neuen Umfahrung Mögglingen) im Tal bleiben. Das hat natürlich nicht nur Nachteile für Radler: Auf der Höhe zwischen Böbingen und Mögglingen gibt’s schöne Panoramablicke übers Land, die Autofahrern verwehrt bleiben. Nur eins ist man nicht: schnell. 

Rems statt schnell: Bei Hussenhofen ist der Radschnellweg entlang der B 29 im Grunde da – ausgeschildert ist aber eine Route durch den Ort, am seit der Gartenschau 2019 neu gestalteten Remsufer entlang. Auch in Essingen hat die Rems Einfluss auf die Streckenführung, schließlich heißt es „Remstalradweg“. Touristisch gestimmte Radler können bis zum Rems-Ursprung radeln, wer nach Aalen will, wird durch den Ort geleitet. 

Schnell statt schön: Nicht immer geht's ums Eck oder um touristisch gedachte Umleitungen. Zwischen Zimmern und Böbingen, von Mögglingen nach Essingen und von dort durch Dauerwang nach Aalen ist die Linienführung der Strecke dem schnellen Vorankommen förderlich. Die Höhenmeter, die der Radweg der Autoroute voraus hat, bleiben ein bremsendes Element, zumindest für die, die noch ohne E-Bike unterwegs sein wollen.  

Freizeitgerät versus Verkehrsmittel: Als Fazit bleibt: Der Radweg hat seine schönen Seiten, schließlich war er ein wichtiges verbindendes Element bei der Remstalgartenschau. Als Verkehrsachse taugt er nur auf einigen Abschnitten.  

Der Remstalradweg in Zahlen

Länge: 29,5 Kilometer (von Bahnhof zu Bahnhof, der offiziellen Ausschilderung folgend). Bei verschiedenen Varianten der Streckenführung (in Essingen gibt es drei Möglichkeiten Richtung Aalen abzuzweigen!) wurde stets die kürzeste gewählt. 

Tiefster Punkt: Schwäbisch Gmünd 321 Meter ü. NN

Höchster Punkt: Essingen, 508 Meter ü. NN

Zur Sicherheit: Am Ortsausgang von Mögglingen steht der einzige Verkehrsspiegel der Strecke.
Radweg Schwäbisch Gmünd Aalen
Das Schild zum Weg: Allzu oft verläuft der Remstalradweg genau so - 63 mal begegnet man einem 90-Grad-Knick.

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