Kommentar

Die aktuell etwas verrutschte Debatte zur Zukunft der Klinken Ostalb

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Jürgen Steck
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Von Kesselflickern und Gretchenfragen.

Letztendlich hat ja der Kreistag zu entscheiden, wie es weitergeht mit den Kliniken im Ostalbkreis. Die großen politischen Fraktionen im Kreistag haben für diesen Freitag zu einem gemeinsamen Pressegespräch geladen – und vermutlich wollen sie dann daran appellieren, die Diskussion um die Zukunft der Kliniken zu versachlichen. Das ist ehrenwert – und notwendig. Denn sie droht zu verrutschen, diese Debatte. Weil sie zur Standortfrage degradiert wird. Mit höchst nervösen Oberbürgermeistern in Schwäbisch Gmünd, Aalen und Ellwangen – von denen keiner, selbst wenn er insgeheim vielleicht anderer Meinung sein könnte, sagen kann: „Ok, bei uns können wir die Klinik schließen – wir bauen gemeinsam eine anderswo.“ Wie sollten sie das erklären in ihren Städten, ihren Bürgerinnen und Bürgern, die sie gewählt haben. Dass im Konflikt die Wortwahl verrutscht – der Ellwanger OB Dambacher hatte Äußerungen des Aalener OB Brütting mit dem Prädikat asozial abgestempelt – ist verbaler Ausdruck dieser Nervosität. Dass Brütting darauf – zumindest öffentlich – nicht zurückgekeilt hat, zeugt von einer Souveränität des im Vergleich jüngsten Oberbürgermeisters der Region. Angriffe, die ins Persönliche abgleiten, nützen niemand: Sie schaden vielmehr im Blick auf die Zukunft, in der die Städte ja weiterhin in vielen Dingen zusammenarbeiten werden. Sie müssen also ausgeräumt werden.

Die Diskussion wirft zudem die Frage auf, ob man die Frage der Zukunft der Kliniken – und damit der Gesundheitsversorgung aller Bürgerinnen und Bürger dort – zu einer Streitfrage unter den drei großen Städten reduzieren darf. Nein, darf man nicht. Insofern ist der Entwurf des Landrates Dr. Joachim Bläse vom Montag gut, der ein sehr methodisches und analytisches Verfahren vorschlägt, das Transparenz auf dem Weg zu Entscheidung verspricht. Allerdings steht in dem Papier auch, dass sich der Ostalbkreis von der „Dreihäusigkeit“ der Klinikstruktur verabschieden soll. Um die Entscheidung, ob er das will, kommt der Kreistag als politische Vertretung aller im Ostalbkreis nicht herum. Sie ist die Gretchenfrage. Dass man deswegen streitet, ist richtig. Denn es geht um das wichtigste Gut der Bürgerinnen und Bürger - nicht nur in Aalen, Schwäbisch Gmünd und Ellwangen. Sondern im ganzen Ostalbkreis. Gut daher, wenn die Fraktionen sich jetzt für Sachlichkeit einsetzen. Dass dies gelingt, ist maßgebend für eine gute Entscheidung im Sinne aller. Und unwahrscheinlich, wenn die Entscheider sich wie die Kesselflicker beschimpfen, statt Argumente auszutauschen.

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