Die Rivalität zwischen Gmünd und Aalen ist Vergangenheit, finden die beiden Rathauschefs - „Wir müssen unsere Kräfte bündeln“

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Besprechen die Ergebnisse des großen Ostalbchecks für Schwäbisch Gmünd und Aalen (v. l.): Frederick Brütting (OB in Aalen) und Richard Arnold (OB in Schwäbisch Gmünd).
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Zum Abschluss der Umfrageaktion: Frederick Brütting und Richard Arnold, die Oberbürgermeister aus Aalen und Schwäbisch Gmünd, im Doppelinterview bei der Schwäbischen Post und Gmünder Tagespost.

Aalen. Es ist ein hauchdünner Sieg: 6,1 Punkte für Aalen, 6,0 für Gmünd. Die Noten zeigen den Blick der Bürgerinnen und Bürger auf ihre Städte – sie sind ein Ergebnis des Ostalbchecks, den diese Zeitung gemacht. Zum Abschluss reden Frederick Brütting und Richard Arnold, die Rathauschefs aus Aalen und Schwäbisch Gmünd, über die Rivalität der Städte, ihr persönliches Verhältnis - und wo es in Zukunft eine Klinik geben soll. Das Doppel-Interview führten Jürgen Steck, Redaktionsleiter der SchwäPo, und GT-Redakteur Bernd Müller. 

Rivalität oder Kooperation? Das Gegeneinander von Aalen und Gmünd, finden Frederick Brütting und Richard Arnold, ist inzwischen weitgehend historisch. „Ich sehe das nicht so, dass Rivalität herrscht“, sagt Brütting. „Aus meiner Sicht hat das sehr stark abgenommen“, findet Arnold, da sei heutzutage „viel Folklore dabei“. „Es hat eher Unterhaltungscharakter, das kann man auch bedienen.“ Im Ernst setzen die beiden Oberbürgermeister auf Kooperation: „Es gibt viele Aufgaben, die nicht an der Gemarkungsgrenze halt machen“, sagt Brütting. Arnold fügt hinzu: „Wir müssen unsere Kräfte bündeln. Wenn wir uns zusammentun, werden wir eher erfolgreich sein.“ Die Konkurrenz liegt heute woanders: „Es geht nicht so sehr darum, wer sich im Kreis ein paar Meter von den anderen Städten absetzt. Wir müssen größer denken, wir konkurrieren mit Räumen wie Stuttgart und Ulm, da kann keine Stadt in unseren Größen allein bestehen“, so Brütting. 

Das Verhältnis: Sie unterscheiden sich in Stil, Generation, Parteizugehörigkeit. Frederick Brütting ist 38, Richard Arnold 63 Jahre alt. Der eine Sozialdemokrat, der andere in der CDU. Im OB-Wahlkampf in Aalen hat Arnold eine Gegenkandidatin von Brütting unterstützt.

Beobachtet man die beiden miteinander, gewinnt man den Eindruck: Da sind zwei Politikprofis, die sich verstehen. Man duzt sich. Es gibt kein regelmäßiges Treffen, aber sie legen Wert darauf, immer wieder im Zwiegespräch miteinander zu reden. Zum Beispiel in Heubach, wo sich die beiden mal getroffen haben. Auf neutralem Boden also: „Das hat den Vorteil, dass man da nicht auf jeden Kanaldeckel angesprochen wird“, sagt Arnold. 

Die Klinikdiskussion: Zwei Oberbürgermeister, eine Aussage: Aalen erhalten, Mutlangen erhalten. Arnold und Brütting haben sich klar positioniert als maßgebliche Fürsprecher gegen ein neues Zentralklinikum, für den Erhalt der zwei Kliniken bei ihren Städten. „Wir sind da sehr nah beieinander“, sagt Arnold.

Argument eins: Wenn man richtigerweise „von den Menschen her denkt“ (Arnold), dann könne ein neues zentrales Klinikum nicht die Lösung sein. „Man kann nicht nur mit dem Lineal Klinikstandorte festlegen, so werden Punkte rausgesucht, wo dann gar keine Menschen sind“, sagt Frederick Brütting. Die Möglichkeit eines Neubaus sei „sehr unrealistisch“, ergänzt der Gmünder OB. „Das würde ja bedeuten, dass der Osten bis nach Mögglingen oder Heubach fahren müsste.“ Arnold warnt davor, die Bürger mit zu viel Wandel zu überfrachten: „Im Moment ändert sich so viel um uns herum, vielleicht ist es auch unsere Aufgabe im Sinne der Nachhaltigkeit dort zu starten, wo sich Dinge bewährt haben - und dann Dinge besser zu machen.“ 

Argument zwei: Die Kliniken in Aalen und Mutlangen seien zu gut und zu gut positioniert, um sie aufzugeben. „Wir haben dort viel investiert, es ist eine gute Lage, es gibt Ausbaupotenzial“, so Brütting. Er sehe nicht die Notwendigkeit, „dass wir diese beiden großen Klinikstandorte jetzt schließen“. Die Stärken, die man dort habe, dürfe man „nicht leichtfertig aufs Spiel setzen“, so Arnold. „Die beiden Kliniken zu ertüchtigen und weiterzuentwickeln, macht sehr viel Sinn, weil sie geographisch zwei große Bereiche abdecken.“

Und was wird aber dann aus Ellwangen? Brütting weist den Job, eine Antwort zu finden, diplomatisch den Fachleuten zu: „Da erwarten wir konkrete Vorschläge. Welches Modell sich für Ellwangen ergibt, das werden wir nicht vorgeben.“

Wird’s am Ende nicht doch richtig Streit geben? Bei der konkreten Planung gehe es dann ans Eingemachte, sagt Arnold. „Da werden wir sicher nicht mehr diesen Konsens haben, es wird Emotionen geben, das gehört zur Politik dazu.“ 

Aalen und Gmünd im Ostalbcheck: Waldstetten und Westhausen liegen mit Spitzennoten ganz vorne nach dem Abschluss des Ostalbchecks. Was haben die, was Gmünd und Aalen nicht haben? „Das sind tolle Orte, aber beide profitieren sehr stark von den Zentren. Was wäre Waldstetten ohne Gmünd, was Westhausen ohne Aalen?“, sagt Richard Arnold. Wer stadtnah in einem kleineren Ort wohnt, kann die Stärken der Städte oft nutzen – bei Einzelhandel, Kultur und Gastronomie sind Aalen und Gmünd top; wird aber von deren Nachteilen verschont: Immobilienmarkt und Verkehrsbelastung, auch die Digitalisierung, finden die Bürgerinnen und Bürger in Aalen und Gmünd gleichermaßen die größten Schwachpunkte.

Sie haben sich die Ergebnisse genau angeschaut, die beiden Oberbürgermeister. Und durch die Kommentare, Anmerkungen, Anregungen der Teilnehmer noch was dazugelernt. Wie Richard Arnold: „Was mich überrascht hat: dass wir in Schwäbisch Gmünd zu wenig Strafzettel verteilen …“ 

Über 11000 Teilnehmer bei der Ostalbcheck-Umfrage

Mehr als 11000 Bürgerinnen und Bürger haben mitgemacht beim Ostalbcheck, einer großen Umfrage dieser Zeitung in Kooperation mit dem Landratsamt Ostalbkreis. In allen 42 Kommunen des Kreises und in Alfdorf haben wir ein Stimmungsbild abgefragt, die Ergebnisse ausgewertet und jede Gemeinde, ihre Stärken und Schwächen in der Schwäbischen Post und Gmünder Tagespost vorgestellt.

Besprechen die Ergebnisse des großen Ostalbchecks für Schwäbisch Gmünd und Aalen (v. l.): Bernd Müller (Redakteur in Schwäbisch Gmünd), Jürgen Steck (Redaktionsleiter in Aalen), Frederick Brütting (OB in Aalen) und Richard Arnold (OB in Schwäbisch Gmünd).

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