Von 1901 bis 1972

Ein Traum geht in die nächste Runde

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Unter Dampf: An den Fahrtagen geht es mit der Härtsfeld Museumsbahn hinaus durchs Egautal und jetzt auch weiter bis zum neuen Bahnhof Katzenstein.
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Neresheim

Wer Dampflok fahren will, muss ganz früh aufstehen“, heißt es bei der Härtsfeld-Museumsbahn auf dem Bahnhofsgelände in Neresheim. Schon fünf Stunden vor der ersten Fahrt muss die restaurierte alte Dampflok mit Muskelkraft aus dem Schuppen geschoben werden. Dann wird „Feuer unter dem Kessel“ gemacht, und dann heißt es warten, bis die für den Fahrbetrieb benötigten 16 bar Druck anstehen. Damit der Kessel nicht zerstört wird, heißt es behutsam vorgehen und Kessel, Wasserstand und Feuerbüchse immer wieder kontrollieren. Klar, dass das keine so ganz saubere Angelegenheit ist. Typisch dabei der einzigartige Geruch nach Kohle, Öl und Ruß. Klar ist auch, dass das viele begeisterte Dampflokfans aus nah und fern anlockt.

Eine alte Tradition

An den Fahrtagen geht es los um 09.45 Uhr normalerweise mit dem Dieseltriebwagen T33. Die letzte Fahrt ist dann um 17.55 Uhr, ebenfalls wieder mit dem T33. Die Fahrten dazwischen sind mit der Dampflok 12 und historischen Personen- und Güterwagen.

Dampflok und Kloster

Bald ist es soweit. Ab 4. Juli setzt sich die alte Dampflok mit den historischen Wagen und mit dem so typischen Fauchen in Bewegung. Ein langgezogener Pfiff, langsam geht es an den Lokschuppen vorbei und die vielen Fotografen entlang der Straße nach Dischingen machen sich bereit. Hier gibt es eines der wohl beliebtesten Fotomotive der Ostalb: die historische Dampflok vor der malerischen Kulisse des Neresheimer Klosters.

Schon ein paar Meter hinter dem Bahnübergang hält das Zügle am Haltepunkt „Steinmühle“, und von hier bieten sich zahllose Möglichkeiten für Ausflüge. Es locken das Naturschutzgebiet „Zwing“ mit seinen einzigartigen Wacholderheiden, in der Nähe ist eine Schauköhlerei zu finden und am Wanderweg der Egau entlang Richtung Härtsfeldsee kommt man am Lehrbienenstand vorbei.

Vom Haltepunkt „Steinmühle“ geht es dann weiter durchs idyllische Egautal, vorbei am ehemaligen Steinbruch „Härtsfeldwerke“ bis zum Bahnhof Sägmühle. Hier war bisher Schluss mit der Museumsbahnstrecke. Bisher!

Irgendwann bis Dischingen

Ab 4. Juli aber geht es weiter mit Stopp am Haltepunkt Iggenhausen und dann über die neue Egaubrücke bis zum neuen, alten Bahnhof Katzenstein. Alt auch deswegen, weil die Museumsbahner bis hin zum Wartehäuschen alles nach Originalplänen wieder aufgebaut haben.

Der Streckenverlauf der Bahn Quelle: Härtsfeldmuseumsbahn

Fotomotive suchen

Für Fotografen heißt es demnächst „aufgepasst“, wo sind die schönsten Motive? Vielleicht von der Anhöhe Richtung Katzenstein hinunter ins Tal? Oder bei Überfahrt über die Egaubrücke? Oder der Einfahrt in den Endbahnhof kurz vor der letzten Kurve? Viel Spaß bei der Motivsuche – und der Traum geht weiter. Denn den Bahnhof Dischingen haben die Museumsbahner schon vor langer Zeit gekauft und als Museum hergerichtet.

Wer alles über die Geschichte der Schättere und den Verein Härtsfeld-Museumsbahn wissen möchte, findet Infos unter www.hmb-ev.de. Hier sind auch die Fahrtage und Fahrpläne zu finden.

Infos über weitere Ausflugsmöglichkeiten gibt es unter anderem auch auf www.haertsfeld.de oder www.neresheim.de.

Unter Dampf: An den Fahrtagen geht es mit der Härtsfeld Museumsbahn durchs Egautal und jetzt auch weiter bis zum neuen Bahnhof Katzenstein. Am 4. Juli startet die Saison. Fotos: Heribert Andres

Wer Dampflok fahren will, muss ganz früh aufstehen.“

Werner Kuhn, Vorsitzender Museumsbahnverein

Schättere erschloss das Härtsfeld

Die alte Härtsfeldbahn, im Volksmund liebevoll „Schättere“ genannt, fuhr von Aalen über Neresheim bis Dillingen/Donau und erschloss von 1901 bis zu ihrer Stilllegung 1972 das Härtsfeld auf der östlichen Schwäbischen Alb.

„Zentralstation“ war Neresheim. Die Spuren sind nicht nur auf dem Bahnhofsgelände zu finden, sondern auch die Häuschen drumherum erzählen die Geschichte der ehemaligen Eisenbahnerstadt. Der Weg hoch auf das Härtsfeld war schwierig. Speziell zwischen Unterkochen und Ebnat zeugen unter anderem das Viadukt, der Wallenhau-Tunnel und die heute fast abenteuerlich anmutende Linienführung durch den Wald, durch Schluchten und über Dämme, von der ingenieurtechnischen Meisterleistung im 19. Jahrhundert.

Mit der Schättere lebte das Härtsfeld auf. Sie beförderte nicht nur viele Güter und Arbeiter, sondern sie war auch eine beliebte Ausflugsbahn in einer wunderschönen Landschaft. Nach der Stilllegung wurden die Gleisanlagen vollständig demontiert und die Fahrzeuge verschrottet. Bis 1984 die Geschichte der Museumsbahn begann. han

Die Museumsbahn

Am 20. Oktober 2001, und damit fast auf den Tag genau 100 Jahre nach der erstmaligen Eröffnung der Härtsfeldbahn „Schättere“ und knapp 30 Jahre nach Ende des Regelbetriebs 1972, erfolgte die Eröffnung und Inbetriebnahme der Museumsbahn vom Bahnhof Neresheim zum Bahnhof Sägmühle im Egautal. 2005, drei Jahre nach der ersten regulären Saison im Museumsbahnverkehr mit 15 Betriebstagen zwischen Mai und Oktober, begann das Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt Sägmühle - Katzenstein/Härtsfeldsee. Erster Spatenstich war 2007 und im Juli 2020 erreichte der erste Bauzug den Bahnhof Katzenstein.

Jetzt ist dort weitgehend alles fertig und über fast 5,6 Kilometer Länge führt nun die Strecke der Museumsbahn durch das beschauliche Egautal zwischen Neresheim und Dischingen.

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