Eine Bildstörung aus Wachs

Das, was sich hinter dem Schleier verbirgt, zieht magisch an. Ein Geheimnis lüften, dahinterblicken, die ungetrübte, unverhüllte Realität sehen wollen - der Kunstbetrachter kann sich mit Hilfe der Werke von Yvette Heller und Gabriele Ulmer darin üben. Ein Hauch von Wachs überzieht die Exponate der beiden Künstlerinnen aus Vorarlberg.

"Die Sinnlichkeit der Unschärfe erleben", nennt der Vorsitzende des Aalener Kunstvereins, Artur Elmer, die Ausstellung "Bildstörung" der beiden Künstlerinnen. Ungewöhnlich und faszinierend zugleich wirkt diese Art der Verarbeitung von Eindrücken. Fast so, als sollte die Botschaft nicht in ihrer blanken Härte dem Betrachter entgegenschlagen. Deshalb sind Zeitungsausschnitte, Portraits, Fotos oder Schlagzeilen mit ordentlichen Wachsportionen umhüllt, die selbst allerdings auch irgendwie verletzlich wirken. Dabei greifen die Künstlerinnen ganz verschiedene Stilmittel auf. Beide scheint der pure Umgang mit geometrischen Formen und reliefartigen Oberflächen zu faszinieren. Die weltliche Unordnung bekommt dadurch eine menschliche Erfassbarkeit. "Fetzen der Wirklichkeit", wie es Artur Elmer beschreibt, werden in strenge Formen gepresst. Dadurch werden Grenzen wohltuend erfahrbar. Ein weiteres, gern gebrauchtes Stilmittel, liegt in den "dots", den herausgearbeiteten Punkten aus Wachs. Wie eine Fotografie aus der Nähe betrachtet, kommen die Kreise entgegen, sie schaffen eine Oberfläche, gleiten heraus in die Dreidimensionalität. Die Punkte machen vieles deutlicher, aber sie lassen auch den Gesamtblick leiden. Dafür lohnt sich der Schritt zurück. Warum Wachs? "Wachs ist weich, formbar, verletzlich, sanft, macht unscharf, überzieht alles", führt Artur Elmer erklärend dazu aus. Darin liegt die Besonderheit dieser Kunstform. Aus Menschen werden schemenhafte Gestalten, aus Nachrichten verworrene Botschaften. Die Punkte zerschneiden das Gesamtbild oder wirken wie eine Lupe, "je nachdem, was beim Betrachter ankommt", ist der Kunstvereinsvorsitzende überzeugt. Doch auch ganz einfach die Schönheit der Farben und der Formen, die von einem guten Geschmack der Künstlerinnen deuten, lassen die "Bildstörung" gerne zu. Im Dialog mit den Bildern, die in den Räumen des Kunstvereins so sinnvoll miteinander in Verbindung gebracht wurden, herrscht die Verwunderung darüber vor, was Wachs mit einem Bild, einer Oberfläche, einer Aussage, machen kann. Man braucht sich nicht die Augen zu reiben, um die "Bildstörung" zu beheben. Sie hat ihre eigene, noch nie da gewesene Wirkung. Die Ausstellung "Bildstörung" läuft noch bis zum 28. Februar und ist in den Räumen des Aalener Kunstvereins zu sehen.

sibylle schwenk

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Mehr zum Thema

Kommentare