Ende der Maskenpflicht an Schulen: zu früh?

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Die Maskenpflicht entfällt ab dem 18. Oktober.
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Das Kultusministerium will die Maskenpflicht in Schulen (in Teilen) am 18. Oktober abschaffen. Das sehen die geschäftsführenden Schulleitungen in Aalen und Gmünd und die GEW skeptisch.

Aalen

Die Maske fällt: Ab dem 18. Oktober müssen Schülerinnen und Schüler am Platz keinen Mund-Nasen-Schutz mehr tragen. Ausnahme der neuen Regel: Wenn in der Klasse ein Coronafall auftritt, muss die Maske für fünf Tage auch am Platz getragen werden. Dies geht aus einer Mitteilung des Kultusministeriums hervor. Schulleiterinnen und Schulleiter und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sehen diese Regel nicht nur positiv.

Simon Davis, Vorstand GEW Ostwürttemberg: Er habe eine zweigeteilte Meinung, sagt der Lehrer an der Schillerschule Aalen im Gespräch. „Als vorsichtigen Schritt ist diese Regelung zu begrüßen“, sagt Davis. Wichtig sei, dass der Präsenzunterricht nicht gefährdet wird. Davis ist froh, dass in Bezug auf die Corona-Verordnungen langsam wieder „Augenmaß“ erkennbar ist. „Es macht die Situation entspannter, wenn nicht mehr zwingend die ganze Klasse bei einem positiven Fall in Quarantäne muss.“ Allgemein hat er das Gefühl, dass die Schulen nun etwas besser vorbereitet sind auf die Pandemie als im vergangenen Jahr. „Wir haben nun eine Routine, wie wir mit der Situation umgehen, auch bei einem positiven Fall.“

Daniela Maschka-Dengler, geschäftsführende Schulleiterin der Gmünder Grund-, Werkreal- und Realschulen: „Masken bieten uns die Sicherheit, um in die Schule zu gehen“, sagt die Rektorin der Schwäbisch Gmünder Friedensschule. Die große Mehrheit habe sich mit dem Tragen der Maske arrangiert. „Für uns kommt mit dem Ablegen der Maske eher eine Angst dazu.“ Lehrkräfte, die sich aus unterschiedlichen Gründen etwa nicht impfen lassen können, seien so weniger geschützt.

Klar, es gebe Phasen im Unterricht, bei denen es besser ist, den Mund-Nasen-Schutz abzunehmen, etwa beim Lautieren von Worten oder Buchstaben. In diesen Momenten könne eine Ausnahme gemacht und die Maske abgesetzt werden, sagte sie.

An welchen Lernprozessen hindert die Maske Grundschülerinnen und -schüler? „Für kleine Kinder oder Kinder, die Lernbeeinträchtigungen haben, ist es leichter, wenn sie Gestik und Mimik des Gegenübers erkennen“, erklärt sie. Denn das Mienenspiel fehlt beim Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Auch bei Klassenarbeiten könne eine Maske stören – etwa bei Anstrengung und Kurzatmigkeit. Wichtig ist der Schulleiterin, dass Lösungen für jeden Schüler und jede Schülerin gefunden werden. „Schüler mit Atemproblemen etwa können am Fenster sitzen und dürfen vor dem Klassenzimmer Maskenpausen machen.“

Daniela Maschka-Dengler wünscht sich vom Kultusministerium, dass die Schulverwaltung entscheiden kann, ob die Maske fällt oder nicht. Dadurch könnten ältere Lehrkräfte geschützt werden.

Michael Weiler, geschäftsführender Schulleiter der Aalener Gymnasien: Konkrete Gedanken zum Fall der Maskenpflicht habe er sich noch nicht gemacht. Er wolle abwarten, bis die Verordnung tatsächlich in Kraft tritt. „Wir sind im vergangenen Jahr oft überrascht worden“, sagt der Schulleiter des Kopernikus-Gymnasiums in Wasseralfingen.

Auch er ist in Sachen Maskenpflicht im Unterricht zweigeteilter Meinung. „Das bisherige Argument für eine Maske war, dass sie der einfachste und wirkungsvollste Schutz für einer Infektion im Klassenzimmer ist.“ Masken einzusetzen sei zudem günstiger, als alle Aalener Schulen mit Luftreinigern auszustatten. Aber: „Nach dem Grundsatz 'gleiches Recht für alle' ist es gut, dass die Pflicht fallen soll. Die Schülerinnen und Schüler müssen sich mehrmals in der Woche testen und für Erwachsene gelten ähnliche Regeln.“

Wenn im Land die Alarmstufe erreicht wird, soll der Mund-Nasen-Schutz wieder dauerhaft getragen werden. Für Weiler ist dies ein Zeichen dafür, dass die Landesregierung noch nicht überzeugt ist von diesem Schritt. „Für mich ist es ein Versuch, ob es ohne Maske geht“, sagt der Schulleiter und hofft, dass dadurch die Präsenz nicht aufs Spiel gesetzt wird. Es müsse abgewartet werden, ob die Infektionen durch diese Regel zunehmen.

Fest steht für Weiler: Die neue Regel werde den Schülerinnen und Schülern guttun.

Dr. Heike Crane, Kinderärztin: „Für die Kinder ist es schön, dass die Maskenpflicht fällt“, sagt Kinderärztin Dr. Heike Crane, die in Aalen eine Praxis hat. Die Ansteckungsgefahr sei zwar höher, doch dieses Risiko müsse eingegangen werden.

Eine Infektion mit dem Coronavirus verlaufe bei Kindern und Jugendlichen eher undramatisch, sagt sie.

Die Regeln ab 18. Oktober: Die Maskenpflicht am Platz soll laut Kultusministerium an den Schulen in Baden-Württemberg ab dem 18. Oktober gelockert werden. Die Testung der Schülerinnen und Schüler wird demnach beibehalten; Schülerinnen und Schüler müssen drei Antigenschnelltests oder zwei PCR-Tests pro Woche vorlegen.

Änderungen möglich

„Die vorsichtige Lockerung der Maskenpflicht gilt dabei nur, wenn die Schülerinnen und Schüler am Platz sitzen. Auf den Begegnungsflächen in den Gebäuden bleibt sie unabhängig von der generellen Infektionsstufe bestehen“, so das Ministerium weiter. Nur in der Basis- und in der Warnstufe entfalle die Maskenpflicht – in der Alarmstufe trete diese wieder in Kraft. Die Landesregierung behält sich laut Schreiben vor, die Maskenpflicht als Sicherheitszaun für den Präsenzbetrieb auch in der Warn- und Basisstufe wieder einzuführen.

Was gilt bei einem positiven Coronafall? Wenn ein Schüler positiv getestet wird, muss dieser, wie bisher, in Quarantäne. Die Mitschüler müssen sich laut Kultusministerium an fünf Schultagen testen und für fünf Tage eine Maske am Platz tragen.

Lollitests an Schulen im Ostalbkreis

Vom 4. bis 29. Oktober startet eine Pilotphase im Ostalbkreis mit zehn Schulen und 2600 Schülerinnen und Schülern, um die PCR-Pooltests zu erproben. Zweimal in der Woche sollen die Klassen getestet werden. Die Teststäbchen der gesamten Klasse, also der Pool, werden gesammelt in einem Behälter in einem Labor ausgewertet. Die Ergebnisse sollen am selben Tag digital an die Schule übermittelt werden. Ist ein Pool positiv, werden die Poolteilnehmenden am nächsten Morgen in der Schule mit einem Schnelltest und einem PCR-Einzeltest getestet. Positiv getestete müssen in Quarantäne, dies gilt auch für nicht immunisierte Haushaltsangehörige. Alle negativ Getesteten müssen an fünf aufeinander folgenden Schultagen einen Antigen-Schnelltest durchführen. Mit dabei sind Schulen in Aalen, Gmünd, Waldstetten, Gschwend.

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