Gmünd bietet die Eisbahn aus Kunststoff an - Aalen nicht

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Gmünds OB Richard Arnold und Eiskunstläuferin Corinna Lutz bei der Eröffnung der Kunststoff-Eisbahn in der vergangenen Saison. Auch diese Saison wird die Bahn wieder auf dem Gmünder Marktplatz aufgebaut. In Aalen ist dagegen kein solches Angebot geplant. Archivfoto: Stadtwerke Schwäbisch Gmünd
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Eine Bahn aus Kunststoff sei schädlich für Mensch und Umwelt, finden die Aalener Stadtwerke. In Schwäbisch Gmünd sieht man das anders.

Aalen/Schwäbisch Gmünd.Sie ist günstig und verbraucht kaum Energie: In Zeiten wie diesen scheint eine Eisbahn aus Kunststoff die perfekte Lösung zu sein. Nach dem Erfolg in der vergangenen Saison werden die Platten aus Polyethylen laut Stadtsprecher Markus Herrmann diese Saison wieder in Schwäbisch Gmünd aufgebaut. Vom 6. Januar bis zum 26. Februar soll die Kunstbahn auf rund 425 Quadratmetern auf dem Marktplatz ein Wintervergnügen für Groß und Klein bieten.

Auch in Aalen hat man über eine Alternative zu einer mobilen Bahn aus Wassereis nachgedacht, sich aber gegen eine Bahn aus Polyethylen entschieden. Igor Dimitrijoski, der Pressesprecher der Stadtwerke Aalen, zählt die Gründe auf, die aus seiner Sicht dagegen sprechen: „Dass das Laufgefühl auf einer Kunststoffbahn nicht vergleichbar ist, die Kufen sehr schnell stumpf werden sowie viel Mikroplastik entsteht.“ Dies sei nicht nachhaltig und schade sowohl Mensch als auch Umwelt. „Daher haben wir davon Abstand genommen“, sagt Dimitrijoski.

Energieverbrauch und Kosten: Herrmann hat eine andere Meinung als Dimitrijoski dazu. Die Touristik und Marketing GmbH (T&M), deren Geschäftsführer Herrmann ist, habe sich bereits im Jahr 2020 eingehend über eine Alternative zu einer Echteis-Bahn informiert. Bis dahin war eine mobile Bahn aus Wassereis als Leihbahn in Schwäbisch Gmünd im Einsatz. „Hintergrund war bereits zu diesem frühen Zeitpunkt, angesichts des Strombedarfs für die Kühlaggregate, die Frage einer möglichst nachhaltigen Umsetzung dieses Wintervergnügens“, sagt Herrmann.

Daher habe die T&M eine Bahn aus Polyethylen zum Test ausgeliehen und nach dem Erfolg in der vergangenen Saison gekauft. Rund 80 000 Euro hat die Anlage Hermann zufolge gekostet. Zum Vergleich: Vor der Energiekrise hätten die Ausleihe und der Betrieb der Wassereisbahn zwischen 60 000 und 70 000 Euro gekostet. Zum Betrieb der Kunststoffbahn sagt Herrmann: „Unser Ziel ist es, keinen Verlust und auch keinen Gewinn zu machen.“

Dank ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer, die Eintritt kassieren und Schlittschuhe verleihen, Einnahmen durch Eintrittspreise und Schlittschuhverleih und Zuschüssen von Sponsoren sei das möglich. Die Preise sollen laut Herrmann trotzdem familienfreundlich bleiben. Wie bereits in der vergangenen Saison bezahlen Erwachsene 5 Euro am Tag und Jugendliche unter 18 Jahren 4 Euro.

Die Herstellung der Platten ist laut Herrmann weitgehen klimaneutral. Dazu werden ihm zufolge rund 50 000 Kilowattstunden Strom eingespart im Vergleich zum Betrieb einer herkömmlichen Wassereisbahn.

Das Fahrgefühl: Herrmann sagt: „Das Fahrgefühl braucht am Anfang etwas Umstellung im Fahrstil und auch etwas mehr Kraft, dann läuft es allerdings auch sehr befriedigend.“ Es werde derzeit davon ausgegangen, dass die Bahn nach dem Einfahren lediglich eine zwei Prozent geringere Gleitfähigkeit aufweist als Wassereis. „Diese Rückmeldung bekamen wir beispielsweise auch von der Gmünder Spitzen-Eiskunstläuferin Corinna Lutz“, sagt der T&M-Geschäftsführer.

Wichtig sei aber der richtige Schliff für die Bahn. „Die Kufen der Schlittschuhe werden in anderer Form mit der entsprechenden Maschine geschliffen“, sagt Herrmann. Der Schliff, wie er üblicherweise für Bahnen aus Wassereis verwendet wird, eigne sich weniger. „Dann werden auch die Kufen so schnell oder so langsam stumpf, wie auf echtem Eis“, sagt der Stadtsprecher.

Umweltbelastung: Laut Herrmann entsteht auf der Kunststoffbahn eher grober Abrieb und kein Mikroplastik. Eine spezielle Reinigungsmaschine sei angeschafft worden, um die Flocken komplett zu entsorgen und zu recyceln. Da es sich um Polyethylen handle, sei der Abrieb „wie bei einem Vesperbrett“. Das Material ist ihm zufolge lebensmittelecht.

Gut für die Innenstadt: Es sei immer einfacher, ein Angebot einfach abzusagen, findet Herrmann. „Frei nach dem bekannten Satz „wer etwas nicht will, findet Gründe, wer etwas bewegen will, findet Wege“ stelle sich die T&M Schwäbisch Gmünd allerdings der Verantwortung für die Gmünder Innenstadt.

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