Göppingen untersucht Abwasser auf Coronaviren

+
Symbolbild

Neues Frühwarnsystem zur Erkennung neuer Infektionswellen im Einsatz. 

Göppingen. Für eine effektive Test- und Rückverfolgbarkeitsstrategie ist die Untersuchung von Abwasser ein zusätzliches Mittel in der Bekämpfung der Ausbreitung des Corona-Virus. Die Stadtentwässerung Göppingen führt seit dem 7. Februar 2022 regelmäßige Messungen im Zulauf des Klärwerks durch. Die Ergebnisse zeigen laut einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung, dass die Veränderungen in den Fallzahlen mit dieser neuen Messmethode effizient verfolgt werden können. Die Corona-Pandemie tritt seit 2020 in mehreren Wellen mit höheren und niedrigeren Infektionsraten auf. In Zeiten mit geringen Infektionszahlen können lokale, unentdeckte Cluster zum Ursprung einer erneuten Ausbreitung werden. Infektionen mit wenigen oder gar keinen Symptomen fordern dann eine erhöhte Aufmerksamkeit, um eine erneute Ausbreitung zu verhindern. Der Coronavirus-Abwassertest kann hierzu wichtige Erkenntnisse liefern und kündigt mögliche neue Wellen frühzeitig an. Im Vergleich zu den offiziellen Zahlen des Robert-Koch-Institutes (RKI) stehen die Trends rund zehn Tage früher zur Verfügung. Dieser Geschwindigkeitsvorteil prägte die Bezeichnung Frühwarnsystem oder Abwasser-Orakel. Er liefert zudem Informationen, welcher Virustyp dominant ist.

Bestimmung von Coronaviren im Abwasser

Bereits kurze Zeit nach einer Infektion ist das Virus in menschlichen Ausscheidungen nachweisbar. Diese Virusfragmente (RNA-Bruchstücke) sind auch dann nachweisbar, wenn es nur asymptomatische Fälle in der Bevölkerung gibt. Abwassertests sind daher vor allem dann ein gutes Frühwarnsystem, wenn die Infektionsraten niedrig sind. Es wird bundesweit davon ausgegangen, dass die Abwasserüberwachung einen zehntägigen Vorsprung zu den offiziellen RKI-Meldungen hat. Denn erst, wenn infizierte Personen charakteristische Symptome entwickeln, gehen sie zum Arzt und erhalten eine Diagnose. Danach wird das Gesundheitsamt informiert und dieses sendet die Daten weiter zum RKI nach Berlin. Erst nach weiterer Prüfung und Freigabe fließen die Ergebnisse dann in die offizielle Statistik ein. Erfahrungen mit anderen Viruserkrankungen, zum Beispiel Polio, haben gezeigt, dass die Überwachung des Abwassers auf Spuren eines Erregers ein effektives Monitoring ganzer Gemeinden und Städte ermöglicht. Die Untersuchung von Abwässern ist damit ein kostengünstiger Weg, um die Übertragungsdynamik in einer Gemeinde im Blick zu haben.

Abwassertests liefern ein empfindliches Signal, ob SARS-CoV-2 in der Bevölkerung vorhanden ist und ob die Übertragung zu- oder abnimmt. In den aktuellen Proben wurde ab Mitte April beobachtet, dass die Viruslast im Abwasser wieder leicht ansteigt, obwohl die offiziell gemeldeten Infektionszahlen fallen. Hier kann vermutet werden, dass die rückläufige Anzahl an Testungen eine Rolle spielt, während die Analysen aus dem Abwasser nach wie vor alle Infektionen im Einzugsgebiet des Klärwerk Göppingen und damit von rund 100.000 Einwohnern erfassen. Dieser Gesichtspunkt zeigt einmal mehr, wo die Stärken des Corona-Monitorings liegen. Die Stadtentwässerung Göppingen hat sich deshalb dazu entschieden, diese freiwillige Beprobung bis in den Herbst fortzusetzen und das Monitoring als Frühwarnsystem weiter zu etablieren. Die Ergebnisse des Monitorings werden in den nächsten Tagen auf der Homepage der SEG bereitgestellt.

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Mehr zum Thema