Gut geerdet in die neue Gartensaison

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Defekte Terracotta-Töpfe lassen sich in zerkleinerter Form zur Optimierung der Pflanzerde nutzen.
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Eine Fachfrau verrät, welche man wirklich braucht und wie man sich schnell seine eigene mischt.

Aalen/Schwäbisch Gmünd

Ronja Mathé reibt Daumen und Zeigefinger aneinander, definiert die Prise dazwischen als zerbröckelten Terrakotta, Holzspäne und verrotteten Grasschnitt und sagt, ganz optimal wären noch Hunde- oder Pferdehaare dazu. Die Szene hat etwas Mystisches, doch Mathé ist im Wortsinn „geerdet.“ Denn die Fachfrau der Stadtgärtnerei Schwäbisch Gmünd hält in Händen, was ihrer Erfahrung nach in eine gute Pflanzerde gehört. „Vieles davon hat man daheim“, so Ronja Mathé.

Damit man entspannt in die neue Pflanzsaison starten kann, verrät die ausgebildete Gärtnerin im Gespräch mit dieser Zeitung ihre besten Tipps. Der wichtigste Ratschlag vorneweg: Für erfolgreiches Gärtnern reicht die sogenannte

Universalerde: Blumen im Beet und im Balkonkasten kommen laut Ronja Mathé damit ebenso gut zurecht wie Gemüse und Stauden. Auch Kübelpflanzen gedeihen in diesem „Allrounder“ nach ihren Beobachtungen prächtig. „Mit einem Produkt im mittleren Preissegment pflanzt man gut“, sagt die Fachfrau, rät aber zu einem kritischen Blick auf die Verpackung. „Torffrei“ oder „ohne Torf“ sollte darauf vermerkt sein, denn der Stoff, aus dem die Moore sind, ist unter Natur- und Klimaschutzaspekten auch im Hobbygarten inzwischen ein No-Go.

Bio-Erde ist deshalb für viele die erste Wahl, „per se torffrei ist sie aber nicht“, dämpft die Expertin allzu große Erwartungen. Denn Bio, so erklärt Mathé, sei bei Pflanzerden kein geschützter Begriff. „Man kann zwar davon ausgehen, dass kein mineralischer Dünger enthalten ist, Torf darf aber durchaus zugesetzt sein, sogar in größeren Mengen.“ Wer wissen möchte, welche Erde garantiert ohne das Moorabbauprodukt auskommt und wo es diese in seiner Nähe oder bei Versendern gibt, dem hilft der „BUND Einkaufsführer für torffreie Erden“ weiter.

Kokoserde wird zunehmend als Alternative zu Torf gehandelt, ist aber keine Erde im eigentlichen Sinn. Gewonnen wird sie aus dem Abfall, der auf Kokosnussplantage anfällt. Deshalb kann ihr Mathé nichts abgewinnen, „denn letztlich gärtnert man auf dem Rücken des Regenwaldes.“ Wer trotzdem damit pflanzen möchte, sollte Produkte mit dem GEPA oder Fair Trade Siegel nehmen.

Perlit entsteht aus Lavagestein und punktet als Leichtgewicht. Die Expertin bestätigt das, „denn es wird aufgepoppt, nimmt dabei an Speicherkapazität zu, verliert dabei an Eigengewicht.“ Kein Wunder also, dass dieser Torfersatz optisch viel von Popcorn hat. Doch solcher „Exoten“ bedarf es nicht unbedingt. Ronja Mathé rät, dass man für den „grünen Daumen“ auch ein bisschen kreativ wird. Das heißt, man kann durchaus

Pflanzerde selbst mischen: Dafür bringt sie den zerbröselten Terrakottatopf als natürlichen Wasserspeicher in die Erde, Holzspäne haben auch diesen Effekt. „Sind die Kinder dem Sandkasten entwachsen, lockert dessen Inhalt den Boden auf“, so ihr weiterer Tipp. Und statt Hornmehl düngen in ihrem Garten die Hundehaare, vermischt mit etwas Kompost. Resterde der letzten Gartensaison kann man übrigens durchaus noch verwenden, vorausgesetzt, sie sind nicht feucht oder schimmelig. „Ist das der Fall“, so Mathé, „dann geht’s damit ab auf den Kompost!“

Blumenerde kann man mit Sand, zerriebenem Ton, trockenen Miscanthus-Häcksel usw. auflockern. Torf ist verzichtbar.
Ronja Mathé, Stadtgärtnerei Schwäbisch Gmünd, plädiert für die Wiederverwertung von Ton, Steinen, Sand oder gebrauchter Erde.
Blumenerde kann man mit Sand, zerriebenem Ton, trockenen Miscanthus-Häcksel usw. auflockern. Torf ist verzichtbar.
Ronja Mathé zeigt krumige Blumenerde, die mit Steinchen, Sand oder anderen Stoffen durchlässig genug ist. Faserstoffe helfen, Wasser zu speichern.
Für die Schwäbisch-Gmünder Stadtgärtnerin Ronja Mathé ist eine gute Blumenerde durchlässig und speicherfähig zugleich. Daher mischt sie Sand, Lavamineral, Häckselgut etc. unter.

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