Impfgegnerin und Klinikchef - ein Faktencheck

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Ulrike Herre-Klein arbeitet als Altenpflegerin. Der Impfpflicht will sie sich nicht beugen.
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Wie die Altenpflegerin Ulrike Herre-Klein die Coronapandemie erlebt und warum sie sich gegen eine Impfpflicht zur Wehr setzen will.

Ellwangen

Die Pandemie bestimmt seit März 2020 das öffentliche Leben und spaltet die Gesellschaft. Nachdem die neue Bundesregierung eine Impfpflicht einführen will, fühlen sich Ungeimpfte ausgegrenzt und unverstanden. Ulrike Herre-Klein (51) arbeitet in einem Altenheim und kennt die tödlichen Folgen der Pandemie. Trotzdem hält sie die Impfpflicht für einen Fehler.

Schwäbische Post: Warum wollen Sie sich nicht impfen lassen?

Ulrike Herre-Klein: Es gibt mehrere Gründe dafür. Einer ist, dass ich Zweifel an der Wirksamkeit der Impfstoffe habe. Die Versprechungen haben sich nicht bestätigt. Weder schützt die Impfung vor Ansteckung noch verhindert sie, dass man andere anstecken kann. Und mehr und mehr wird auch offenbar, dass immer wiederkehrende Impfungen nötig sind, um einen Schutzeffekt zu haben.

Aber offensichtlich schützt die Impfung vor einem schlimmen Verlauf.

Auch daran habe ich Zweifel. Es heißt, dass überwiegend Ungeimpfte in den Intensivstationen liegen. Tatsächlich gilt man bereits sechs Monate nach der vollständigen Impfung wieder als Ungeimpft. Ich frage mich: Wie viele Geimpfte werden in der Statistik als ungeimpft geführt? Wie gut schützt eine Impfung tatsächlich vor einem schlimmen Verlauf? Mir fehlen dazu überzeugende Antworten.

Tatsache ist, dass die Intensivstationen voll mit Coronakranken sind.

Weil unser Gesundheitssystem seit Jahren kaputtgespart wird und weil die Politik versäumt hat, die Kliniken darauf vorzubereiten, dass sich die Pandemie erneut ausbreitet. Jetzt werden die Ungeimpften als Sündenböcke hingestellt.

Sie arbeiten als Altenpflegerin. Haben Erfahrungen im Beruf mit ihrer Einstellung zu tun?

Im April 2020 gab es einen Coronaausbruch in dem Alten- und Pflegeheim, in dem ich tätig bin. Wir sahen die Bilder aus Italien und USA und hatten alle Angst, uns anzustecken. Wir haben aber trotzdem weitergearbeitet, standen zu unserer Verantwortung und handelten solidarisch. Kurz darauf hatte ich heftige Symptome, Fieber, Husten, Gliederschmerzen. Doch alle Coronatests blieben negativ. Nach fünf Tagen war ich wieder bei der Arbeit. Weil ich für mich Klarheit haben wollte, ließ ich im Juni einen Antikörpertest machen. Ergebnis: ich hatte extrem viele Antikörper im Blut. Ein weiterer Test in diesem Sommer ergab, dass immer noch Antikörper vorhanden sind.

Sie denken, sie sind ausreichend geschützt?

Ich habe in meiner Ausbildung gelernt, dass eine erworbene Immunantwort vielfach besser ist, als eine, die durch Impfung erreicht wird. Das wird von Politikern und Fachleuten heute anders dargestellt.

Sind sie grundsätzlich gegen Impfung?

Nein, ich bin gegen Kinderkrankheiten geimpft, auch gegen Tetanus. Ich lasse mich aber nur ungern impfen, weil ich weiß, dass jeder Impfstoff ein Eingriff in das Immunsystem ist, der auch negative Folgen haben kann. Und die Impffolgen bei der Coronaimpfung sind viel zu wenig erforscht.

Kein Impfstoff wurde jemals so vielen Menschen verabreicht.

Und trotzdem ist die Datenlage extrem dünn. Um Impffolgen zweifelsfrei zu erkennen, müssten die Vorerkrankungen bekannt sein. Doch vor der Coronaimpfung findet, wenn überhaupt, nur eine Befragung des zu Impfenden statt. Über Spätfolgen kann gar nichts bekannt sein, weil es keine Langzeitstudien gibt.

Trauen sie den Informationen zur Pandemie grundsätzlich nicht?

So würde ich es nicht sehen. Aber ich denke schon, dass im Verlauf der Pandemie viel Widersprüchliches gesagt wurde. Mediziner und Politiker vertraten widersprüchliche Positionen, was zunächst Gewissheit war, wurde später wieder revidiert. Das verunsichert mich und ich vertraue mehr auf mein Körpergefühl als auf die öffentliche Meinung. Dazu erlebe ich, wie sich Angst ausbreitet, wie Ungeimpfte ausgegrenzt werden, wie Streit in Familien und unter Freunden entsteht. Ich glaube, dass die Angst, Panik und Schreckensszenarien, die den Alltag von Geimpften und Ungeimpften bestimmen, schlimmere Schäden verursachen, als das Virus.

Was werden Sie tun, wenn die Impfpflicht kommt? Werden Sie ihren Job als Altenpflegerin aufgeben?

Ich bin von Herzen gerne in diesem Beruf tätig. Er ist anstrengend, herausfordernd und kräftezehrend, dennoch kann ich aus jedem Lächeln, aus jedem freudigen Blick Kraft und Energie schöpfen, um weiterzumachen. Doch ich lasse mich nicht von einer Regierung, die seit Jahren das Gesundheitssystem mit ihrer Politik und ihren Einsparungen zunehmend unmenschlich macht, dazu zwingen, mir gegen meine persönliche Überzeugung, einen Impfstoff zu verabreichen, nur um meinen Beruf weiter ausüben zu können.

Wir haben Prof. Dr. Ulrich Solzbach, den Chef der Kliniken Ostalb, um einen Faktencheck gebeten:

1. Die Coronaimpfung schützt nicht vor Ansteckung. Sie verhindert auch nicht, dass man andere anstecken kann.

Solzbach: In den vergangenen Monaten hat sich auch in den Kliniken Ostalb deutlich gezeigt, dass wir durch die Impfung das Risiko, an Covid-19 zu erkranken deutlich verringern. Die Mehrheit der Patienten mit schweren Krankheitsverläufen auf den Intensivstationen unserer Kliniken sind nach wie vor ungeimpft. Das Risiko, sich zu infizieren, ist für Ungeimpfte gegenüber geimpften Menschen um ein Vielfaches höher.

2. Man gilt sechs Monate nach der vollständigen Impfung wieder als ungeimpft und wird im Coronafall in den Belegungsstatistiken der Kliniken als "ungeimpft" geführt.

Aktuell gibt es in Deutschland noch kein „Verfallsdatum“ nach der vollständigen Impfung. Bisher wird also jeder geimpfte Patient in den Kliniken auch als solcher geführt.

3. Die Intensivstationen laufen voll, weil das Gesundheitssystem seit Jahren kaputtgespart wird und weil die Politik es versäumt hat, die Kliniken auf die vierte Coronawelle vorzubereiten.

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Einen Fachkräftemangel im Gesundheitswesen gibt es in Deutschland bereits seit Jahren. In Deutschland fehlt es nicht an Betten oder Beatmungsgeräten, sondern an entsprechend qualifizierten Personal. Dieser Fachkräftemangel lässt sich leider nicht ad hoc beheben. Aus diesem Grund sind die Krankenhäuser leider auch jetzt wieder gezwungen, geplante Eingriffe und Operationen zu verschieben, um Personal und Intensivbetten für Notfälle und Coronapatienten zur Verfügung zu haben.

4. Eine erworbene Immunantwort (durch Krankheit) ist besser, als eine, die durch Impfung erreicht wird.

Richtig ist, dass sowohl die Impfung als auch die überstandene Erkrankung einen guten Schutz gegen die Covid-19 Krankheit, und vor allem gegen schwere Verläufe, bieten. Aus meiner Sicht sollte niemand riskieren, sich ohne Not, zu infizieren. Kein Experte dieser Welt kann Ihnen sicher voraussagen, ob sie einen leichten, Grippe ähnlichen Verlauf haben oder schwer erkrankt auf der Intensivstation landen oder sogar daran sterben. Lassen Sie sich impfen und gehen Sie auf Nummer sicher.

5. Man weiß zu wenig über Spätfolgen einer Coronaimpfung, weil Langzeitstudien fehlen.

Langzeitstudie bedeutet, dass etwas über längere Zeit beobachtet wird und teilweise auch Experimente über einen längeren Zeitraum gemacht werden. Dies war natürlich in den vergangenen 2 Jahren der Corona-Pandemie noch nicht möglich. Das Risiko einer unerwünschten und schwerwiegenden Nebenwirkung nach einer Corona-Schutzimpfung ist sehr gering. Die bisherigen Erfahrungen mit vielen verschiedenen Impfstoffen zeigen, dass Nebenwirkungen in aller Regel innerhalb von Tagen oder weniger Wochen nach der Impfung auftreten.

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