Der Blog vom Naturfotografen

Limikolen: fürs Foto in den See

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Limikolen ? Rastend an unseren Gewässern

Tobias Gärtner ist Hobby-Naturfotograf. Sein Revier ist die Ostalb. In unserem Blog „Tobias‘ Naturfotografie“ berichtet er von seinem Hobby und gibt nützliche Tipps, was bei der Wildtier- und Naturfotografie zu beachten ist. Im vierten Teil geht es um Limikolen. 

"Limikolen" - Diesen Begriff hatte ich seither immer nur mit Urlaub an der Nordsee verbunden.

Das änderte sich vergangenen Herbst, als ich an einem kleinen See, welcher zum Teil abgelassen war, auf der Suche nach einem Eisvogel war. Im Uferbereich des Sees saßen Vögel, welche ich im ersten Moment nicht einordnen konnte.

Deren Klang und ihr Flugbild mir ebenfalls eher unbekannt. Schnell hatte ich meinen eigentlichen Plan, die Sitzwarten des Eisvogels zu finden, verworfen und musste schauen was genau sich da am Ufer und im freigelegten Schlick des Sees aufhält.

Ein erster Blick durchs Fernglas brachte schnell Klarheit, es waren Limikolen. Zum damaligen Zeitpunkt konnte ich nicht bestimmen welche Arten ich da vor mir habe. Mit der Kamera versuchte ich ein paar dokumentarische Aufnahmen zu machen, um später zuhause nachschlagen zu können. Es war aber auch gleich klar, dass es sich um Zugvögel handeln muss, welche nur Rast machen und sich nicht allzu lange hier aufhalten werden.

Mit diesen ersten Eindrücken fuhr ich nach Hause und machte mich an erste Recherchen. Welche Vogelarten habe ich hier überhaupt gefunden? Wie sieht ihr eigentlicher Lebensraum aus und wie verhalten sie sich normalerweise? Wie lange würden sie hier Rast machen?

So machte ich mich an die ersten Planungen. Am Folgetag fuhr ich nochmal zum See, die örtlichen Gegebenheiten erkunden.

Es gab zwei Möglichkeiten, entweder ich setzte mich ans Ufer und fotografiere von dort oder ich gehe rein in den See, versuche Bilder auf Augenhöhe zu bekommen. 

Vom Ufer aus zu fotografieren kam für mich nicht wirklich in Frage, hier hätte ich von oben herab auf die Vögel geblickt. Keine wirklich interessante Perspektive. Somit war klar, dass ich in den See rein muss, was sich im ersten Moment aber einfacher anhört wie es tatsächlich war. 

Die Vögel suchen im freigelegten Schlick nach Nahrung. Der Bereich, wo sie sich regelmäßig aufhielten, war somit schnell eingegrenzt. Schwieriger war dann eine geeignete Position für den Ansitz und die Tarnung zu finden. Um auf Augenhöhe mit den Vögeln zu sein war klar, ich muss ebenfalls in den Schlick.

Doch wie stelle ich das am besten an? Wie tief ist der Schlick? Wie schütze ich meine Kamera und mein Stativ? Wie tarne ich mich? 

Fragen, welche ich mir im Vorfeld nur zum Teil beantworten konnte und es vermutlich auf einen ersten Versuch ankommen lassen musste. Vorsichtig stieg ich in den See, um herauszufinden wie tief der Schlick ist. Im Uferbereich schien dieser nur ein paar cm tief zu sein. Für einen Ansitz durchaus vorstellbar. Meine eigentliche Wunschposition lag aber eigentlich eher 15-20m entfernt, mit etwas mehr Schilf als natürliche Deckung.

Nach drei, vier Schritten merkte ich schnell dass der Schlick tiefer wird. Mangels geeigneten Schuhwerkes brach ich diesen Versuch ab, wusste aber somit, dass ein Ansitz im Uferbereich auf jeden Fall möglich wäre. Wenngleich ich trotzdem in ca. 10 cm tiefem Schlick sitzen würde.

Mit diesen Erkenntnissen fuhr ich wieder nach Hause und machte mir Gedanken, wie man diesen Ansitz am besten angehen würde.

Bei der Tarnung entschied ich mich für mein Tarnzelt. Das ist schnell aufgebaut und dürfte im Schlick nicht versinken.

Für dieses Vorhaben musste ich mir zudem eine Wathose anschaffen, es war die einzige Möglichkeit meine Kleidung einigermaßen vor dem Dreck zu schützen. Eine Gummifussmatte vom Auto sollte dem Stativ als Auflagefläche dienen, damit dieses nicht gleich komplett im Schlick versinkt. 

Ebenso packte ich noch Handschuhe ein. Diese wollte ich zumindest so lange tragen bis alles aufgebaut ist, damit meine Hände sauber bleiben und der Dreck später nicht auf der Kamera verteilt wird.

Zuletzt bereitete ich noch einen langen Stock vor, schließlich wollte ich im See ja eigentlich zu meiner Wunschposition laufen und nicht im Uferbereich sitzen bleiben. Morgens im Dunkeln war es mir trotz der Wathose zu gefährlich im See einfach blindlings auf meine Wunschposition zuzulaufen, man wusste ja nicht wie tief der Schlick tatsächlich ist. Der Stock würde mir helfen die Tiefe des Schlicks besser einzuschätzen.

Nachdem alles vorbereitet war, machte ich mich am nächsten Morgen auf zum See. Dort angekommen ging es mit angezogener Wathose direkt rein. Vorsichtig tastete ich mich voran. Mit dem Stock versuchte ich immer so weit wie möglich vor mir die Tiefe des Schlicks zu ermitteln. Bereits nach den ersten Metern versank der Stock bis zu einem halben Meter tief im Schlick. Dies wurde mir im Dunkeln zu gefährlich, so entschied ich mich dazu eine Ansitzposition in Ufernähe einzunehmen.

Das Tarnzelt war schnell aufgeschlagen, danach ging die große Sauerei los. Die als Auflage geplante Gummifussmatte erfüllte diesen Zweck nur bedingt. Sie sank genauso schnell ein wie das Stativ. Meine Handschuhe sogen sich in kürzester Zeit mit einer Mischung aus Schlick und Wasser voll. Und mit jedem Handgriff, egal wie vorsichtig das man war, verteilte man etwas davon auf Kamera und Objektiv.

Zwischenzeitlich kamen ernsthafte Bedenken auf, ob es die richtige Entscheidung war und ob ich mein Equipment dadurch nicht doch dauerhaft schädige.

Andererseits saß ich ja jetzt dort und hatte mich eingerichtet. Arg viel schlimmer könne es ja normalerweise nicht werden und wenn ich jetzt einfach zusammenpacken würde, dann wären der Aufwand und die ganzen Strapazen fürs Equipment völlig umsonst gewesen.

Für ein gutes Foto braucht es manchmal Kreativität

So entschied ich mich sitzen zu bleiben und so gut wie möglich aufzupassen. Speziell das Zoomobjektiv wollte ich unter diesen Bedingungen nicht mehr betätigen und vermied jede Bewegung des Tubus. Zu groß die Gefahr, dass sich beim Zoomen feinster Dreck ins Innere des Objektivs vorarbeitet.

Mit dem Sonnenaufgang machten sich die ersten Limikolen an die Nahrungssuche. Sie wateten ungestört durch den Schlick, auf der Suche nach Essbarem. Mein Plan ging auf, damit ergab sich die erste Möglichkeit Bilder auf Augenhöhe einzufangen.

Für den Ansitz suchte ich mir eine Position aus, wo sich auch möglichst noch etwas Wasser befand. Meine Hoffnung war, dass die Vögel sich dort aufhalten und sich dadurch Fotos mit einer Spiegelung ergeben. 

Ein Kampf- und ein Bruchwasserläufer zogen durch diesen Bereich, hielten aber kaum eine Sekunde still. Es war schwierig unter diesen Bedingungen Bilder zu machen. Schlussendlich war ich aber froh, dass mir ein paar Aufnahmen gelangen und die Fotos bereits auf dem Kameradisplay sehr vielversprechend aussahen.

Limikolen ? Rastend an unseren Gewässern

Nachdem die Sonne aufgegangen war wurde das Licht irgendwann zu hart. So packte ich meine Sachen zusammen und fuhr, trotz des Drecks, zufrieden nach Hause.

Die eigentliche Arbeit kam jetzt erst. Die Reinigung des kompletten Equipments hat länger gedauert wie mein eigentlicher Ansitz. Der Schlick klebte überall und verteilte sich in jeden noch so kleinen Spalt.

Die Ausrüstung überstand das aber glücklicherweise ohne Schäden.

Verschmutze Kamera.
Verschmutzes Equipment.
Verschmutzes Equipment.

Rückblickend bereue ich diesen Ansitz bzw. diese Entscheidung nicht, schließlich hat es mir tolle Einblicke und einige Bilder ermöglicht.

Für das Equipment war es aber definitiv eine Herausforderung, wo ich mir teilweise nicht sicher war, ob die Kamera oder das Objektiv nicht doch Schaden davontragen.

In dem Moment war für mich zudem klar, dass ich solch einen Ansitz so schnell nicht wiederholen werde. 

Für diese Fotos kamen zum Einsatz:

Technik: Nikon D500 + Sigma 150-600mm f/5-6.3 DG Sports + Stativ

Kleidung / Tarnung: Wathose + Tarnzelt

HINWEIS: Solltest du jemals selbst so etwas versuchen, gehe das bitte mit Bedacht und absoluter Aufmerksamkeit an. Wir sind bei uns in der Region zwar nicht am Wattenmeer, die Tiefe des Schlicks ist aber definitiv nicht zu unterschätzen. Gerade wenn man morgens im Dunkeln alleine unterwegs ist, können gefährliche Situationen entstehen!

Im Frühjahr diesen Jahres konnte ich an gleicher Stelle erneut Limikolen vorfinden. Wie bereits im Herbst, war erst mal wieder Scouting angesagt.

Welche Vögel halten sich auf und vor allem in welchen Bereichen?

Dieses Mal waren es vor allem Flussregenpfeifer, die sich dort tummelten und Rast machten.

*Bild 29*

Da sie sich aber in einem anderen Bereich des Sees aufhielten, war es fotografisch dieses Mal einfacher und nicht mehr so extrem schmutzig wie im Herbst.

Man konnte sich bequem mit einer Iso-Matte und einem großen Tarnnetz in den See legen. Der Schlick dieses Mal nur 2-3 cm tief, hielt sich der Schmutz und die Belastung fürs Equipment in Grenzen.

Viele Gelegenheiten für einen Ansitz ergaben sich leider nicht, da die Vögel weiterzogen. Für ein paar Bilder hat es aber glücklicherweise trotzdem gereicht.

*Bild 20 + 30 + 31*

Für diese Fotos kamen zum Einsatz:

Technik: Nikon Z6 + Sigma 150-600mm f/5-6.3 DG Sports + Stativ

Kleidung / Tarnung: Kleidung in gedeckten Farben + Tarnnetz zum Zudecken + Gesichtsmaske + Handschuhe

Kurz nachdem ich die Limikolen im Frühjahr fotografieren konnten, erhielt ich einen Tipp zu einem weiteren spannenden Vogel, welcher bereits ebenfalls lange auf meiner Wunschliste stand.

Er lebt an fließenden Gewässern, hat vergleichsweise schwere Knochen und noch viele andere spannende Eigenschaften. Dazu aber mehr im zweiten Teil dieses Artikels.

Im ersten Teil konnte ich dir bis hierhin hoffentlich einen kleinen und interessanten Einblick geben, welche Vögel sich an unseren heimischen Gewässern wiederfinden.

Im zweiten, bald folgenden Teil, soll es um weitere spannende Bewohner unserer Gewässer gehen.

Es würde mich freuen, wenn du auch bei diesem Teil dabei bist und dich unterhalten lässt.

Hat dir der Einblick in meine Art der Fotografie und meine Vorgehensweise gefallen?

Waren die dazwischen geschobenen Tipps und Hinweise nützlich für dich oder kanntest Du sie bereits? 

Fragen oder Feedback auch gerne über meine Social-Media-Kanäle.

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