Niedergelassene Ärzte am Limit: Der Frust ist groß

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Bei vielen niedergelassenen Ärzten ist der Frust groß.
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Sprecher der Kreisärzteschaft äußern am Protesttag der niedergelassenen Ärzte ihren Unmut.

Schwäbisch Gmünd/ Aalen. „Der Frust unter den Ärzten ist groß“, sagt Dr. Erhard Bode, Sprecher der Kreisärzteschaft Schwäbisch Gmünd. Dennoch geht er nicht davon aus, dass sich viele der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte im Gmünder Raum an dem Streik beteiligen, zu dem der Ärzteverband Medi am Mittwoch aufgerufen hatte. Er wisse von keinem, der dabei sei, ihm fehle allerdings auch die Zeit, dies bei seinen Kollegen abzufragen. Doch wie bei ihm in der Praxis seien auch bei den anderen niedergelassenen Ärzten die Sprechstunden voll. Wer da einen halben Tag streike, müsse dies irgendwie wieder nachholen. Und die niedergelassenen Ärzte seien ohnehin am Limit.

Der aktuelle Protest richte sich vorwiegend gegen die Abschaffung der sogenannten Neupatientenregelung. Gemäß dieser bekommen es Ärzte vergütet, wenn sie neue Patienten in ihrer Praxis aufnehmen. Diese vor drei Jahren eingeführte Regelung will Gesundheitsminister Professor Dr. Karl Lauterbach kassieren. Doch neue Patienten bedeuten immer Mehrarbeit, weiß Erhard Bode. Die Praxen seien voll, die Ärzte können zusätzliche Patienten nur behandeln, wenn sie Überstunden machen, erläutert er. Zumal der Bürokratieaufwand der niedergelassenen Ärzte seit Jahren erheblich zugenommen habe. Wenn er alleine an den Dokumentationsaufwand denke oder an die Auflagen für Hygienekontrollen und fürs Qualitätsmanagement.

So bedeute der Wegfall der Neupatientenregelung, dass die Ärzte diese Überstunden nicht mehr vergütet bekommen. Und das bei ohnehin steigenden Kosten unter anderem für die Energie, aber auch für die Mitarbeiter. Zum Januar werde der Lohn der medizinischen Fachangestellten wieder angepasst. „Arztpraxen sind wie kleine Wirtschaftsunternehmen“, sagt Erhard Bode. Das Geld, das niedergelassene Ärzte ausgeben, müssen sie auch wieder erwirtschaften. Doch die gestiegenen Kosten können sie nicht weitergeben, wie etwa Handwerker dies tun. Julia Müller

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