Obst-Lehrgarten: Sortenschatz am Ellwanger Schloss

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Franz Seibold und Rahel John, Fachwarte der Fachwartevereinigung Aalen, haben in einer Aktion des Vereins sämtliche Bäume des Regionalen Lehrgartens beim Schloss ob Ellwangen mit Namensschildchen plus QR-Code ausgestattet.
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Vom Duft des „Brettachers“ und wie die Fachwarte Aalen jetzt Wissen für Obstbauinteressierte zugänglich machen.

Ellwangen

Treffpunkt, Parkplatz Schlossschenke. Franz Seibold bewaffnet sich mit einer Motorsäge, der Nächste mit einem Hochentaster. Die frisch gewählte Vorsitzende der Fachwarte, Maria Brenner, hat einen Pickel im Kofferraum. Die Brombeerranken, die müssen dringend raus – beim Regionalen Lehrgarten in Ellwangen. Gleich oben neben dem Schloss.

Während die Sieben, allesamt Ehrenamtliche der Fachwartevereinigung Aalen, das Wer-Wie-Was absprechen, juckt es Beiratsmitglied Rahel John in den Fingern. „I will was schaffa.“ Sie schnappt sich einen Stapel druckfrische weiße Täfelchen, ein Tütchen Nägel. Hammer hat sie selbst. Für heute steht eine besondere Aktion bei der Gruppe an. Die 29 Apfel-, vier Birnen-, vier Zwetschgen-, zwei Kirsch- und zwei Quittenbäume – ein Walnussbaum ist auch dabei - des regionalen Lehrgartens werden „ausgeschildert“. Alles unterschiedliche Sorten sind es. Klar. Zehn Mal Boskop oder Elstar macht keinen Sinn in einem Lehrgarten. Doch jetzt sollen sie gekennzeichnet werden, jeder mit seinem Namen. Plus QR-Code. Damit jeder Besucher des Gartens weiß, wen er da so vor sich hat. Und per einfachem Handyscan sämtliche relevanten Infos zur Sorte abrufen kann. „Das ist echt gigantisch, was auf dem QR-Code alles mit drauf ist“, ist Maria Brenner begeistert, wie viel Mehrwert die kleinen quadratischen Täfelchen den Obstbauinteressierten nun bringen werden.

„Dess isch Zabergäu?“, zweifelt Rahel John. Sie und Franz Seibold, Brenners Vorgänger, vergleichen Liste und Täfelchen, besprechen, wo die Schildchen angebracht werden sollen. Augenhöhe ist gut. „Das wahre Potenzial liegt in der Vielfalt der Sorten“, weiß Seibold zu schätzen, was der Lehrgarten zu bieten hat. Es sind alte und neue Sorten, die sich hier wunderbar beobachten lassen. Der „Rheinische Winterrambur“ beispielsweise ist robust, kommt auch hier gut zurecht. Der „Kardinal Bea“ hingegen hat vom Frost einen Riss im Stamm, wie die beiden entdecken, als sie durch die Frühlingswiese waten und Baum für Baum auszeichnen.

„Für die Anwendung auf der Obstwiese sind auch andere Eigenschaften gefragt als im Hausgarten oder in einer intensiven Obstanlage“, erzählt Seibold nebenbei. Wer seinen Baum umveredeln will oder um eine weitere Sorte ergänzen, - beispielsweise weil die eigentliche Sorte nicht schmeckt oder schädlingsanfällig ist - , der kann sich im Lehrgarten eine Sorte aussuchen. Fachwart Seibold erklärt: „Die aufgepropften Reiser wachsen dann eins zu eins wie ein Klon weiter.“ Wer nur einen Baum im Garten hat, kann so aber dennoch eine frühe und eine späte Apfelsorte haben, oder eine süßlich und eine säuerliche. Wer mehr Platz hat, aber eine eher feuchte Nordhanglage, dem empfiehlt Seibold einen „Jakob Fischer“ als Stammbilder. Da diese Sorte recht robust gegen Obstbaumkrebs und Pilzerkrankungen ist. Oben drauf, in der Krone, kann dann munter veredelt werden. Was in Frage kommt, lässt sich im Lehrgarten herausfinden. Da sind selbst Sorten zu finden, die die Baumschule meist nicht führen.

Was ist das? Ein kritischer Blick von Rahel auf den Baum. Ein „Ontario“? Nein. Ein „Alkeme“. Während sie weitere Schildchen an die Stämme nagelt, schwärmt sie, was für ein Duft sich ab März im Keller ausbreitet, wenn sie da im Herbst ihre „Brettacher“ einlagert.

Als alle Täfelchen verteilt sind und leicht im Wind flattern, dann der Test. Handy raus und scannen. Es klappt. Über die QR-Codes ist Vieles zu erfahren: Kreuzung, Beschreibung, Geschmack, Anbau, Verwendung. Alles, was es dazu zu sagen gibt. Wie die Kocheigenschaften der „Goldrenette von Blenheim“ sind, dass der „Orion“ kein Selbstbefruchter ist und der „Wettringer Taubenapfel“ wenig Ansprüche an den Boden stellt.

Das ist echt gigantisch.“

Maria Brenner, Vorsitzende des Vereins, Fachwarte Aalen
Franz Seibold und Rahel John, Fachwarte der Fachwartevereinigung Aalen, haben in einer Aktion des Vereins sämtliche Bäume des Regionalen Lehrgartens beim Schloss ob Ellwangen mit Namensschildchen plus QR-Code ausgestattet.
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