Prozessauftakt: Mutmaßlicher Serien-Brandstifter aus Aalen steht vor Gericht

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Prozessauftakt im Landgericht Ellwangen.
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Der vorbestrafte 22-Jährige soll für eine Vielzahl von Bränden im Aalener Stadtgebiet verantwortlich sein. 2017 war er schon einmal mit der Justiz in Konflikt geraten – wegen übelster ausländerfeindlicher Hetze.

Ellwangen. Vor dem Landgericht Ellwangen muss sich seit Montag ein 22-jähriger Mann aus Aalen verantworten. Die Polizei vermutet, dass der junge Mann mit Asperger- und Autismus-Diagnose bis zu 18 Brände im Aalener Stadtgebiet gelegt haben könnte. Angeklagt sind von der Staatsanwaltschaft aber lediglich drei Taten.

Eine Brandlegung, die dem 22-Jährigen zur Last gelegt wird, hatte sich im Juli 2021 zugetragen. Damals war in einer Behindertenwerkstatt der Samariterstiftung in der Bahnhofstraße 65 – hier war der 22-Jährige damals noch beschäftigt - ein Altpapiercontainer in Flammen aufgegangen. Über 100 Menschen hatten sich zum Tatzeitpunkt in dem großen Gebäudekomplex, in dem auch die Schwäbische Post ihren  Sitz hat, aufgehalten. Weil die Brandmeldeanlage sofort anschlug, blieb es zum Glück bei einem Sachschaden.  

Darüber hinaus geht man bei der Staatsanwaltschaft davon aus, dass mindestens noch zwei weitere Brände - in der Wiener Straße und in der Luise-Hartmann-Straße  - auf das Konto des Mannes gehen. Hier soll der 22-Jährige auf den Terrassen der beiden benachbarten Wohnhäuser ein großes Sitzkissen beziehungsweise einen Sonnenschirm in Brand gesteckt haben. Auch hier entstand nur relativ geringer Sachschaden. Eine 25-jährige Anwohnerin verletzte sich allerdings noch am Bein, als sie versuchte, das Feuer vor ihrem Haus zu löschen. Die Krankenschwester behielt von dieser Aktion eine Brandnarbe zurück, die sie am Montag im Zeugenstand dem Gericht präsentierte. 

Durch ein Handy, das am Tatort gefunden wurde, kam die Polizei schließlich auf die Spur 22-Jährigen, der am Montag keine Angaben zur Sachen machen wollte und den Prozess ohne jede sichtbare Regung  verfolgte. 

Wie ein Polizeibeamter gegenüber dem Gericht ausführte,  soll der 22-Jährige nach den Bränden  auf diesem Handy sofort nach entsprechenden Presseberichten und -mitteilungen gegoogelt haben.  Außerdem machte der Beamte unmissverständlich klar, dass man bei der Polizei davon ausgeht, dass der Angeklagte sehr wahrscheinlich noch für 15 weitere Brandstiftungen in Aalen verantwortlich sein könnte. Unter anderem für Feuer in der Greutschule und im Walddorfkindergarten. „Nach seiner Festnahme endete auf jeden Fall die Serie“, gab der Beamte zu Protokoll. Außerdem sei der Täter immer nach dem gleichen Modus Operandi vorgegangen. Es wurde in allen Fällen kein Brandbeschleuniger eingesetzt. Und es wurde nur das angezündet, was sich vor Ort zum Anzünden anbot.

Angehört wurde zum Prozessauftakt vom Gericht auch noch der Werkstattleiter der Samariterstiftung. Er gab an, dass der 22-Jährige während seiner anderthalbjährigen Beschäftigung in der Werkstatt durchaus verhaltensauffällig gewesen sei. In Sachen Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit habe es gehapert. Außerdem hätte der junge Mann phasenweise an Verfolgungswahn gelitten.

Der Auszug aus dem Vorstrafenregister machte klar, dass es sich bei dem 22-Jährigen keineswegs um ein unbeschriebenes Blatt handelt. Der Mann ist wegen Brandstiftung bereits einschlägig vorbestraft. 2015 hatte er auf einem Parkplatz in Aalen einen VW Polo mit Benzin übergossen und angezündet.

Abgeurteilt ist der junge Mann aber auch wegen Volksverhetzung. 2017 soll er in Aalen unzählige Gebäude mit NS-Parolen und schlimmster ausländerfeindlicher Hetze beschmiert haben. Neben dem Rathaus in Wasseralfingen und diversen Schulgebäuden erwischte es perfiderweise auch das Bürgerhaus in Wasseralfingen, wo Sprachkurse für ausländische Mitbürger angeboten werden. Hier verewigte sich der 22-Jährige mit Sprüchen wie „Moslempest“ oder „Heil Brevig“, was noch zu den harmloseren Parolen zählte. Ein muslimisches Gräberfeld schändete er mit Hakenkreuzen. Einer Familie mit türkischem Namen warf er ein Schreiben in den Briefkasten mit der Ankündigung. „Wir werden Euch umbringen. Euer Dreckshaus wird brennen.“ Schon damals hielt das Gericht fest, dass der Mann zum Tatzeitpunkt aufgrund einer psychotischen Depression nur bedingt zurechnungsfähig gewesen ist.  

In der aktuellen Anklage geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der 22-Jährige, der momentan im Zentrum für Psychiatrie in Bad Schussried untergebracht ist, eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt.    

Der Prozess wird am Donnerstag, 30 Juni, im Landgericht Ellwangen mit der Verlesung des psychiatrischen Gutachtens fortgesetzt.

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