Sophie Heinz und die "42"

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Student und Organisatorin an der "42 Heilbronn" - der Aalener Mohan Jeyavathanan und die Neresheimerin Sophie Heinz.
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Neresheimerin hat in Heilbronn eine außergewöhnliche Programmierschule aufgebaut - fast im Alleingang.

Neresheim. 42 – das ist in Douglas Adams' Kultroman „Per Anhalter durch die Galaxis“ die Antwort auf alle Fragen. „42“heißt in Anlehnung daran die außergewöhnliche Schule für Programmiererinnen und Programmierer in Heilbronn, die Sophie Heinz mitaufgebaut hat. Die 33-jährige Neresheimerin ist nach Karrierestationen in Agenturen und Hochschulen nun verantwortlich für alle Kommunikationsthemen sowie die Entwicklung und Markteinführung der Programmierschule. Im Juni startete der erste Jahrgang. Zu den 120 Studierenden gehört beispielsweise Jonathan Fritz aus Schwäbisch Gmünd, der mit seinem Team Ende September am Ostalb Hackathon in Aalen teilnehmen wird.

Die „42“ wurde als private, gemeinnützige Programmierschule 2013 in Paris gegründet. Mittlerweile gibt es sie in mehr als 20 Ländern – mit mehr als 11000 Studierenden, in Deutschland außer Heilbronn auch in Wolfsburg. Das Studium ist hier kostenlos, aber was heißt schon Studium: Es gibt keine Lehrenden, keine Bücher, keine Klassen. Wer hier lernt, erarbeitet sich den Stoff selbst – alleine, in der Gruppe und im Netz. Das zehnköpfige Team, zu dem IT- und pädagogische Leitung gehören, schaut höchstens über die Schulter. „Das Konzept, dass am Markt orientiert unkonventionell und praktisch Programmiererinnen und Programmierer ausgebildet werden, hat mich überzeugt“, sagt Sophie Heinz. Vorher hat die Härtsfelderin in einer Agentur Digitalkonzepte für Unternehmen entwickelt, für die Duale Hochschule Baden-Württemberg gearbeitet und während ihres eigenen dualen Studiums bei SDZ.Druck und Medien in Aalen Einblicke in die Medienwelt gewonnen.

Auf die „42“ angesprochen hat sie der Geschäftsführer der Dieter-Schwarz-Stiftung. Diese trägt den Heilbronner Ableger zu 100 Prozent. Unternehmen wie Porsche, MHP oder Microsoft helfen mit Stipendien. „Anfangs war ich skeptisch, nach Heilbronn zu gehen, aber die Stadt hat in den letzten Jahren einen unglaublichen Sprung nach vorne gemacht“, sagt Sophie Heinz. Sie war die erste Mitarbeiterin der neuen Schule, als der designierte Geschäftsführer wegen Corona nicht aus dem Silicon Valley anreisen durfte.

Gar nicht so einfach, das Konzept zu etablieren, stellte sie fest: Studieren ist in Deutschland ohnehin kostenlos – ein Pluspunkt der „42“ in anderen Ländern entfällt. Obendrein wird hierzulande Wert auf anerkannte Abschlüsse und Zertifikate gelegt – die gibt es nicht. Aber dafür Absolventen, die in Digitalkonzernen wie Google, in der IT mittelständischer Unternehmen oder mit eigenen Start-ups Karriere machen.

Auf ein zwölf- bis 18-monatiges Grundstudium folgt ein bezahltes Praktikum, dann ist eine Spezialisierung, beispielsweise in der App-Entwicklung, möglich.

Der erste Schritt in die „42“ ist ein Online-Logiktest, den alle Über-18-Jährigen ausprobieren können. 8000 Interessenten nahmen bereits vor dem ersten Semester teil. Von den Erfolgreichen kamen 450 zum Bootcamp, das hier französisch „Piscine“, Schwimmbecken, heißt: „Hier wird man ins kalte Wasser geworfen“, sagt Heinz.
Die Erstsemester, die im Juni das Präsenzstudium in den Heilbronner Einrichtungen begonnen haben, kommen von der Schule oder Hochschule, aber auch Piloten, Krankenschwestern oder Ingenieure sind dabei. 40 Prozent sind aus dem – meist europäischen – Ausland, der Rest kommt aus Deutschland. So auch Mohan Jeyavathanan, der aus Aalen ist. Er sagt: „Ich bin ein praktisch orientierter Mensch. Ich muss es selbst tun, meine eigenen Fehler machen, um alles vollständig zu verstehen.“

Mit dem Online-Test auf www.42heilbronn.de können alle Interessierten prüfen, ob sie für die „42“ geeignet sind. Im Oktober startet die nächste „Piscine“ – das Bootcamp.

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