Stromnetze: Das Rückgrat des Ausbaus im Fokus

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Landrat Dr. Joachim Bläse hat sich mit Vertretern der Stadtwerke Aalen, Ellwangen und Schwäbisch Gmünd, der Netze ODR sowie der Netze BW zum Ausbau der Stromnetze beraten. Foto: OLIVER GIERS

Netzausbau im Ostalbkreis: Landrat Dr. Joachim Bläse im Austausch mit den Energieversorgungsunternehmen. Was unverzichtbare Grundlage für die Energiewende ist.

Aalen

Vertreter der Stadtwerke Aalen, Ellwangen und Schwäbisch Gmünd, der Netze ODR sowie der Netze BW haben sich im Aalener Landratsamt mit Landrat Dr. Joachim Bläse getroffen. Zentrales Thema war der dringend erforderliche Netzausbau, um den Ausbau der Erneuerbaren Energien weiter voranzubringen.

„Mit Sorge höre ich immer wieder, dass die Netze im Ostalbkreis an ihre Kapazitätsgrenze kommen“, sagte Landrat Dr. Joachim Bläse. „Ich erhalte auch immer mehr Anfragen, weshalb Anträge auf einen Anschluss einer Anlage zur Erzeugung von Erneuerbaren Energien abgelehnt werden. Im Mittelspannungsnetz im Ostalbkreis gibt es Engpässe, es sind in bestimmten Bereichen keine Netzkapazitäten vorhanden, um Einspeisestrom abzuführen.“ Daher habe er zum Austausch über die Netzentwicklungsplanung, den notwendigen Netzausbau, die Koordination der Ausbaupläne und die strategischen Planungen eingeladen.

Zielbild Erneuerbare Energien

„Unser Bekenntnis zum Ausbau der Erneuerbaren Energien wird begleitet von dem Bewusstsein, dass gerade der Ländliche Raum weitere Flächen für den Ausbau der Erneuerbaren Energien bereitstellen muss“, erklärt der Landrat. „Nur damit schaffen wir Versorgungssicherheit, Unabhängigkeit und Klimaneutralität.“ Der Ausbau der Erneuerbaren Energien sei allerdings von Faktoren wie der Flächenverfügbarkeit und den gesetzlichen Rahmenbedingungen einerseits und der Stabilität des Strompreises andererseits abhängig. Das notwendige Grundgerüst, das Rückgrat für den Ausbau der Erneuerbaren Energien, seien vor allem die Netze auf allen Spannungsebenen.

„Früher wurde der Strom über die Übertragungsnetze und die Verteilnetze zum Verbraucher transportiert. Heute müssen die Netze Stromtransport „mit Gegenverkehr“ bewältigen“, führte Bläse aus. Das Verteilnetz müsse den Verbraucher mit Strom versorgen, zahlreiche Anlagen für Erneuerbare Energien anschließen und die erzeugte grüne Energie „im Gegenverkehr“ effizient zum nächsten Verbraucher transportieren. „Damit werden Verteilnetze immer wichtiger.“

Unverzichtbare Grundlage

Nicht nur, weil es in Baden-Württemberg beim Neubau Pflicht sei, sondern weil die Bürgerinnen und Bürger ihren Beitrag zur Energiewende und zur Klimaneutralität leisten wollen, erzeugten immer mehr private Haushalte und Betriebe mit zahlreichen kleinen und großen Erneuerbaren-Energien-Anlagen wie Windkraft- und Solaranlagen dezentral Energie und speicherten diese selbst oder speisten sie ins Netz ein. „Deshalb ist das Verteilnetz, das bis in jeden Haushalt reicht, unverzichtbare Grundlage einer erfolgreichen Energiewende“, ist sich der Ostalb-Landrat sicher.

Im Gespräch mit den Vertretern der Energieversorgungsunternehmen sei deutlich geworden, dass moderne Verteilnetze den Ausgleich zwischen Einspeisung und Verbrauch koordinieren können müssen, damit die Energie immer genau dort ankomme, wo sie gerade gebraucht werde.

Es werde aber nicht ausreichen, Netze und Erneuerbare Energien in dem Umfang auszubauen, wie der Ausstieg aus Kohle und Kernkraft erfolge, darüber waren sich alle Teilnehmenden im Klaren. Denn alleine die Mobilitätswende, Elektromobilität, Wärmepumpen und Wasserstoff setzten hier neue Anforderungen. Das bedeute, dass „kontinuierlich weiter in den Ausbau der Netze investiert werden muss“. Der Strombedarf steige und gleichzeitig ändere sich die Art der Stromerzeugung: „Kleine Ergänzungen reichen da nicht mehr aus“, ist sich Bläse sicher. „Ohne angemessene und kontinuierliche Investitionen in Deutschlands Netze, insbesondere in die Verteilnetze, gibt es keinen erfolgreichen Klimaschutz.“ Auch diese Erkenntnis betont der Landrat, weshalb es wichtig sei, nicht nur Strom-, sondern auch Gasnetze im Blick zu haben, um eine resiliente Netzinfrastruktur für die Energieversorgung von morgen zu schaffen.

Individuelle Lösungen nötig

Die Gesprächsteilnehmer waren sich einig, dass die Energiewende nur möglich sei, wenn individuelle Lösungen für Verteilnetze entwickelt werden. Um diese Aufgaben entschlossen anzugehen, brauche es politischen Mut und Innovationen mit Zukunftsperspektiven. „Der Ausbau der Erneuerbaren Energien bis zur Klimaneutralität kann nur zusammen mit dem Ausbau des Strom- und Gasnetzes gelingen - das ist ein Gemeinschaftsprojekt des Landkreises und der Kommunen mit den Energieversorgern“, so Bläse. Gleichzeitig dürften die Kosten für den Netzausbau aber nicht nur regional umgelegt werden. „Im Ländlichen Raum werden die Anlagen der Erneuerbaren Energien gebaut und zusätzlich muss der Ländliche Raum bislang auch die Kosten für den hierfür notwendigen Netzausbau tragen. Da müssen wir gemeinsam Lösungen finden, um die Akzeptanz für die Maßnahmen zu fördern.“

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