Substitutionspraxis bleibt erhalten

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Glückliche Gesichter beim Festakt zur Praxisübergabe: (v.l) Dr. Horst Köddermann, Dr. Joachim Bläse, Dr. Reiner Zitzmann, Anett Rose-Losert, Renate Zitzmann, Gabi Bernat, Bernd Czerny, Katharina Breitschwert, Dr. Christopher Dedner, Sergio Daina, Donata Kardasch. Foto: gek
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Dr. Reiner Zitzmann hat 30 Jahre lang Suchtpatienten versorgt. Jetzt übernimmt das Zentrum für Psychiatrie (ZFP) Winnenden die Praxis in der Spitalstraße 2.

Ellwangen

Nur zufriedene, ja glückliche Gesichter sah man am Freitag in der Spitalstraße 2, wo die Übergabe der Substitutionspraxis von Dr. Reiner Zitzman an das Zentrum für Psychiatrie Winnenden (ZFP) gefeiert wurde. Der 78-jährige Hausarzt hätte schon vor 13 Jahren in Rente gehen können. Doch niemand wollte seine Arbeit fortführen und die zuletzt über 100 Suchtpatienten versorgen, die Drogenersatzmittel brauchen.

Wie wichtig eine Substitutionspraxis ist und wie schwierig es für eine Stadt, aber auch für die Suchtpatienten werden kann, wenn diese Versorgung wegbricht, betonte Landrat Dr. Joachim Bläse, der das als OB von Schwäbisch Gmünd erlebt hat. „Sie sind reif für das Bundesverdienstkreuz“, sagte er zu Zitzmann, weil er das Angebot über so lange Zeit selbstlos aufrecht erhalten habe.

Das ZFP führt die Substitutionspraxis nun weiter und richtet dazu noch eine psychiatrische Institutsambulanz ein. Die Zulassung habe einiges an Nerven gekostet, sagte Anett Rose-Losert, Geschäftsführerin des ZFP. und dankte dem Chefarzt der Klinik für Suchttherapie des ZFP Dr. Dedner, dass er immer wieder neue Hürden überwinden konnte, bis die Kassenärztliche Vereinigung (KV) zustimmte. Das Ergebnis sei die Mühen wert, so verhindere man, dass unversorgte Patienten in den stationären Bereich kommen.

Dr. Christopher Dedner meinte, er hatte noch nie ein so besonderes Projekt wie hier umzusetzen. Die Praxis in der Stadtmitte unterstreiche die Zugewandtheit gegenüber den Patienten, für die Zitzmann stand und für die auch das neue Team stehe.

Der Facharzt für Suchttherapie, Sergio Daina, führt die Substitutionspraxis weiter. Reiner Zitzmann sei für ihn zum Mentor geworden, sagte er. Die Sozialpädagogin Katharina Breitschwert und die Arzthelferin Donata Kardasch gehören zu seinem Praxisteam.

Reiner Zitzmann freute sich für die Patienten, dass die Betreuung weiter geht. Sie kämen aus weitem Umkreis, aus Hohenlohe, dem angrenzenden Bayern, seien häufig berufstätig und ohne die Substitution sei ihr ganzes Lebensgefüge in Gefahr. Dass nun der substituierende Arzt gleichzeitig Psychiater ist und dass ihm eine Diplom-Sozialpädagogin zur Seite steht, sei ideal.

Dr. Horst Köddermann, der in Trochtelfingen ebenfalls Suchtpatienten betreut, sprach für die Kreisärzteschaft. Die Versorgungslücke hätte nicht kompensiert werden können, es gebe kaum noch niedergelassene Ärzte, die bereit sind Suchtpatienten aufzunehmen. Dabei nehme die Zahl solcher Patienten stetig zu.

Auch OB Michael Dambacher freute sich darüber: „Die Kommunen sind auf eine flächendeckende Versorgung angewiesen.“ Heike Lange, bei der KV BW zuständig für die Substitutionsversorgung, wünschte der Praxis einen guten Start. Die lange Prozedur der Zulassung erklärte sie mit der Autarkie des Zulassungsausschusses.

Die Substitutionspraxis von Dr. Reiner Zitzmann

Dr. Reiner Zitzmann hat 1972 die Hausarztpraxis des Vaters übernommen und machte psychotherapeutische Weiterbildungen. Über die Suchtberatung kam er zu Suchtpatienten, damals vorwiegend Alkoholkranke. Als immer mehr härtere Drogen konsumiert wurden, trat die Substitution in den Mittelpunkt. Anfangs war das noch Codeinsaft, später wurde Methadon Ersatzmittel bei Opiate-Sucht. Die Patienten mussten in der Praxis „abschlucken“, um Handel damit zu verhindern. Heute erhalten die Patienten Rezepte und nehmen die Mittel in der Apotheke ein. Für synthetische Drogen wie Amphetamin gibt es kein Substitut, Sucht wird oft stationär behandelt.

Sie sind reif für das Bundesverdienstkreuz.“

Dr. Joachim Bläse, Landrat

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