Bartholomäer Ukraine-Hilfe von der Insel Föhr aus

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Voller Hof, volle Hallen: Das Omnibusunternehmen Grötzinger aus Bartholomä organisiert mit mehreren Fahrern einen Hilfstransport Richtung Ukraine. Die Hilfsbereitschaft sei enorm, wie Geschäftsführerin Birgit Grötzinger berichtet.
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Wie das Busunternehmen Grötzinger spontan Transporte an die rumänische Grenze organisiert und wie groß die Hilfsbereitschaft im Dorf ist.

Bartholomä

Dienstag, kurz nach 17 Uhr, auf dem Hof des Busunternehmens Grötzinger: Von hier aus soll am Mittwochabend ein Hilfstransport Richtung Ukraine starten. Alle paar Minuten fährt ein anderes Auto vor, voll beladen mit Kisten, Kartons und Säcken. In den Omnibushallen stapeln sich die Hilfsgüter ebenso wie vor dem Büro. Auch Feuerwehrkommandant Thorsten Sperrle ist mit Kolleginnen und Kollegen gekommen. Um zu helfen, zu koordinieren, anzupacken. Denn die Chefin, die das alles angeleiert hat, ist gerade gar nicht in Bartholomä, sondern organisiert die Aktion von der Insel Föhr aus.

Wie es dazu kam? Am Telefon berichtet Geschäftsführerin Birgit Grötzinger, dass sie am Sonntag einen Fernsehbericht aus der Ukraine gesehen habe, in dem Frauen mit der Käsereibe Styropor rieben, diesen in Flaschen füllten, um daraus Molotowcocktails zu machen. „Das hat mich dermaßen berührt, dass ich wusste, man muss diesen Leuten Unterstützung geben. Was die für ihre Freiheit machen und ganze Dörfer so zusammenhalten, das ist schon unglaublich.“

Sie habe einige „offizielle Stellen“ angeschrieben, ob sie zum Beispiel Kontakte herstellen könnten oder ob es möglich wäre, Flüchtlinge herauszubringen. „Da kam leider gar keine Antwort“, bedauert Birgit Grötzinger. Das Thema habe sie aber nicht losgelassen, so dass es ihr am Montag „einfach zu dumm geworden“ sei, erinnert sie sich. Zunächst habe sie ihre Fahrer angeschrieben, ob jemand bereit sei, mitzuhelfen. „Da kam sofort, bin dabei, Daumen hoch.“ Da habe sie gewusst, sie könne es wagen, auch wenn sie derzeit auf Föhr sitze.

Die geplante Hilfsaktion habe sie zunächst am Sonntagabend an ihre Freunde in den sozialen Netzwerken geschickt - und schon nach wenigen Minuten zig Anrufe bekommen. „Da dachte ich, wenn das schon solche Wellen schlägt, stellen wir es öffentlich auf Facebook“, erzählt Birgit Grötzinger. Nach einer unruhigen Nacht auf Montag sei ihr klargeworden: „Das funktioniert.“ Jetzt gelte es, das Ganze „nur noch“ zu koordinieren.

Seit Dienstagmorgen um 8 Uhr sei sie nur noch am Telefonieren. „Mit dem Ladekabel drin, sonst wäre der Akku ruckzuck leer.“ Mittlerweile seien bis zu acht Leute im Bartholomäer Büro damit beschäftigt, Anrufe entgegenzunehmen und die Hilfsgüter zu koordinieren. Außerdem seien die Mitarbeitenden dabei, Listen zu erstellen, weil Leute anriefen und Wohnungen anböten, für den Fall, dass die Busse tatsächlich mit Geflüchteten zurückkommen sollten. Für den Grenzübertritt müssten zudem Listen mit den transportieren Waren angefertigt werden.

Unterstützung gebe es sowohl von Privatleuten als auch von Unternehmen: Zwei Mal 3000 Euro Lebensmittelspenden zum Beispiel von Widmanns Löwen in Zang und von Omega Sorg. Außerdem sei der Edeka-Markt Donderer aus Heubach und der Edeka aus Steinheim mit einer größeren Summe mit dabei. „Ich kann Ihnen gerade gar nicht alle Kunden sagen“, zeigt sich Birgit Grötzinger von der Hilfsbereitschaft überwältigt. „Es ist Wahnsinn“, so die Unternehmerin.

Wir kriegen gar nicht alles in einen Bus.“

Birgit Grötzinger,, Geschäftsführerin

Auch weitere Fahrer hätten sich gemeldet, insgesamt stünden nun fünf Fahrer bereit. „Wahrscheinlich kriegen wir das alle gar nicht in einen Bus“, so Birgit Grötzinger. Eventuell nehme man noch einen Lastwagen oder Sprinter mit großen Fahrradanhängern. Die Bereitschaft zu helfen, sei enorm. Was sie etwas schade finde, sei, dass sich in Deutschland zunächst kaum einer etwas zu tun traue, wenn es nicht offiziell „von irgendeiner Stelle abgesegnet“ sei. Man müsse doch irgendwann sein Herz und seinen Verstand einsetzen und sagen: „Da müssen wir jetzt etwas tun.“

Von der Grenze ins Land

Die Bartholomäer haben einen persönlichen Kontakt in Heubach. Der Hilfstransport soll den Weg nehmen, den dieser Kontakt vorsehe. Der führe sie in den Ort Sereth an der rumänischen Grenze. Hier koordiniere eine Hilfsorganisation von der Schule aus die ukrainischen Lastwagen, die die Ware ins Landesinnere transportieren sollen. „Gegebenenfalls werden wir auch ukrainische Flüchtlinge mit in den Ostalbkreis bringen. Mal sehen, wie sich die Situation bis in ein paar Tagen darstellt“, berichtet Birgit Grötzinger.

Kommandant Thorsten Sperrle blickt auf all die Kartons und die nicht enden wollende Autoschlange: „Wir werden einen Sattelzug brauchen“, sagt er.

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