Bartholomäs Geschichte(n)sammler

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Fachsimpeln im Landgasthof Wental (von links): Carsten Weber, Oliver Ziegler und Jan Ruben Haller vom ehrenamtlichen Arbeitskreis Ortsgeschichte Bartholomä.
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Was die Mitglieder des Arbeitskreises Ortsgeschichte antreibt, was sie bisher auf die Beine gestellt haben und an welchen Projekten sie aktuell dran sind.

Bartholomä

Bloß nichts wegwerfen! Diese große Bitte haben die Mitglieder des ehrenamtlichen Arbeitskreises Ortsgeschichte an alle Bartholomäer. Denn einmal im Müll, sei ein Stück Geschichte für immer verloren.

Zu bewahren, aufzubereiten und ein Bewusstsein für Geschichte zu schaffen, das hat sich der AK auf seine Fahne geschrieben. Zwar kein offiziell eingetragener Verein, hat sich dennoch eine Art Vorstand gebildet, bestehend aus Carsten Weber (Jahrgang 1979), Oliver Ziegler (1975) und Jan Ruben Haller (1990). Insgesamt sind sie derzeit ein knappes Dutzend Mitglieder. Die Männer der ersten Stunde waren in den 1980er-Jahren Jan Ruben Hallers Großvater, Richard Haller, Lothar Wolf, Josef Kühnhöfer, Günter Horning und Reiner Wieland. Sie begannen, historische Schriften, Urkunden und Fotos zu sammeln und zu ordnen, in Reiner Wielands Fall entstand sein „Schriftgutarchiv“ in Lautern, zu dem der AK nach wie vor eine gute Verbindung pflegt. Überhaupt wage man den Blick über Tellerrand hinaus. „Es schadet nie, auch mitzukriegen, was zum Beispiel in Heubach oder Lautern läuft“, meint Carsten Weber.

Dem AK gehe aus darum, ein Bewusstsein zu schaffen, zu sensibilisieren. Oft haben die Verantwortlichen dabei die Erfahrung gemacht, dass die Leute es dann auch wichtig fänden. Oder vermissen, wenn es nicht mehr da ist. Zum Beispiel das „Adelheid Stoile“. Der Gedenkstein samt kleinem gusseisernen Kreuz stand an einem Parkplatz an der Landesstraße zwischen Heubacher Steige und Bartholomä, zum Gedenken an eine Frau, die dort 1937 überfahren worden war. 2016 hat ein Auto den Stein abgeräumt, berichten die AK-Mitglieder. Seitdem stehe er im Bauhof. Immer wieder gebe es Anfragen, wann er wieder aufgestellt werde. Das sei bald geplant, betonen die AKler.

Manchmal sind es die in der Zeitung veröffentlichten Geschichten, Vorträge oder Ausstellungen, die Reaktionen auslösen und zu weiteren Recherchen führen, oft reicht nur ein einziges historisches Gruppenfoto, das im Ort diskutiert wird. „Wenn es gelingt, die Leute zum Sprudeln zu bringen, hat das oft einen Domino-Effekt“, sagt Carsten Weber.

Oliver Ziegler drückt es so aus: „Wir sind ein kleiner Ort. Wenn man hier an der einen Stelle zieht, wackelt’s irgendwann an der anderen.“ Sobald es Corona zulasse, sei ein „Identitätswettbewerb“ geplant. Klingt aufwendig. Eigentlich gehe es dabei aber nur darum, „ein paar alte Fotos auf den Tisch zu legen“, sagen die AKler. Um dann auf den „Domino-Effekt“ zu warten.

Jan Ruben Haller ist es ein Anliegen, die Vereine im Ort bei ihren Jubiläen zu unterstützen. Daher sammle er jetzt schon für das 100-jährige Bestehen des Bartholomäer Albvereins im Jahr 2028. „Wir müssen da frühzeitig anfangen“, betont Haller. Er hat schon eine Vielzahl an Ordnern voll mit Dokumenten, Artikel, Urkunden und Zeitungsberichte in seinem Privatarchiv.

Ausstellungen und Wanderungen

Der AK hat verschiedene Herangehensweisen und Projekte gestartet, um die Ortsgeschichte zu vermitteln. Da wären die Ausstellungen im Dorfhaus, aus unterschiedlichen Anlässen und mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Sehr gut angenommen worden sei zum Beispiel die Ausstellung im Jahr 2018, anlässlich 100 Jahre Ende des Ersten Weltkriegs. Wer Geschichte erleben will, kann an einer der vom AK gemeinsam mit dem Albverein organisierten „Historischen Wanderungen“ teilnehmen, zuletzt ging’s vom Amalienhof ins Wental entlang der Urgrenze von 1479. Zudem soll mindestens einmal im Jahr das „Heimat- und Geschichtsblatt“ erscheinen. Im Herbst 2021 gab's die erste Ausgabe, mit Texten zur Kolmannskapelle und der Tradition der Steinmetzbetriebe in Bartholomä sowie einem Blick auf den Weiler Rötenbach samt des Hofladens. Am Sonntag, 26. Februar, beleuchtet der AK nach dem Gottesdienst um 18 Uhr, was es mit der künstlerischen Ausgestaltung der Kirche im Jahr 1932 auf sich hat.

Auch die junge Generation will der AK an die Ortsgeschichte heranführen. Unter Federführung von Gemeinderat Holger Biebl gab’s im vergangenen Sommer zum wiederholten Mal eine Dorfrallye mit 40 Fragen, die die Kinder bei der Tour beantworten sollten. Das sei immer gut angekommen, betonen die Mitglieder. Dennoch: Die heute 20-Jährigen könne man mit Orts- und schon gar nicht mit Kirchengeschichte kaum hinterm Ofen hervorlocken, gibt Weber zu. Für ihr Anliegen seien aber auch die Jungen keineswegs verloren, meinen die AKler. Das Interesse an der eigenen Herkunft und dem Heimatort komme mit dem Alter fast automatisch. Oft hätten sie auch erlebt, dass Leute, die weggezogen sind, Heimweh haben und so auch geschichtliches Interesse an der alten Heimat entwickeln, so Oliver Ziegler.

Bei allem Engagement betonen die Ehrenamtlichen: „Es muss immer ein Hobby bleiben und Spaß machen.“ Auch deshalb sei der AK kein Verein mit offiziellen Posten. Jeder mache das, auf das er Lust habe und was ihm besonders liege.

Wer Dokumente hat, diese aber nicht weggeben will, erhält sie nach einem Scan zurück. Kontakt: Telefonnummer (07173) 7009623, E-Mail: jrhaller@t-online.de.

Oft entsteht bei der Recherche ein Dominoeffekt.“

Carsten Weber,, AK-Sprecher

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