Die Heimweh-Kapelle von Bartholomä

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Die Kitzing-Kapelle entfaltet zu jeder Jahreszeit einen ganz eigenen Charme. Oliver Ziegler und Bruno Bieser gefällt sie besonders rund um Weihnachten, wenn sie erleuchtet ist und drinnen eine Krippe steht. Archivfoto: privat
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Was es mit der Kitzing-Kapelle bei Bartholomä auf sich hat, warum die benachbarte Linde für Probleme sorgt und was die Hofgemeinschaft als Nächstes anschaffen will.

Bartholomä

Still liegt sie da, nur das Rascheln der Blätter im Herbstwind ist zu hören. Das ist nicht immer so, betonen Bruno Bieser und Oliver Ziegler. Die beiden stehen Ende Oktober an der Kitzing-Kapelle. Direkt an dem Sträßchen mit der Abzweigung zum Inneren Kitzinghof bei Bartholomä. Das Kapellchen werde von vielen Leuten sehr gut angenommen, von Wanderern, die vielleicht zufällig vorbeikommen genauso wie von Gläubigen oder Menschen, die Ruhe und Besinnung an dem kleinen Gotteshaus in der Natur suchen. „Gerade in der Hoch-Zeit von Corona, als die Gottesdienste ausfielen, war ganz schön was los“, meint Ziegler. Er erinnert sich an die Ostertage 2020. „Da hätte man meinen können, man steht auf der Stuttgarter Königsstraße“, sagt er und lacht.

Linde nagt am Gebäude

Erbaut wurde die Kapelle im Jahr 1886, berichtet Bruno Bieser. Sie gehe zurück auf ein Gelöbnis von Maria Rosina Bieser, geborene Gentner vom Kitzinghof. Diese heiratete 1863 Josef Bieser und zog zu ihm auf den Rechberg. Von Heimweh nach dem Kitzing erfüllt, habe sie gelobt, ein Kirchlein zu errichten, wenn sie dorthin zurückkehren könne. Die Geschichte ging tatsächlich gut für sie aus, weiß Bruno Bieser. Sei erreichte, dass ihr Mann alle Güter auf dem Rechberg verkaufte und, als Nachfolger ihres Vaters, Bauer auf dem Kitzing wurde. Viele Jahre war die Kapelle im Besitz der Familie Bieser, bis sie vor einigen Jahren von der Gemeinde Bartholomä erworben wurde. Für die Pflege sorgt aber nach wie vor die Hofgemeinschaft Möhnhof-Kitzing. „Alle zusammen“, betont Bruno Bieser und erzählt, dass die Kapelle über die Jahre so ziemlich alles gesehen habe, was das Leben ausmache. Freudige Feste, wie Hochzeiten und Taufen, und traurige Anlässe wie die Aufbahrung geliebter Verstorbener der Hofgemeinschaft.

Im Jahr 2015, zum 150-jährigen Bestehen, habe es an der Kapelle einen ökumenischen Gottesdienst gegeben. Seitdem möchten die Kirchengemeinden gerne immer am ersten Samstag im Juli hier eine Andacht feiern. Weil in diesem Jahr der Termin mit der Wiedereröffnung der katholischen Kirche zusammenfiel, war man auf ein anderes Datum ausgewichen. „Die Tradition würden wir aber gerne fortführen“, sagt Oliver Ziegler. Ein Besuch der Kitzing-Kapelle lohne sich aber nicht nur im Sommer. „Weihnachten, das ist das Nonplusultra“, meint Oliver Ziegler und Bruno Bieser springt ihm sofort bei: „Er übertreibt nicht!“ In der Kapelle sei dann eine wunderschöne Krippe aufgebaut, dazu erhellen Lichterketten und Christbäume die Kapelle. Wenn dann noch Schnee liegt, was hier oben noch normal sei, ist das Wintermärchen perfekt. Überhaupt sorge die Hofgemeinschaft immer dafür, dass die Kapelle je nach Jahreszeit geschmückt ist. Derzeit liegen Kürbisse vor der Türe, innen zeugen Getreideähren und Blumen vom vergangenen Erntedank.

Heiligenfiguren gestohlen

Im Jahr 1996 hat die Hofgemeinschaft die Kapelle ehrenamtlich saniert, berichtet Bruno Bieser. Der gesamte obere Teil wurde erneuert und ein Betonring eingebaut, dazu ein komplett neuer Dachstuhl. „Damals haben wir beim Heubacher Kinderfest bewirtet und viele Spenden gab es auch“, erinnert sich Bieser. Irgendwann werde man wieder etwas machen müssen, meint er und deutet auf feine Risse im Inneren der Kapelle. „Das liegt an dem Baum“, sagt er. Direkt neben der Kapelle reckt eine Linde ihre Äste in den Abendhimmel. „Wunderschön“, meint Bruno Bieser. Mehr als 200 Jahre alt und ein Naturdenkmal. Aber die Wurzeln heben die Kapelle langsam an. Er habe schon angeboten, als Ausgleich für die Fällung des Baumes hunderte neue Bäume bei sich zu pflanzen. Das sei mit dem Naturschutz aber nicht zu machen.

Die Kapelle sei immer geöffnet. Vandalismus habe es in jüngster Zeit nicht gegeben. Bieser erinnert sich noch daran, dass vor der Sanierung zwei der drei Heiligenfiguren aus dem Altarraum gestohlen wurden. Bei der Sanierung habe Handwerker Adolf Bernert gesagt: „Denen zeig‘ ich, was ein Schmied ist!“ Seitdem schützt ein mächtiges, alarmgesichertes Eisengitter den Altarraum.

Übrigens: Damit’s nicht immer ganz so still ist an der Kitzing-Kapelle, wolle die Hofgemeinschaft gerne einen kleinen Glockenturm samt Glocken hinzufügen. Das sei zwar erstmal nur eine Idee, meint Bruno Bieser. „Wir sind aber dran, das umzusetzen.“

Oliver Ziegler und Bruno Bieser blicken auf die Kapelle, auf die Felder und die herbstbunten Wälder dahinter. Doch, meinen sie, dass man nach diesem Ort Heimweh hat, das können sie beide sehr gut verstehen.

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