Elf Hektar für Sonnenenergie in Bartholomä

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Bürgermeister Thomas Kuhn (links) und Sepp Bichler, Geschäftsführer der „Energiebauern“, auf dem Flurstück südwestlich von Bartholomä, wo der Solarpark Rötenbach entstehen soll.
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Warum die Gemeinde Bartholomä bei Rötenbach einen Solarpark plant, was die Bedingungen für den Investor sind und wie der Zeitplan aussieht.

Bartholomä

Sepp Bichler steht auf einem Feld in der Nähe von Rötenbach und schaut in den wolkenverhangenen Himmel. „15 bis 20 Prozent würde unsere Anlage auch an solchen Tagen produzieren“, ist er überzeugt. Bichler könnte man wohl als Pionier der Solarenergie bezeichnen. 1993 ließ er im bayerischen Sielenbach seine erste Photovoltaik-Anlage aufs Dach seines Bauernhofs montieren. 2004 gründete er sein Unternehmen „Energiebauern“, mittlerweile haben seine beiden Söhne übernommen. Er ist als Seniorchef dafür zuständig, mit Grundstückseigentümern und Gemeinden zu verhandeln, die sich für eine Freiflächen-Photovoltaikanlage interessieren. Rund 65 habe das Unternehmen bundesweit projektiert, gebaut und betriebe diese. „In Bartholomä sind wir da auf einem guten Weg“, meint Bichler.

Was ist geplant

Auf rund 10,8 Hektar zwischen Rötenbach, Möhnhof und Bartholomä soll ein Solarpark entstehen. Wie Sepp Bichler betont, gehe sein Unternehmen immer auf die speziellen Wünsche vor Ort ein und wolle alle einbinden. „Die Hoheit liegt bei der Gemeinde“, so Bichler. Dadurch hätten die Solarparks „kaum Akzeptanzprobleme“. In Bartholomä sei es wichtig, dass Tourismus und Fremdenverkehr „nicht kaputtgemacht“ werde, weiß Bichler. Deshalb seien an der Fläche Blühstreifen geplant, vorstellbar sei auch ein „Energielehrpfad“. Die Flächen sollten zudem von Schafen beweidet werden. Für sein Unternehmen gehe es bei Photovoltaik um drei Punkte, erläutert Bichler. Erstens um die Erzeugung von Energie zu marktfähigen Preisen, und zwar nicht nur unter dem Gesichtspunkt der CO2-Vermeidung, sondern, mit Blick auf die aktuelle Russland-Krise, durchaus auch unter dem der Energiesicherheit durch eigene Produktion. Außerdem sollten die Anlagen die Landschaft nicht „verschandeln, sondern bereichern“. Drittens seien die Flächen wegen der Beweidung mit Schafen für die Landwirtschaft nicht „verloren“. Zum Flächenverbrauch betont Bichler, der sich keineswegs als Gegner der Biomasse bezeichne: „Biomasse braucht 30 bis 50 Mal mehr Fläche für dieselbe Energiemenge.“

Die Vorgeschichte

Bürgermeister Thomas Kuhn berichtet, dass der Regionalverband rund um Bartholomä einige Flächen ausgemacht habe, die für Freiflächen-Photovoltaikanlagen in Frage kämen. Der Gemeinderat habe sich rund ein Jahr intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. So habe man speziell auf Bartholomä zugeschnittene Kriterien entwickelt, unter deren Bedingungen solche Anlagen grundsätzlich möglich sein sollen. Zum Beispiel sollen höchstens 0,75 Prozent der Gemeindefläche dafür verwendet werden, das wären etwa 15 bis 16 Hektar. Sollte der jetzt ins Auge gefasste Solarpark kommen, wäre also noch etwas Luft nach oben. Außerdem soll der Abstand zur Ortslage 1100 Meter bestehen, zu Außengehöften 300 Meter. Zudem solle 80 Prozent der Gewerbesteuer im Ort bleiben, die „Energiebauern“ sichern laut Sepp Bichler sogar 90 Prozent zu. Nicht zuletzt sollte es für die Bartholomäer „einen Benefit“ geben, wie Kuhn sagt. Wie genau dieser konkret aussehen kann, sei noch nicht geklärt, vielleicht mit verbilligtem Strom oder durch eine Beteiligung an der Anlage über fest verzinste Wertpapiere.

Wie es weitergeht

Eine erste Runde gab es bereits im Bebauungsplanverfahren, bei der es übrigens keine Einwände gegeben habe. Auch die Verwaltungsgemeinschaft Rosenstein hat den Plänen ihren Segen erteilt. Nun gehe es in die nächste Runde des Bebauungsplans, mit allen dafür nötigen Anhörungen, Gutachten und Stellungnahmen. Dann sei es am Gemeinderat, diese „sauber abzuwägen“, so Kuhn. Es könne durchaus sein, dass die eine oder andere Behörde etwas Sand ins Getriebe streue. Für Sepp Bichler wäre das nichts Neues. „Es reicht nicht, wenn die große Politik hehre Ziele in Sachen Klimaschutz postuliert und es dann trotzdem in der Umsetzung vor Ort gewaltig knirscht.“ Speziell in Baden-Württemberg, wo doch seit zehn Jahren die Grünen regierten, gebe es in dieser Hinsicht Handlungsbedarf. Auch Thomas Kuhn meint, da müsste vieles einfacher sein. „Die Ampel muss hier voll auf erneuerbare Energien geschaltet sein“, so der Bürgermeister.

Dennoch wolle die Verwaltung im April oder Mai zur Abwägung im Gemeinderat kommen, so dass die Satzung in diesem Jahr beschlossen werden kann. Sepp Bichlers Ziel wäre ein Baustart im nächsten Jahr. Die Bauzeit selbst sei übrigens der schnellste Teil im ganzen Projekt. „Das ist in sechs Wochen erledigt“, sagt Sepp Bichler.

Der Solarpark ist nördlich von Rötenbach geplant. Quelle: Gemeinde

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