Luftfilter aus Bartholomä soll Corona eindämmen

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Geschäftsführer Klaus Weigert in seinem Büro in Bartholomä vor den speziellen Luftfiltern. Ein Lüfter für einen Raum mit 150 Quadratmetern kostet nach seinen Angaben 2900 Euro. 98 Prozent der Aerosole seien damit zu eliminieren.
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Warum Klaus Weigert von der gleichnamigen Industrievertretung aus Bartholomä meint, mit speziellen Plasma-Filtern einen Beitrag zur Eindämmung von Corona leisten zu können.

Bartholomä

Wir behaupten nichts, was wir nicht wissenschaftlich belegen können", sagt Klaus Weigert. Der Inhaber der Firma Weigert Industrievertretung steht in seinem Büro in Bartholomä und deutet auf etwa mannshohe, schwarze, zylinderförmige Geräte. "Diese Filter könnten in der Corona-Pandemie ein wichtiger Teil der Lösung sein."

Weigert wolle keineswegs behaupten, dass seine Filter den Coronavirus zerstören könnten. Mit einer speziellen Technik sei es aber möglich, die Aerosole in einem Raum zu 98 Prozent "runterzufahren". Damit nehme man dem Virus sozusagen sein Fahrzeug weg und es falle nach unten. Wegert: "Wir schaffen es damit, die Luft absolut clean zu kriegen." Dazu sei es möglich, mit Sensoren die Beschaffenheit der Luft zu messen und dies auf dem Computerbildschirm zu verfolgen.

Plasma zerstört Moleküle

Wie das funktioniert? Herzstück des Ganzen, sagt Weigert, seien zwei Platten in dem Filter, die unter Hochspannung gesetzt würden. Zwischen den Platten bilde sich dann kaltes Plasma, ein völlig neuer Aggregatzustand also, weder fest noch flüssig. Dieses Plasma sprenge die Molekülketten der Aerosole und zerstöre diese damit. "Ein ganz großer Vorteil ist, dass bei dem Verfahren nichts übrig bleibt", sagt Weigert. Also keine Rückstände wie etwa Ozon.

Ursprünglich kommt das Verfahren aus der Küchentechnik. Es soll, etwa in Dunstabzugshauben, die bisherige Technik ersetzen, bei der die Luft durch Aktivkohlefilter gereinigt wird. Deren Nachteil laut Weigert: Der Filter verstopft mit der Zeit und muss ausgewechselt werden. "Unsere Firma Plasma Made hat hier einen gewissen Vorsprung", sagt Weigert, "einfach, weil wir schon lange an dem Thema dran sind". Auf die speziellen Verfahren hat die in den Niederlanden ansässige Firma mehrere Patente. Gefertigt werden die Filter, einschließlich der Elektrotechnik, in den Niederlanden, vertrieben von Bartholomä aus. Bisher in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Vor rund fünf Wochen habe Weigert das Robert-Koch-Institut angeschrieben. Seine Bitte: wissenschaftliche Tests, um die Wirksamkeit der Filter bei der Bekämpfung der Corona-Aerosole zu untersuchen. "Das Interesse war, vorsichtig gesagt, begrenzt", sagt Weigert. In den vergangenen Wochen habe er auch Politiker von Bund und Land angeschrieben, auch hier sei die Resonanz noch bescheiden. Dabei ist Weigert überzeugt, dass seine Filter in Schulen und Kindergärten gute Dienste leisten könnten.

Auch die Gastronomie könnte profitieren. "Hier muss niemand eine neue Lüftung für 30 000 Euro einbauen", meint Weigert. "Klar wollen wir letztlich auch Geld verdienen, doch das Ganze muss ja auch Sinn machen und realisierbar sein", sagt Weigert.

Das niederländische Tour-de-France-Team von Jumbo Visma lasse seine Räume mit den Filtern ausstatten, auch bei den Olympischen Spielen im nächsten Jahr sollen laut Weigert fast 600 der Filter für bessere Luft sorgen.

Das ZDF kommt auch vorbei

Die wissenschaftliche Begleitung habe der Mutterkonzern von der Technischen Universität Eindhoven bekommen, unterstützt von der KU Löwen und einer Uni in Österreich. In einem Fitnessstudio, wo die Aerosol-Belastung besonders hoch ist, sei die Wirksamkeit der Filter jetzt wissenschaftlich bestätigt worden. Diese Studie soll Ende August weltweit veröffentlicht werden. Vielleicht, das ist Weigerts Hoffnung, werden dann auch deutsche Politiker auf die Filter aufmerksam.

Die Medien jedenfalls geben sich schon fast die Klinke in die Hand in Bartholomä. Nach der Stuttgarter Zeitung hat sich für den Nachmittag das ZDF angekündigt. Der Beitrag soll am Montagabend in der Sendung "Wiso" ausgestrahlt werden.

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