Mit "Freile, Franz und Fränz": Dialekt und Musik für Jonas Hübner

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Jonas Hübner bei der Reittherapie auf dem Islandpferdehof Sörli in Elchingen auf dem Härtsfeld. Die Therapie soll dabei helfen, seine Muskeln und seinen Rumpf zu stabilisieren, was sich auch auf die Stimmbänder und die Sprache auswirke.
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Mögglinger Mundart-Duo „Freile, Franz“ ist zum Quartett geworden. Premiere ist am 6. Mai. Der Erlös ist für eine Reittherapie eines Jungen aus Bartholomä. Das ist die Geschichte dahinter.

Bartholomä

Die gute Nachricht zuerst: Mittlerweile ist Jonas Hübner fast sieben Jahre alt und sein Zustand vergleichsweise stabil. Das war nicht immer so. Jonas und seine Eltern Isabell und Heiko Hübner aus Bartholomä haben viel durchgemacht. Ein Notkaiserschnitt beendete die Zeit des Babys im Bauch seiner Mutter jäh und viel zu früh, wie die Eltern berichten. In der 29. Schwangerschaftswoche wog er nur 990 Gramm. Als plötzlich kein Fruchtwasser mehr da war und die Herztöne schlechter wurden, entschieden die Ärzte im Mutlanger Klinikum, ihn zu holen. Noch an seinem ersten Tag auf der Welt platzten Jonas beide Lungenflügel. In einer Operation wurde ihm der kleine Brustkorb geöffnet und eine Drainage, ein Schlauch zwischen Lunge und Brustwand, gelegt.

Herz und Lunge geschädigt

Dann habe sich gezeigt, dass auch der Herzmuskel geschädigt war. Die Ärzte hatten wenig Hoffnung. Sie verlegten den kleinen Jonas und seine Mutter nach Mannheim, wo beide ein viertel Jahr lang auf der Intensivstation und im Elternwohnheim untergebracht waren. Jonas kämpfte und durfte tatsächlich nach 138 Tagen das Krankenhaus verlassen und nach Hause.

Jonas‘ Zustand habe sich zwar verbessert, wie die Eltern erzählen. Er sei aber weiterhin Stammgast bei Ärzten und Therapeuten, da seine Entwicklung stark verzögert sei. Er könne sehen, leide jedoch an einem Nystagmus, unkontrollierbaren, rhythmischen Bewegungen des Auges. Das Laufen habe er auch erlernt, jedoch müsse er regelmäßig zur Krankengymnastik und in osteopathische Behandlung, um die Muskeln zu stärken und die Bewegungsstörungen abzubauen. Darüber hinaus gehe er wöchentlich in eine logopädische Behandlung, um die Sprache zu erlernen.

Reittherapie hilft

Isabell und Heiko Hübner hoffen sehr, dass ihr Sohn mit den Therapien seine Entwicklungsstörungen reduzieren oder gar ganz abbauen kann. Ein normales Leben führen. In die Schule gehen und später einen Beruf ergreifen.

Seine Krankengymnastin habe eine Reittherapie empfohlen. Diese stabilisiere seine Muskeln und seinen Rumpf, was sich auch auf die Stimmbänder und die Sprache auswirke. Seit einigen Jahren fahren die Hübners zwei Mal die Woche auf den Islandpferdehof Sörli in Elchingen auf dem Härtsfeld. „Schon nach den ersten Reitstunden haben wir positive Veränderungen und Fortschritte bei Jonas festgestellt“, erinnert sich Heiko Hübner. Finanziell sei das Ganze nicht ganz leicht zu schultern, weil diese Therapie nicht von der Krankenkasse übernommen werde. Vor zwei Jahren haben die Hübners deshalb vor Weihnachten in den sozialen Medien einen Spendenaufruf gestartet. Das sei ziemlich gut angekommen, berichtet Heiko Hübner. Und über ihre neue Nachbarin, Lissy Schmid, hat sich ein Kontakt zu einer Band aus der Region ergeben, die nur zu gern bereit ist, Jonas mit einem Benefizkonzert zu helfen: das berühmt-berüchtigte Mundart-Duo aus Mögglingen „Freile, Franz“.

Wobei, sagt Peter Wiedmann alias „Freile“, seien sie gar kein Duo mehr. Sondern ein Quartett. Freile und Franz und Andi und Sonja. Warum? Naja. Zwei Jahre Corona-Zwangspause und dann „einfach weiter so“? Kann man machen, muss man nicht, finden „Freile, Franz“. Die Welt habe sich weitergedreht und höre nicht auf damit. Jetzt gebe es da Andi Stangl als Bassisten, der einen neuen Klangteppich unter die Stücke lege und somit den Titeln einen völlig neuen Groove einverleibe. Und Sängerin Sonja Lietzenmayer aus Niederbayern verleihe dem Repertoire mit ihrer Stimme und dem Dialekt eine völlig neue Note. Denn klar: Dialekt bleibe weiterhin Thema, auch mit der südlichen Erweiterung Richtung Bayern und Österreich. Der Dialekt werde grenzüberschreitend angewandt, so die Musiker.

Die bisher von „Freile, Franz“ erwartbare „Comedy“ rücke etwas in den Hintergrund. Was nicht bedeute, dass nicht gelacht werden dürfe. Wer die Mögglinger kennt, weiß, wie spontan sie sein können ...

Konzert in Braighausen

„Wir öffnen eine neue musikalische Schublade und sind sehr gespannt, wie unsere Fans auf Freile, Franz und Fränz reagieren werden“, meint Peter Wiedmann. Umso schöner sei, das bei einem Benefizkonzert für Jonas erstmals einem Publikum zu präsentieren. Geplant ist das Konzert am Freitag, 6. Mai, in „Braighausen“ am Amalienhof. Inhaber Michael Schang stelle die Räume kostenlos zur Verfügung.

Konzerttermin und Kartenvorverkauf

Das Benefizkonzert von „Freile, Franz und Fränz“ für Jonas Hübner ist am Freitag, 6. Mai, in „Braighausen“ am Amalienhof in Bartholomä. Einlass ist ab 18.30 Uhr, Beginn um 20 Uhr. Die Veranstalter versprechen: „A g'scheits Veschber gibt's au.“

Karten für 15 Euro gibt's bei Getränke Fehleisen in Bartholomä, in der Rosenstein-Apotheke in Heubach und bei der Geschenk-Idee in Mögglingen, Telefonnummer (07174) 6238.

Das Duo „Freile, Franz“, alias Peter Wiedmann (Mitte) und Martin Knödler (rechts), ist jetzt ein Quartett und heißt „Freile, Franz und Fränz“, ergänzt um Andi Stangl am Bass und Sängerin Sonja Lietzenmayer.

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