Passt das „Stern“-Projekt nach Bartholomä?

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Ein Vorentwurf, wie eine spätere Bebauung in der Lauterburger Straße nach Angaben der Gemeinde aussehen könnte. Quelle: Gemeinde
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Kritik an der Größe des geplanten Gebäudekomplexes auf dem „Stern“-Areal an der Lauterburger Straße in Bartholomä. Was Bürgermeister Thomas Kuhn dazu sagt.

Bartholomä

Ein Seniorenpflegeheim mit betreutem Wohnen und einer Tagespflegeeinrichtung, Mehrgenerationenwohnen und ein Ärztehaus. Das soll auf dem Gelände des ehemaligen Gasthauses „Stern“ an der Lauterburger Straße in Bartholomä entstehen. Der Gemeinderat hat Ende Januar den Entwurf des Bebauungsplans Lauterburger Straße gebilligt. Bis 18. März lag das Werk zur Einsicht öffentlich aus.

Wolfgang Stützt hat es sich genau angeschaut. Er meint: „Anders als bei allen Ideen und Planungen der Vergangenheit wird jetzt von der Gemeinde ein an die Objektplanung angepasster Bebauungsplan erstellt.“ Mit 136 Seiten habe der Entwurf einen ordentlichen Umfang, was aber zu kurz komme, seien Ansichten und Skizzen, die verdeutlichten, was da geplant werde oder gebaut werden könnte. „Aus dem Lageplan sind Gebäudelängen von 52,5 Metern an der Südwestseite mit Traufhöhen von 10 bis 13 Metern und Firsthöhen von 11 bis 14 Metern mit minimalem Grenzabstand zum Nachbargrundstück ersichtlich“, so Stütz. Die dem Bärenberg oder Turnerheim zugewandte Seite bringe es auf 65 Meter Gebäudelänge mit 13 Meter Traufhöhe und 14 Meter Firsthöhe. „Wohnresidenz I, Wohnresidenz II, Junges Wohnen und Ärztehaus liest sich gut auf dem Plan, aber ist das auch verbindlich für die spätere Bebauung?“, fragt Stütz. Er meint: Was da aufgezeigt werde, passe womöglich gut in ein städtisches Umfeld. Er frage sich aber, ob ein „solch (...) massiver Gebäudekomplex auch in die ländliche Landschaft, in eine Gemeinde, deren Wohnbebauung sich überwiegend aus Ein- und Zweifamilienhäusern zusammensetzt,“ passe? Anzumerken sei auch, so Stütz, dass während der Bebauungsplan öffentlich auslag, die Baumreihe entlang der Grundstücksgrenze des Areals bereits gefällt und Bäume und Sträucher entfernt worden seien.

Bürgermeister Thomas Kuhn sagt auf Nachfrage: „Ich räume ein, dass das eine kompakte Bebauung ist.“ Es sei aber auch eine „in die Zukunft gerichtete Bebauung“. Wenn man sage, der Maßstab für Bartholomä sei das Einfamilienhaus mit Satteldach, dann passe das Projekt tatsächlich nicht. Kompaktes, komprimiertes Bauen sei, aus energetischen Gründen und um Baukosten zu sparen, zukunftsweisend. Das Projekt passe also, so gesehen, „wie sich Bartholomä entwickelt und wie die Zukunft die Maßgaben vorgibt“, so Kuhn.

Bedenken abwägen

Das ganze Vorhaben sei „im Fluss“. Bauen könne man nur mit einer Baugenehmigung. Zunächst brauche man einen Bebauungsplan. Sobald der Planer das Baurecht habe, könne der Investor rechtssicher planen. Rückblick: Am 30. September 2020 sei das Projekt in der TSV-Halle vorgestellt worden. In der Folge kamen bei der ersten Anhörung keine Einwendungen seitens der Bürgerinnen und Bürger, so Kuhn. Sein Eindruck sei da gewesen, dass viele Bartholomäer der Ansicht seien, ein Ärztehaus und betreutes Wohnen sei doch so wichtig, dass man „vielleicht auch neue und moderne Bauformen in Kauf nehme“, wohlwissend, dass dies eine neue Art von Gebäuden in Bartholomä sei.

Aktuell gehe man in die zweite Phase des Bebauungsplans. Nun gingen „Hinweise, Einwendungen und Bedenken ein, die natürlich im Gemeinderat zu behandeln und abzuwägen sind“, betont der Bürgermeister. Für die Gemeinde sei ein „ausgewogener Bebauungsplan“, gerade im Hinblick auf die Nachbarschaft, wichtig. Es gebe allerdings keinen Rechtsanspruch auf freie Sicht in Deutschland.

Die Kappung der Bäume und Sträucher bestätigt Kuhn. „Wenn man davon ausgeht, der Bebauungsplan kommt, dann müssen wir dazu die Nicht-Vegetationszeit nutzen.“ Genau das habe der Eigentümer getan. Dies sei in Absprache mit der unteren Naturschutzbehörde geschehen.

Wolfgang Stütz hat der Redaktion auch eine Visualisierung gesandt. Bürgermeister Kuhn meint auf Nachfrage dazu: „Das ist ein Stück weit schon eine Verunglimpfung der Planung.“ Diese grafische Darstellung sei „mitnichten“ eine offizielle Planung des Investors und habe mit einer „realistischen Sicht auf die Planung relativ wenig gemeinsam“.

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