Pferde und andere Großtiere retten

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Mit Hilfe der Drehleiter ziehen die Feuerwehrleute das Holzpferd aus dem Graben.

Feuerwehrleute aus der Verwaltungsgemeinschaft Rosenstein üben, Tiere aus Notlagen zu befreien, die schwerer sind als 100 Kilo und größer als ein Mensch.

Bartholomä

Großtierrettung hieß das Motto, zu dem Einsatzleiter Thorsten Sperrle die Feuerwehren der aus den Gemeinden Bartholomä, Heubach plus der Feuerwehrabteilung Lautern, Heuchlingen, Böbingen und Mögglingen bestehenden Verwaltungsgemeinschaft Rosenstein eingeladen hatte. Von jeder Feuerwehr waren coronabedingt nur drei Personen zugelassen, obwohl Sperrle die Ausbildung gerne breiter angelegt hätte. Denn Tierrettung nimmt einen immer größeren Raum bei den Feuerwehren ein. Zuletzt rettete die Lorcher Feuerwehr vergangene Woche in Waldhausen zwei Hunde aus einer brennenden Wohnung. Aber Hunde zählen nicht zu den Großtieren. Dazu gehören Tiere, die schwerer sind als 100 Kilo und größer als ein Mensch, sagte Sperrle. Das fängt beim Pony an und hört beim Rind nicht auf.

Als Ausbilder hatte sich Sperrle einen erfahrenen Tierretter aus Konstanz geholt: Bernd Metzger ist Leiter der einzigen Großtier-Ambulanz weit und breit. Er gründete 2006 den Verein "Tierrettung Südbaden" mit Sitz in Radolfzell, nachdem sein Hund verunglückt war und keiner wusste, wie das Tier befreit werden konnte. Inzwischen sind die im Verein organisierten Tierretter jährlich zu weit mehr als 1000 Einsätzen unterwegs.

Die Feuerwehr in Bartholomä will vorsorgen: "Für Bartholomä war der Rosstag Anlass für die Fortbildung", sagte Sperrle. Kaum einer wisse, wie im Unglücksfall zu handeln sei. Metzger hatte all die Gerät- und Seilschaften dabei, ein in einen Graben gestürztes Pferd zu retten. Dafür muss der eigens vom Bodensee herangeschleppte Schecke herhalten. Der ist aus Holz und hat daher die Ruhe weg. Aber immerhin ist er lebensgroß. Im Bartholomäer Industriegebiet wird der Dummy immer wieder positioniert und dann wird trainiert, dem Tier ein Netz um den Körper zu legen, an dem es aus dem Graben gezogen werden kann. Anschließend wird es mit dem Trecker herausgezogen, mit Kran und sogar mit der Drehleiter der Heuchlinger Feuerwehr herausgehoben. Bis alle Griffe sitzen.

Dabei lernen die Feuerwehrleute, dass sie sich im Gegensatz zur Menschenrettung Zeit lassen sollen. Ein Tier, das in Panik und Schmerz um sich schlägt, beißt, tritt, stößt, ist eine Gefahr für die Retter. Also, erst mal das Tier sich müde strampeln lassen, einen Tierarzt hinzuziehen, der notfalls ein Betäubungsmittel verabreicht, dann das Tier aus seiner Notlage befreien. Weil dabei Kenntnisse über die Anatomie und das Verhalten von Tieren hilfreich ist, hat Sperrle darauf geachtet, dass die teilnehmenden Feuerwehrleute Grundkenntnisse mit Tieren haben: Einige besitzen selbst Pferde, sind Hobbyreiter, Landwirte, auch ein Metzgermeister ist dabei: "So makaber es klingt, er kennt den Körperbau der Tiere am besten."

Immer wieder habe er beim Vorbeifahren an Tierzuchtbetrieben daran gedacht, wie vorgegangen werden müsse, wenn in einem der Gehöfte ein Feuer ausbreche, sagte Sperrle. In der Umgebung von Bartholomä gebe es etwa zwei größere Schweinezuchtbetriebe. Bei einem der Rosstage in der Vergangenheit habe sich ein Pferd in der Deichsel einer Kutsche verfangen. Rudi Schuster von der Heuchlinger Feuerwehr, der selbst Pferde besitzt, kam vor Jahren zu einem Unfall, bei dem ein Pferd frontal in ein Auto gerannt war. Der Autofahrer wurde eingeklemmt, das Tier kam dabei um.

Jetzt soll mit den Kommandanten der Verbandsfeuerwehren darüber nachgedacht werden, ob womöglich aus den 18 ausgebildeten Feuerwehrleuten eine Einsatzgruppe gebildet wird, die gezielt bei Unfällen mit großen Tieren gerufen wird und mit ihren speziellen Kenntnissen und darauf abgestimmten Einsatzmitteln schnell, gezielt und effizient helfen kann.

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