Wie überlebt der Musikverein Bartholomä?

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Sie wollen den Musikverein Bartholomä retten: Peter Egl, Dieter Wüst, Jasmin Kreisel, Bruno Bieser und Thomas Kuhn.
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Kaum Nachwuchs, sinkende Mitgliederzahlen, kein Vorstandsteam: Wie sich der Musikverein Bartholomä für die Zukunft rüsten will und wer helfen kann.

Bartholomä

Es war ganz knapp. Der Musikverein Bartholomä stand kurz vor der Auflösung. Noch immer ist die Situation kritisch. Aber es gibt Menschen, die daran arbeiten. Es soll aufwärtsgehen. Mit neuen Konzepten, neuen Ideen, neuen Personen. So der Tenor beim Pressegespräch am Donnerstag im Bartholomäer Rathaus.

Die Ausgangslage

Bürgermeister Thomas Kuhn berichte, dass der Musikverein Sorge bereite. „Sukzessive ist es in den vergangenen Jahren immer schlechter um den Verein bestellt“, so Kuhn. Es gebe mehrere Baustellen. Die Jugendarbeit funktioniere nicht mehr. Die Zahl der aktiven Musiker habe abgenommen, so dass Auftritte nur noch mit Gastmusikern möglich waren. Und Funktionsträger haben ihre Ämter abgegeben, so dass es kein Vorstandsteam mehr gibt. In der jüngsten Hauptversammlung sei gar die mögliche Auflösung des Musikvereins auf der Tagesordnung gewesen.

Der Macher

Auflösung? Geht gar nicht, findet Petr Egl. Der Vollblutmusiker war bei besagter Hauptversammlung dabei. Schon alleine die Körpersprache der Beteiligten sei deprimierend gewesen, erinnert sich Egl. Dabei seien die Bartholomäer doch „Kämpfertypen“.

Peter Egl erzählt, er sei mit dem Musikverein groß geworden. Der wurde 1953 gegründet, Egl 1958 als Sohn eines Gründungsmitglieds geboren. Mit sechs Jahren begann er Trompete zu spielen, mit neun war er aktives Mitglied im Orchester. „Damals gab es ja keine Jugendkapelle“, erinnert er sich. Als Jugendlicher hat er als Solist erste Preise gewonnen, er war jüngster Ausbilder im Verein und gründete die erste Jugendband und die erste Jugendkapelle des Musikvereins Bartholomä. Er wurde Berufsmusiker und gehörte dem Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr an. Er studierte Musik und ist staatlich geprüfter Musiklehrer. Zudem hat er spezielle Qualifikationen für die musikalische Ausbildung von Kindern und Jugendlichen. Seit 2003 leitet er seine eigene „Musikschule Peter Egl“ in Ebersbach. Zum Musikverein Bartholomä habe er noch immer eine starke Bindung. Deshalb habe er sich bereit erklärt, als Projektleiter eines „Zukunfts-Teams“ das Überleben des Vereins zu sichern.

Die Hoffnung

Peter Egl betont, er wolle keinem Einzelnen die Schuld an der jetzigen Situation geben. Dennoch gelte es nun, neue Strukturen aufzubauen. Es gebe ja Dinge, die gut laufen, etwa das „Frosch-Orchester“ der Kindergartenkinder oder die Rhythmusgruppe der Grundschüler unter der Leitung von Petra Baßler. Egl möchte eine Bläserklasse etablieren und eine Jugendkapelle. Darüber müsse es ein aktives Orchester geben, bei dem alle jungen Mitglieder sagen: „Da will ich hin!“, sagt Peter Egl. Dafür müsse man jetzt arbeiten und um Vertrauen werben. Sogar die Schwierigkeiten, die mit Corona einhergehen, könnten eine Chance sein: „Da kann man kreativ sein, ganz Neues, vielleicht Verrücktes, ausprobieren.“ Der Musikverein solle jetzt das Signal senden: „Wir fangen neu an.“ Das könne eine große Chance sein, etwa auch für junge Dirigenten in der Region, die sich hier mit eigenen Ideen einbringen könnten. Peter Egl möchte auch verstärkt den Kontakt zu anderen musikalischen Gruppen suchen, etwa den beiden Guggen im Dorf oder dem Posaunenchor. „Wir müssen als Musikverein auch mal sagen können: 'Wir sind auf eure Hilfe angewiesen'.“

Das bestätigt Bruno Bieser, von Bürgermeister Kuhn als „Patron“ des Musikvereins vorgestellt und sich selbst als Mitglied des Fanclubs bezeichnend: Ob als aktiver Musiker, als Funktionär im Vorstand oder als Fördermitglied, „jeder kann etwas tun“, wirbt er um Unterstützung.

Die Zukunft

Nach dem Vorschlag Peter Egls haben sich fünf Zukunfts-Teams gebildet. Diese sollen sich regelmäßig treffen. Sie widmen sich den Themen Vorstandssuche, Jugendarbeit, Öffentlichkeitsarbeit, Zukunftsvision und musikalische Präsentation.

Für Bürgermeister Thomas Kuhn ist klar: „Jede Gemeinschaft braucht Musik und Kultur. Wenn die Musik stirbt, stirbt vieles andere auch. Der Musikverein Bartholomä darf nicht sterben“.

Kommentar von David Wagner:

Jetzt sind alle gefordert!

Zu einem Festle in der Gemeinde gehört Musik. Und die kommt, klar, vom Musikverein. Selbstverständlich? Leider nicht.

Es braucht Menschen, die den Verein tragen. Wenn Ideen und Konzepte fehlen, wenn der Spaß verloren geht, gehen die Mitglieder. Der Musikvereins Bartholomä hat das erkannt. Spät, vielleicht nicht zu spät. Jetzt geht er mit Hilfe eines hochmotivierten Peter Egl seine Probleme an.

Und zwar mit doppelt bemerkenswerter Offenheit. Die Verantwortlichen legen schonungslos offen, wo es in der Vergangenheit klemmte. Das verdient Respekt und Anerkennung. Zum anderen zeigen sie sich offen für neue Konzepte und frische Ideen. Allerdings: Es braucht neue Mitglieder, um das mit Leben zu füllen. Alle Bürgerinnen und Bürger in Bartholomä sind jetzt gefordert. Es geht um ihren Musikverein. Wenn sie sich nicht engagieren, macht es niemand. Und dann gibt es, eher früher als später, keinen Musikverein mehr.

David Wagner

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