Bauern beklagen Verordnungswut

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Einblicke in die "Verordnungsflut" brachten Hubertus und Rosa Holtz vom Holz-Hof in Bartholomä. Neben Ackerbau und Biogasanlage betreiben sie eine Mastschweinhaltung. 700 Tiere werden hier nach der deutschen Tierschutzbundhaltung gehalten.

Landwirte diskutieren mit Mitgliedern der Bauernverbände und Politikern verschiedener Parteien über ihre Nöte, Wünsche und Sorgen.

Bartholomä/Essingen

Was treibt die Landwirte um? Zu Betriebsbesichtigungen in Bartholomä, Essingen und Böhmenkirch hatten die Bauernverbände Göppingen, Heidenheim und Aalen Abgeordnete unterschiedlicher Parteien eingeladen, "um einige kursierende Fehlinformationen wieder ins rechte Licht zu rücken", meinte der stellvertretende Vorsitzende Anton Schneider vom Bauernverband Ostalb-Heidenheim. Sechs Jahre dauere die Ausbildung, bevor eine Betriebsübernahme durch Jungbauern oder Jungbäuerinnen erfolgen könne. Die Hürden, vor die diese Menschen gestellt würden, seien immens. Die Umsetzungen unzähliger Verordnungen seien nahezu kaum zu verwirklichen, mahnte Schneider an.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter regte an, hier müsse die Ausbildung entsprechend angepasst werden. Dies sei nicht umsetzbar, der schnelllebige Verordnungswandel in der Landwirtschaft mache viele Vorschriften und Verordnungen schnell zu "Schnee von gestern".

Bevor Verordnungen verabschiedet werden, gebe es Anhörungen der Verbände, informierte der Grüne-Landtagsabgeordnete Martin Grath. Bei diesen Anhörungen vermisse er die Verbände. Dem widersprach Schneider, die Verbände seien anwesend, aber machtlos. Johannes Strauß vom Kreisbauernverband Göppingen setzte hinzu, "anhören ist etwas anderes als erhören".

Einblicke in die Verordnungsflut brachten Hubertus und Rosa Holz vom Holz-Hof in Bartholomä. Neben Ackerbau und Biogasanlage betreiben sie eine Mastschweinhaltung. 700 Tiere werden hier nach der deutschen Tierschutzbundhaltung gehalten. Die Tiere leben in Offenställen mit Stroh als Untergrund und mit Auslauf. Diese Haltung sei aufwendig und verteure die Fleischproduktion. Den Tierhaltern werden "die größten Hürden auferlegt", die vielen günstige Produkte aus dem Ausland verdrängen die deutschen Sauen mehr und mehr vom Markt. Hinzu kämen Verordnungen bei der Haltung, die Umbaumaßnahmen erfordern – in der Landwirtschaft seien aber Investitionen auf lange Jahre zu sehen, wenn getätigte Investitionen keine Legislaturperiode gültig seien, erschwere dies den Landwirten das Leben zusätzlich.

Praxis rückt in den Hintergrund

Auch die kommende Düngeverordnung liegt Hubertus Holz auf der Seele. Fast wöchentlich kämen neue Verordnungen auf die Landwirte zu, viele davon seien kaum umsetzbar. Die Zeiten, in denen die Gülle ausgefahren werden darf, seien nicht mehr zeitgemäß, der vorgeschriebene Behälterbau für Gülle sei zudem "horrend teuer". Kreisvorsitzender Hermann Färber tadelte, Baden Württemberg habe bundesweit die höchsten Standards in der Güllelagerung, trotzdem bekämen nun die Landwirte "eine ins Genick". Viele Verordnungen würde von fachfremden Bearbeitern entworfen, prangerte Holz an.

Mit derselben Verordnungsflut hat Albrecht Taxis auf seinem Hof zu kämpfen. Der Familienbetrieb in Bartholomä gehört zur Gemarkung Essingen, Familie Taxis hat sich auf die Anpflanzung von Kartoffeln und die Saatgetreidevermehrung spezialisiert. Die Dokumentationspflicht bei Pflanzenschutz, Düngeverordnung und anderen Fachgebieten stelle zwischenzeitlich einen enormen zeitlichen Aufwand dar. Ein gewisses Maß an Dokumentation sei nötig, mit der Zeit werde aber die fachliche Praxis in den Hintergrund gedrängt.

Schuld am Insektensterben?

Den politischen Besuch nahm Taxis zum Anlass mit der "irrigen Meinung", die Landwirte seien an Insektenschwund schuld, aufzuräumen. Chemische Mittel zum Pflanzenschutz seien nötig, aber unter dem Motto "so viel wie nötig, so wenig wie möglich". "Wir Landwirte arbeiten mit und nicht gegen die Natur, mahnte Taxis an." Die Fehler und Versäumnisse von Industrie und Politik würden auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen, klagte Strauß und führte als Beispiel den Skandal über die Rinderseuche BSE an. Diese sei auf eine unsachgemäße Herstellung von Tierfutter zurückzuführen, für dieses Versäumnis hätten die Landwirte als "Bauernopfer", mit noch höheren Auflagen und einem Vertrauensverlust der Verbraucher bezahlen müssen.

Fakten zu Landwirtschaft, Nutztierhaltung und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln könnten bereits in der Schule den Kinder näher gebracht werden, meinte die Bewerberin um die Nominierung als Gmünder CDU-Landtagskandidatin, Daniela Dinser. Der Kandidat der SPD, Jakob Unrath, war der Ansicht, "die Entscheidung, wie viel jeder für regionale Produkte bezahlen möchte, fällt an der Fleischtheke".

Einblicke in die "Verordnungsflut" brachten Hubertus und Rosa Holz vom Holz-Hof in Bartholomä. Neben Ackerbau und Biogasanlage betreiben sie eine Mastschweinhaltung. 700 Tiere werden hier nach der deutschen Tierschutzbundhaltung gehalten.
Viele Infos gab's auch bei Albrecht Taxis. Der Familienbetrieb in Bartholomä gehört zur Gemarkung Essingen und hat sich auf Kartoffeln und Saatgetreidevermehrung spezialisiert.

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