Böbingen leuchtet für den Frieden

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Böbingen Mahnwache
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Geschätzt vier- bis fünfhundert Menschen setzen am Donnerstagabend im Böbinger Park am alten Bahndamm ein Zeichen gegen den Krieg und für Solidarität mit der Ukraine.

Böbingen

Kerzen, Teelichte in Gläsern, leuchtende Smartphones: Viele der Teilnehmenden hatten am Donnerstagabend Lichter dabei. Geschätzt vier- bis fünfhundert Menschen wollten im Park am alten Bahndamm ein Zeichen setzen. Gegen den Krieg Russlands. Für Solidarität. Für Frieden.

Vom Rewe-Parkplatz zog die Mahnwache, angeführt von den Fahnenträgern der Feuerwehr, durch den dunklen Park bis zum erleuchteten „Seniorendeck“ in der Nähe des Seniorenzentrums. Hier sprach Böbingens Bürgermeister, hier baten die Geistlichen dreier Konfessionen um göttlichen Beistand, hier beteten die Teilnehmenden gemeinsam das „Vater unser“.

Europa habe genug Leid und Verderben gesehen – deswegen stünden wir, auch vor dem Hintergrund unserer eigenen Geschichte, mit ganzem Herzen an der Seite jener, die unter dem Krieg zu leiden haben, wie Jürgen Stempfle sagte. „Auch Böbingen, Heubach, Mögglingen Bartholomä und Heuchlingen stehen für Frieden.“ Es seien dunkle Tage, da Krieg wieder Einzug in Europa gehalten habe. „Auch ich ganz persönlich habe dies nicht für möglich gehalten“, so der Bürgermeister. Diese „völkerrechtswidrige Attacke“ bringe Leid und Zerstörung. Millionen Menschen seien auf der Flucht, vorwiegend Frauen und Kinder, während die Männer zur Verteidigung ihres Vaterlandes eingezogen würden. „In solchen Tagen werden die alltäglichen Probleme klein und bisher Selbstverständliches wird zum Privileg“, sagte Stempfle und zitierte den ehemaligen SPD-Bundeskanzler Willy Brandt: „Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.“

Es sei wahrscheinlich nur eine Frage von Tagen, so Stempfle, bis Kiew falle. Das Leben des demokratisch gewählten Präsidenten sei in Gefahr, in der ganzen Ukraine drohe Völkermord. „Wenn mitten in Europa Panzer rollen, Raketen in Gang gesetzt werden, Bomben fallen und Menschen sterben, darf uns das nicht kalt lassen. Deshalb sind wir heute mit unseren Gedanken bei den Menschen in der Ukraine. Ihnen gilt in diesen schweren Stunden unsere Solidarität.“ Krieg könne nie eine Lösung sein, betonte Stempfle. „Wir unterstützen deshalb alle Bemühungen der Bundesregierung und der Europäischen Union, Krieg und Gewalt zu beenden.“ Dazu gehörten gewaltfreie, aber politisch wirksame Sanktionen. Es müsse künftig aber auch das Ziel sein, sich nicht mehr von Energieimporten nur eines Staates abhängig zu machen. Der heutige Appell richte sich daher ausdrücklich an Präsident Putin: „Stoppen Sie sofort alle kriegerischen Handlungen und ziehen Sie sich vollständig aus der Ukraine zurück“, rief Stempfle. In den nächsten Wochen und Monaten müssten auf Worte Taten folgen. Stempfle bat darum, Aufrufen zu folgen und Geflüchteten Wohnraum anzubieten.

P. Joji Mathew wandte sich den „Gott des Friedens“, der Hoffnung schenken könne. Pfarrerin Margot Neuffer verwies darauf, wie zerbrechlich unsere Sicherheit sei, werde sie attackiert von „wahnsinnig gewordener Machtgier“. Samuel Ewert von der Freikirche rief in Erinnerung, dass heute Nacht, in der wir schliefen, Menschen gestorben seien, als wir hier bei unseren Familien waren, dort Familien auseinandergerissen wurden.

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Böbinger Mahnwache am Donnerstag.
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