B29-Tunnel: Böbingen startet mit einem Ideenwettbewerb

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Wie sieht Böbingen in 15 Jahren aus?
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Erste Überlegungen, wie mit der Fläche über den künftigen B29-Tunnel umgegangen werden soll. Fachleute sollen Vorschläge erarbeiten.

Böbingen. Wie sieht die Gemeinde Böbingen in 15 Jahren aus, dann, wenn der Tunnel gebaut, wenn die Barriere mitten im Ort aus dem Weg geräumt ist? Noch klingt das nach Zukunftsmusik, erst in zehn bis zwölf Jahren dürfte es so weit sein. Kein Grund, einfach abzuwarten. Bürgermeister Jürgen Stempfle will nichts dem Zufall überlassen. „Wir werden in der zweiten Jahreshälfte einen Ideenwettbewerb für Städteplaner ausschreiben, um Vorschläge dafür zu erhalten“, sagt er. Im nächsten Jahr sollte das Ergebnis vorliegen. „Dann werden wir den Bürgern die besten Lösungen vorlegen, mit ihnen diskutieren.“ Sie sollen wie der Gemeinderat sagen, was sie gut finden, was sie weniger gut finden. Eigene Wünsche oder konkrete Bauvorhaben? Jürgen Stempfle winkt ab, möchte den Planern keine Vorgaben in den Weg legen und ihnen freie Hand lassen. 

Und darum geht es: Wenn der Tunnel gebaut ist, kann die Gemeinde eine rund 20 Meter breite und bis zu 300 Meter lange Fläche neu gestalten. Dort, wo jetzt 20 000 Autos am Tag fahren, wo Ampeln den Verkehr regeln, soll der Ort zusammenwachsen. Immerhin ist Böbingen die einzige Gemeinde an der B29 zwischen Stuttgart und der A7, die so durch ein Fernverkehrsstraße durchschnitten wird. „Grundsätzlich haben wir in dieser Mitte Potenziale, wo sich die Gemeinde weiter entwickeln kann“, sagt der Bürgermeister. Einen groben Rahmen kann sich Jürgen Stempfle vorstellen. Der Raum könnte  verkehrsberuhigter gestaltet werden und er müsse „attraktiv für die Menschen sein, um sich begegnen zu können“.  Wie die Rosensteinstraße, der Hauptverbindungsweg zwischen den (noch) zwei Ortsteilen gestaltet werden kann, wie Hauptstraße und Klotzbachstraße geführt werden, das sei noch alles offen. Die Frage, wie weit Wohnbebauung eine Rolle spielt, könnten zunächst die Teilnehmer des Ideenwettbewerbs beantworten.

Wo ist die Ortsmitte?

Dass die B29 die Gemeinde künftig nicht mehr teilen soll, das schätzt auch der Vorsitzende des Handels- und Gewerbevereins, Hans Schaile.  Die Ortsmitte sieht er eher zwischen Rathaus, Rewe und Park am alten Bahndamm. Ein neuer Ortsmittelpunkt sei deshalb  nicht unbedingt nötig. Wie sich die Veränderung auf Handel und Gewerbe auswirken wird, lasse sich heute noch nicht sagen. Von Geschäften der Grundversorgung abgesehen, habe der Handel heute ohnehin einen schweren Stand. Wie sich das in mehr als zehn Jahren entwickle, sei offen. Stationärer Handel komme schon jetzt ohne Online-Sparte nicht mehr aus. Bei größeren Anschaffungen zähle natürlich der Service eines Fachgeschäft. „Aber wer nur ein T-Shirt braucht, fährt dazu nicht mehr weit weg.“  Dennoch werde man im HGV die Entwicklung der Gemeinde beobachten und darüber diskutieren. Hans Schaile rechnet auch damit, dass sich der Verkehr, wie von der Politik gewollt, in dieser Zeit verändern wird. Die Umstellung auf Elektromobilität spiele dabei eine Rolle wie die Frage, wie sich der Individualverkehr entwickeln wird.

Ob mehr oder weniger Verkehr, für die Feuerwehr geht es vor allem um die Frage, wie sie auf den Tunnelbau antworten muss. Kommandant Dominik Ebert hat die Veränderungen im Blick, „aber konkrete Entscheidungen müssen wir jetzt noch nicht treffen“. Allerdings habe der Tunnel-Baubeschluss schon bei den jüngsten Fahrzeugbeschaffungen eine Rolle gespielt.  So habe man sich vor dem Kauf des neuen Tanklöschfahrzeugs informiert, ob das mit dem Tunnel kompatibel ist. Auch bei weiteren Anschaffungen sei das ein Thema. Immerhin haben Feuerwehrfahrzeuge oft eine Lebensdauer von mehr als 30 Jahren. Ob spezielles Gerät nötig wird, lasse sich heute noch nicht sagen. Ein 300-Meter-Tunnel stelle nicht die selben Anforderungen wie der Einhorntunnel mit 2,5 Kilometern Länge. Was  Dominik Ebert besonders schätzt: die Erweiterung des Feuerwehrhauses. Die Raumreserven seien damit geschaffen. 

Wie andere Gemeinden mit der Frage der Platzgestaltung über einem Tunnel umgegangen sind, darüber habe sich die Mitglieder des Aktionsbündnis Böbinger Tunnel“ schon mehr als  zwei Jahren Anregungen geholt: in Dußlingen, wo die B27 auf dieselbe Weise unter einen Deckel gekommen ist, wurden eine Bürgerbegegnungsstätte geschaffen, ein Spielplatz und eine Grünfläche angelegt.

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