Böbinger Projekt Sommerrain-West bleibt umstritten

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So soll die Bebauung mit den vier Mehrfamilienhäusern im Böbinger Sommerrain-West nach derzeitigem Stand aussehen. Hinten links der Park-and-Ride-Parkplatz beim Bahnhof. Quelle:Gemeinde Böbingen
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Gemeinde Böbingen, Ingenieure von LK&P sowie Investor versuchen, Anlieger zu überzeugen.

Böbingen. Mehr als zweieinhalb Stunden war die geplante Bebauung mit vier Mehrfamilienhäusern neben Haagweg und Sommerrain Thema bei einer Anliegerversammlung in der Böbinger Römerhalle. Die Gemeinde, der Projektträger und die Ingenieure von LK&P diskutierten mit den Nachbarn.

Die Ausgangslage:

Bürgermeister Jürgen Stempfle erläuterte, dass das Gebiet laut Flächennutzungsplan als potenzielle Wohnfläche ausgewiesen sei. Im Jahr 2019 habe der Gemeinderat den Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan gefasst und damit eine Reihe von Untersuchungen in Auftrag gegeben. Im Oktober 2019 sei die Bebauung mit Mehrfamilienhäusern beschlossen worden, für die Umsetzung sei ein Investor, nämlich „Immo Lichtenwald“, übriggeblieben. Bei der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans hätten Anlieger Einwände erhoben. Kommenden Montag, 25. Oktober, ist es am Gemeinderat, über diese zu beraten, abzuwägen und dann den Beschluss zu fassen. Weil ihm Bürgerbeteiligung ein „großes Anliegen“ sei, so Stempfle, habe die Gemeinde noch vor dieser Gemeinderatssitzung zu dieser Anliegerversammlung geladen.

Der Projektträger

Verwirklichen will die vier Mehrfamilienhäuser „Immo Lichtenwald“. Karl Schotzko erläuterte, dass diese Wohnbaugesellschaft hervorgegangen sei aus der „Immo Mögglingen“. Er selbst sei als Mögglinger „nah dran und persönlich eng mit der Region verwurzelt“. Die Anlieger Joachim Stehle und Reinhold Burr bezweifelten die Eignung der Firma, verwiesen auf die ihrer Ansicht nach schwierige Topographie und den Baugrund und fragten: „Ist das nicht eine Nummer zu groß für Sie?“ Zudem sei laut dem Baugrundgutachten, das die Gemeinde in Auftrag gegeben habe, der Bau sehr teuer und die Gefahr, dass die benachbarten Gebäude durch Absenkungen beschädigt würden, groß. Die Firma selbst sei zwar noch relativ jung, antwortete Schotzko, was aber nicht bedeute, dass man „blauäugig in irgendwas reingehe“ und keine Erfahrung habe. Er verwies auf den fertigen Bau des eigenen Firmengebäudes und ein Mehrfamilienhaus in Fichtenberg, das im April 2022 fertig sein soll. Finanziell sei das Projekt „auf jeden Fall abgesichert“, meinte Schotzko und betonte: „Wir haben kein Problem, das durchzuziehen.“

Der Baugrund

Die Anlieger hatten verschiedene Einwände vorgebracht, auf die Stefan Kalmus von LK&P einging. Etwa die Belastung mit Arsen. „Gewisse Böden haben naturgemäß Spuren von Arsen“, so Kalmus. Die Belastung läge aber weit unter dem rechtlichen Grenzwert. Der Baugrund aus potenziell instabilem Knollenmergel erfordere eben besondere Maßnahmen, was aber für die beteiligten Ingenieure nichts Neues sei. Um etwaige Schäden an den Nachbarhäusern konkret auf die Bebauung zurückführen zu können, rät Kalmus dazu, einen städtebaulichen Vertrag zwischen der Gemeinde und dem Investor zu schließen. Dafür sollen Spezialisten die Nachbargebäude genau überprüfen (Stichwort „Beweissicherung“) und vor Baubeginn Erschütterungsmessungen durchführen.

Joachim Stehle gab seiner Verwunderung Ausdruck, warum seit Mittwoch ein „neues Gutachten“ vorliege. „Ist der Knollenmergel jetzt nach Iggingen gewandert? Ist da ein Zauberer gekommen?“ Stempfle betonte: „Ich trickse nicht! Wir arbeiten professionell.“ Er bestätigte aber, dass, auf seine Veranlassung hin, die Ingenieure die von den Nachbarn kritisierten Punkte nochmals genauer untersucht hätten. „Und damit schöngeredet“, meinte Stehle. Er solle keine „Halbwahrheiten“ verbreiten, meinte Kalmus dazu. Er zitiere doch nur aus Gutachten, konterte Stehle. Jedenfalls gebe es „kein neues Gutachten“, betonte Kalmus. Die kritisierten Punkte, etwa Knollenmergel und Arsen, seien nur nochmals betrachtet und „in einem anderen Jargon“ aufgeschrieben worden.

Verkehr

Die Anlieger äußerten „große Bedenken“, dass die Erschließung über den Haagweg, der ohnehin jetzt schon durch Absenkungen in keinem guten Zustand sei, ohne weitere Schäden gelinge könne. Auch hier riet Kalmus zur Beweissicherung. „Im Zweifel muss der, der den Schaden verursacht hat, zivilrechtlich dafür aufkommen“, so Kalmus. Stempfle ergänzte, dass das Baugebiet Bietwang Nord über die Schönhardter Straße erschlossen worden sei. Diese sei in einem viel schlechteren Zustand gewesen als der Haagweg jetzt und es habe funktioniert.

Gebäudehöhen

Kalmus betonte, den Planern sei bewusst, dass man sich hier in einem „Spannungsfeld“ bewege. Deshalb hätten sich die Ingenieure die Firsthöhen der Nachbargebäude genau angeschaut und die Neubauten bewusst unterschiedlich hoch geplant. Das Haus, das den Nachbarn am nächsten sei, sei deswegen in „Größe und Volumina angepasst“ worden. Damit konnte er die Anlieger nicht überzeugen, die auch auf den Schattenwurf hinwiesen.

Kalmus konstatierte: „Das Baurecht kennt kein Recht auf Sonne.“

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