Eine Fertigteil-Lösung für den Naturschutz

+
Böbingen Klotzbachbrücke beim Bresselhof
  • schließen

Die Klotzbachbrücke beim Bressel-Hof in Böbingen wird 2023 erneuert.

Böbingen. Seit 1910 nutzen Fußgänger, Radler und Landwirte die Klotzbachbrücke beim Milchhäusle nahe des Bressel-Hofs in Böbingen. Die Brücken-Hauptprüfung hat aber ergeben, dass diese Brücke „kurzfristig zu erneuern ist“, erinnerte Bürgermeister Jürgen Stempfle in der Gemeinderatssitzung.

In den Ausführungen von Ricky Winter vom Mutlanger Büro LK&P-Ingenieure zeigte sich deutlich, wie aufwendig das Planungs- und Genehmigungsverfahren für dieses Unterfangen ist. Denn die Brücke führt nicht nur über ein Gewässer, sondern liegt auch nahe an Biotopen. „Keine ganz einfache Abstimmung“, verwies der Planer auf die Behörden. Fakt ist, dass die Brücke dringend erneuert werden muss, etwa aufgrund von großen Rissen. „Der Zustand ist sehr schlecht“, beschrieb er. Und verwies unter anderem darauf, dass die landwirtschaftlichen Fahrzeuge im Vergleich zum Jahr 1910 heute deutlich schwerer sind. „Die Brücke ist einfach nicht für heutige Zeiten ausgelegt.“

Kurzes Zeitfenster

Vieles gilt es zu beachten bei der Erneuerung. Etwa die Laich- und Schonzeiten. Sie beengen das Aktionsfenster für Bauarbeiten auf September und Oktober. „Das schränkt uns sehr ein“, informierte Winter. Daher habe man sich für die zeitsparende Ausführung mit Fertigteilen entschieden. Es werden also insgesamt 14 vorgefertigte Teile von einem Tieflader geliefert und binnen vier Wochen – „wenn sich die Baufirma ranhält“ – ein- und aufgebaut. Der Standort der Brücke bleibt, auch die Fahrbahnbreite von 3,50 Metern. Das Geländer jedoch ist auf 1,40 Meter zu erhöhen. Dies sei Vorgabe wegen der Nutzung durch Radfahrer.

Während der Bauzeit wird der Bach umgeleitet. Solesubstrat, das wertvollen Lebensraum für Mikroorganismen bietet, wird nach Vorgabe des Naturschutzes herausgenommen und wieder eingesetzt. Die Biotope auf beiden Böschungsseiten werden durch einen Bauzaun geschützt.

Ursprünglich hatte man mit Kosten von rund 263 000 Euro gerechnet. „Aber die Preise am Bau explodieren“, erklärte Ricky Winter. „Wir beobachten den Markt“, versicherte er. Hinzu kommen lange Lieferzeiten für die Fertigteillösung: „14 bis 16 Wochen.“

Verschiebung auf 2023

So schlug Winter vor, die Bauzeit von 2022 auf 2023 zu verschieben und zwischen September und November 2023 zu agieren. Otto Betz erkundigte sich, ob sich dies schädlich auf den Zuschuss von rund 50 Prozent auswirke, was verneint wurde. Die Gemeinderäte einigten sich darauf, die Ausschreibung bereits zu Beginn 2023 vornehmen zu lassen.

Ingenieur Ralph Menz, ebenfalls von LK&P, ging auf den neuen Allgemeinen Kanalisationsplan, AKP, ein. Dieser soll für die nächsten 50 Jahre festgezurrt werden und auch Entwicklungspotenzial für Wohnbau beinhalten. Da sich Niederschlagsereignisse, Versiegelungsgrad und Wohnbau in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert haben, berücksichtigt der neue AKP diese Eckpunkte. Lob gab es für den Vorgänger-AKP von 1986. „An den halten wir uns bis heute“, freute sich Stempfle über Mut und Weitsicht von damals.

Entwicklungsflächen der Zukunft sollen bald erörtert werden. Aktuell ist die Kanalisation in Böbingen so ausgelegt, dass kein Handlungsbedarf vorliegt. Die Kapazität, Abwasser aufzunehmen, ist vorhanden.

Das alte Feuerwehrfahrzeug 8/18 wird im Internet zum Kauf angeboten. Das neue Ersatzfahrzeug wird beim Lichterfest getauft. Anja Jantschik

Zurück zur Übersicht: Böbingen

Mehr zum Thema

Kommentare