Energiekrise: Bei Pellets ist noch Luft drin

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Da geht noch was: Nur ein Drittel der Sägeabfälle werden im Ostalbkreis zu Pellets verarbeitet.
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Alternativen zu Öl und Gas oft nicht für jeden Haushalt geeignet. Beim Energiekompetenzzentrum häufen sich Anfragen nach Beratung.

Böbingen

Die Preise für Öl und Gas steigen in bisher nicht vorstellbare Höhen. Nicht wenige Haushalte denken schon mit Sorgen an den nächsten Winter, an die finanziellen Herausforderungen durch steigende Energiepreise, an die Versorgungssicherheit. Das  Energie-Kompetenzzentrum Ostalb übernimmt einmal mehr die Rolle eines Seismographen, wenn sich die Lage zuspitzt. „In solchen Situationen werden wir mit Anfragen überhäuft“, weiß Geschäftsführer Ralf Bodamer. Zuletzt sei das bei der Absage an die Förderung der KfW55-Gebäude der Fall gewesen. „Da war hier der Teufel los“, sagt er.  Die Ungewissheit, wie es mit den Energieträgern weitergeht, sorgt bei den Menschen für Beratungsbedarf.   „Die Wartezeit kann aktuell durchaus vier bis sechs Wochen betragen.“  Dafür nehmen sich die Beraterinnen und Berater -  das sind auch Astrid Kloos und Helmut Kaltenmark – Zeit für eine erste Analyse und ein persönliches Gespräch. In einer Stunde wissen die Ratsuchenden, wie es für sie weitergehen kann.

Die häufigste Situation: Die Menschen möchten weg von Öl oder Gas. „Das ist oft nicht so einfach“, weiß Helmut Kaltenmark. Die Alternativen eignen sich nicht für jedes Gebäude und  „die Auswahl ist nicht so riesig“. Heizen mit der Wärmepumpe bleibe für viele    ein Traum. Wirtschaftlich nur möglich bei einem gedämmten Gebäude und einer Anlage mit niedriger Vorlauftemperatur, bei 45 Grad ist wohl das Ende der Fahnenstange erreicht. Da kommt meist nur die Fußbodenheizung in Frage.

Ralf Bodamer gibt   zu bedenken, dass Heizen mit Strom für alle noch nicht in Sicht ist. Baden-Württemberg sei ein Strom-Importland, durch die Anreize für die Elektromobilität brauche man zusätzlich elektrische Energie.  Und direktes Heizen mit der eigenen Photovoltaikanlage auf dem Dach ist überhaupt nicht möglich. „Solche Anlagen liefern nur den Bruchteil der benötigten Energie“, sagt Helmut Kaltenmark. Die Alternative sieht er in einer Heizung mit Pellets oder Hackschnitzel. Aber auch da müssten die baulichen Voraussetzungen stimmen. So sei ein entsprechender Vorratsraum nötig.

Und nicht immer gibt es nur die eine richtige Lösung. Was tun, wenn nur der Gasbetrieb möglich ist? Da könnte ein zusätzlicher Holzofen von Vorteil sein. „Der erfüllt, wie die Pelletheizung, alle gesetzlichen Anforderungen, einschließlich der Feinstaubverordnung“, so Kaltenmark.

Nachhaltig und energiesicher

Ein Grund, weshalb Kaltenmark sich selbst mit einer Pelletheizung anfreundet. Aktuell baut er in seiner Heimatgemeinde ein Mehrgenerationenhaus, eine Mischung aus Bestandsgebäude und Neubau. Die Pelletheizung hält er für vorteilhaft, wegen der Nachhaltigkeit und der Energiesicherheit.  Hergestellt vor allem aus Sägeabfällen, sei bei Pellets noch Luft nach oben. Ein großes Sägewerk in der Region könne bis jetzt nur ein Drittel der Abfälle für Pellets zur Verfügung stellen, größer sei die Nachfrage nicht.

Bei den Gesprächen geht es aber nicht nur um Heizungen. Interessierte fragen oft nach Möglichkeiten der kompletten Sanierung,  das schließt Heizung, Dämmung und Informationen über mögliche Fördermittel mit ein. 

Erster Schritt zur Veränderung

So läuft die Beratung: Der erste Schritt zur Veränderung ist der telefonische Kontakt und die Terminvereinbarung. Dann folgt die rund einstündige Beratung, bei der das spezielle Objekt beleuchtet wird. Berater informieren auch über mögliche Zuschüsse, dürfen aber selbst diese Anträge nicht  ausfüllen. Dafür müssen Interessierte einen Energieberater aufsuchen, nur der kann auch Anträge an eine KfW-Bank oder andere Einrichtungen stellen. „Es wäre falsch, zu glauben, dass man das selbst auf einem DIN-A4-Blatt ausfüllen kann“, sagt Astrid Kloos.

Und was sagen die Verbraucher? Das haben Studierende der Hochschule Aalen in einer Bachelorarbeit erforscht: Die Zufriedenheit mit der Beratung lag bei 96 Prozent, freut sich Ralf Bodamer.

In solchen

Ralf Bodamer,, EKO-Geschäftsführer

Beim Energieberatungszentrum des Ostalbkreises gibt's kostenlos Informationen

  • Der Verein Energiekompetenz Ostalb  (EKO) wurde  2004 als Gemeinschaftsprojekt von Ostalbkreis, Land Baden-Württemberg, Kreishandwerkerschaft, Architektenkammergruppe und Gemeinde Böbingen ins Leben gerufen. Kostenlose Beratung im EKO Energieberatungszentrum des Ostalbkreises gibt es nach telefonischer Vereinbarung im Kompetenzzentrum in Böbingen und in zehn Kommunen im Ostalbkreis von Schwäbisch Gmünd bis Neresheim. Beratungen vor Ort finden meist in Räumen der Kommunen statt. Infos und Termine unter (07173)185516 oder E-Mail an: info@energiekompetenzostalb.de oder energieberatung@ostalbkreis.de 

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