Für Frauen oft nur zwei Optionen

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Böbingens Bürgermeister reagiert auf Kritik zu seiner Aussage hinsichtlich ungelernter Frauen.

Böbingen. In der Diskussion um eine mögliche Ansiedlung von Amazon in Gmünd und Heidenheim, hatte Bürgermeister Jürgen Stempfle im GT-Interview gesagt, "für ein bestimmtes Klientel – Ungelernte, Frauen ohne Ausbildung oder Geflüchtete" – seien diese Arbeitsplätze eine Riesenchance. In der Schwäbischen Post wurde dies in der samstags erscheinenden Kolumne "Neues vom Spion" aufgegriffen. Unter der Überschrift "Stempfle und die Frauen" heißt es dort: "Der Spion kann nicht für ungelernte Männer und nicht für Geflüchtete sprechen, aber er weiß, dass dieser Spruch bei Frauen – egal welcher Ausbildung – gar nicht gut angekommen ist."

Jürgen Stempfle hat sich am Montag an die GT-Redaktion gewandt mit dem Hinweis, er habe "diesen netten Kommentar sehr aufmerksam gelesen". Aus seiner Sicht möchte er noch etwas erklären: "Warum habe ich die Frauen ohne Ausbildung (und nicht die Männer) angesprochen? Ich habe dies in der Tat bewusst gemacht", so Stempfle. Erfahrungsgemäß hätten Männer ohne Ausbildung im Handwerk oder beim Schichtbetrieb in der Fabrik noch eher Chancen, etwa körperlich anspruchsvolle Hilfsarbeitertätigkeiten, wie auf dem Bau, zu bekommen.

Wie sieht es mit den Frauen aus? Erfahrungsgemäß kämen laut Stempfle zwei Jobs in Frage: Als Reinigungskraft und als Hilfskraft in der Küche. "Die Arbeitsbedingungen sind hier vielfach bekannt: Arbeiten häufig von Montag bis Sonntag, häufig unregelmäßige Dienstzeiten und der Stundenlohn für diese Arbeiten bewegen sich im einstelligen Bereich (auch sonntags, verbunden mit unbezahlter Arbeitszeit). Ich kenne (alleinerziehende) Frauen, die selber ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen und (...) total verzweifelt sind. Vor zehn Jahren beschäftigten Supermärkte, Bäckereien und Metzgereien noch ungelernte Frauen und somit gab es für diese weitere Arbeitsalternativen. Da die Kassensysteme aber immer moderner werden, ist auch diese Arbeit weggefallen", so Stempfle. Aus diesen Gründen seien die Chancen für Frauen sehr gering, sich ein vernünftiges Einkommen zu erarbeiten.

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