Neue Narrenzunft in Böbingen

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Die Bäbenger Wildsaue.

Bäbenger Wildsaue heißt die von Maximilan Wittmann ins Leben gerufene Gruppe. Was die Hintergründe der Neugründung sind und warum sie ausgerechnet jetzt sein musste.

Böbingen

Sicherlich werde sich so mancher fragen: Wie kann man nur in Pandemiezeiten Begriffe wie Narrenzunft, Fasnet und Fasching zum Thema machen? Natürlich stecken gerade alle in der Corona-Pandemie, das ist auch den Gründen der neuen Narrenzunft klar. Doch auch hier dürfe der kulturelle Bereich nicht in Vergessenheit geraten. Genau deswegen hat sich die Narrenzunft Bäbenger Wildsaue in Böbingen gegründet, um darauf aufmerksam zu machen, dass es auch noch andere Themen als Corona gibt, heißt es von der Gruppe. Gerade auch, weil die Schwäbisch-Alemannische Fasnet im Jahre 2014 in das bundesweite Verzeichnis immateriellen Kulturerbe aufgenommen worden sei.

Gründet auf alter Böbinger Sage

Die Idee zur Gründung der Bäbenger Wildsaue stammt vom ersten Zunftmeister des Vereins Maximilian Wittmann. Schon als Kind war er in der schwäbisch-alemannischen Fasnet aktiv zugange. Die Idee für die Bäbenger Wildsaue entstamme einer örtlichen Sage, berichtet Widmann. Es gehe dabei um die Kolomannsglocke, die wegen ihres hohen Wertes, während der napoleonischen Kriege von den einheimischen Böbingern vergraben wurde. Ein weiterer Grund für die Eingrabung sei gewesen, dass Napoleon die Kirchenglocken verschiedener Gemeinden eingeschmolzen und neue Kanonen für seinen Kriegszug daraus gegossen habe. Allerdings seien nach den Kriegsjahren die Menschen verstorben, die den Aufenthaltsort der Glocke gekannt haben. Daher galt die Glocke für mehrere Jahre als verschwunden.

Wildschweine, so die Erzählung, haben während ihrer Futtersuche in einem Eichenwald, nahe Böbingen, die Glocke freigelegt. Ein Bauer habe dies im Vorbeigehen bemerkt und dem Ortsvorsteher gemeldet. Um etwa 1840 wurde die Glocke erneut aufgehängt. Bereits nach wenigen Jahren sei die Glocke aufgrund von Beschädigungen wieder abgehängt und dann eingeschmolzen worden. Es seien keine detaillierten Abbildungen der Glocke vorhanden. Die Kolomannsglocke ziert heute das Böbinger Wappen und nun werde die Sage auch durch die Narrenzunft Bäbenger Wildsaue nicht mehr in Vergessenheit geraten. Durch die Sage haben die Wildsaue einen direkt Bezug zu Böbingen und zu seinem Geschichts- und Heimatverein, der dem neuen Verein mit Rat und Tat bei der Recherche zur Seite stand. Zu der Narrenzunft gehören die Wildsaue, die symbolisch für die Kolomannsglocke einen Glockengürtel tragen und der Bauer, der den Fund der Glocke gemeldet hat.

Bäbenger Wildsaue sind eine von mehr als 1000 Narrenzünften

Die Bäbenger Wildsaue seien eine von mehr als 1000 Narrenzünften, die seit den 1990er-Jahren gegründet worden sind. Diese rasante Entwicklung erkläre sich mit dem Bedürfnis der Menschen nach festen Bräuchen und in einer Zeit der Globalisierung und Anonymisierung. Der Begriff Narrenzunft sei nicht nur ein Ausdruck für die Fastnacht, sondern auch für bürgerschaftliches Engagement. Sie leben vom Engagement ihrer Mitglieder, die Veranstaltungen organisieren und zum Gelingen vieler gesellschaftlicher Ereignisse in der Gemeinde beitragen. Hierfür stünden auch die Wildsaue, die nicht nur die schwäbisch-alemannische Fastnacht in Böbingen weiter ausbreiten wolle, sondern auch den Vereinsgedanken im eigenen und mit anderen Vereinen zusammen festigen möchte. Gerade in dieser Zeit sei es der Narrenzunft ein großes Anliegen, die Tradition der Fastnacht zu festigen und auszubauen. In diesem Sinne: „Eine glückselige Fasnet und ein dreifaches „Wildsau – Grab’s aus!“

Mehr zum Thema Fasching lesen Sie unter "Corona-Warnstufe durchkreuzt die Pläne der Narrenvereine im Ostalbkreis"

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