Schnelles Internet für 900 Haushalte in Böbingen

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Wie viel Flächenverbrauch steht der Gemeinde zu, darüber diskutierte der Böbinger Gemeinderat.

Böbingen. Für rund zehn Millionen Euro sollen in Böbingen die „weißen Flecken“, also unterversorgte Flächen des schnellen Internets beseitigt werden. Bereits in der Oktobersitzung konnten die Planungs- und Ingenieurleistungen für die Errichtung der passiven Netzinfrastruktur an das Büro Seim & Partner aus Wiesbaden vergeben werden.

Für dieses „wahrscheinlich größte Böbinger Projekt aller Zeiten“, kann die Gemeinde auf eine 90-prozentige Förderung hoffen, die Voraussetzung hierfür ist, dass alle eingeforderten Fristen, wie der Spatenstich vor September 2022 und die Fertigstellung und damit die Endabrechnung des Projektes zum 31. Dezember 2024 eingehalten werden, informierte Bürgermeister Jürgen Stempfle am Montag den Gemeinderat. Rund 900 Häuser sollen an die neue Netzinfrastruktur angeschlossen werden, dies stelle „eine besondere Herausforderung dar“, meinte der Bürgermeister. Als „externes Beraterbüro“ im Rahmen der Projektsteuerung soll das Planungsbüro LK&P, die Vertretung des Auftraggebers, die Gemeinde Böbingen, sowie die Projektbegleitung in Form der Bauaufsicht wahrnehmen, da die Gemeinde nicht über entsprechendes technisches Personal verfügt. Dies fand Zustimmung im Gemeinderat, der Auftrag über die Beratungsleistungen wurde einstimmig vergeben.

In einem ersten Schritt soll eine Videobefahrung aller auszubauenden Straßenzüge durchgeführt werden, dies müsse in der Bürgerschaft rechtzeitig kommuniziert werden, regte Stefan Kalmus vom Büro LK&P an. Seit fünf Jahren beschäftigt sich Böbingen mit der Fortschreibung des Flächennutzungsplans, dessen Vorentwurf vom Gemeinderat in der Januarsitzung 2020 abgesegnet wurde. Der Planumfasst acht kleinere Siedlungsflächen mit gesamt 7,3 Hektar sowie vier Gebiete mit rund 8,6 Hektar Fläche zum Vorantreiben der gewerblichen Entwicklung der Gemeinde. Die letzte öffentliche Auslegung erfolgte im Sommer diesen Jahres. Der Plan zeige auf „wo und wie sich Böbingen entwickeln soll“ klärte Planer Claus Wolf vom Ingenieurbüro LK&P auf. Priorisierte Ziele seien dabei einsparsamer Flächenverbrauch sowie das Vorantreiben der Innenentwicklung. Wolf präsentierte die eingegangenen Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange sowie von drei Privatpersonen und erläuterte die ausgearbeiteten Abwägungsvorschläge. Als Konfliktthemen hätten sich der Flächenverbrauch, die Versiegelung, Verkehr sowie die Einschränkung von Natur und Landwirtschaft herausgestellt. Nahezu alle Einwände wurden vom Planungsbüro berücksichtigt und entsprechend angepasst. Es müssen nicht alle Flächen bis ins Jahr 2030 erschlossen werden, merkte der Bürgermeister an.

Gerhard Ziller konnte sich mit dem Plan nicht anfreunden und brachte als „heiße Eisen“ das Artensterben und den Flächenverbrauch ins Spiel, die hierfür vorgebrachten Einwände sind seiner Ansicht nach vom Planungsbüro nicht ausreichend berücksichtigt worden, man müsse auch „das Bauen ändern“ und die Entwicklung „immer mehr Land für weniger Menschen“ stoppen. Das Thema Artensterben und Naturschutz beschäftige die Gemeinde sehr, widersprach Stempfle und verwies auf die entstehenden Biotopverbände, die geschaffen werden sollen.. Dies sei als „großer Ausgleich“ zu werten, Böbingen sei mit diesen Themen schon immer „sehr sensibel“ umgegangen. Auch den Einwand von Ziller, man habe zehn Jahre lang „nichts gemacht“, so dass der Schwund in der Natur sichtbar werde, ließ Stempfle nicht gelten, für die Biotopvernetzung habe es bisher an den Grundstücken gefehlt. Hier bat der Bürgermeister um „Zuarbeit und Unterstützung“. Andrea Rohrbach

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