Symbol fordert zum Nachdenken und Besinnen auf

+
Weihe für ein ehrenamtlich gefertigtes Kreuz in Böbingen. (v.li.) Otto Müller, Ilse und Peter Klaus, Joji Matthew, Margot Neuffer, Wolfgang Schuster und Jürgen Stempfle.
  • schließen

Wolfgang Schuster aus Böbingen hat ein Kreuz für den Böbinger Park am alten Bahndamm erstellt.

Böbingen Als Ilse Klaus aus Leinzell nach dem Tod ihrer Mutter beim Ausräumen war, traf sie auch die Christusfigur aus Lindenholz. „Aber ich habe doch schon fünf Kreuze“, überlegte sie. Zögerte dann nicht lange, sondern übergab den Korpus an Wolfgang Schuster. Vermittelt durch Otto Müller, der selbst enge Bande zu dem passionierten Schnitzer hat. „Und dann lag sie bei mir in der Werkstatt“, erklärt Wolfgang Schuster. Denn sein künstlerischer Anleiter Uwe Feuersänger hatte ihm einst verdeutlicht, dass man sich nur ans Werk macht, wenn es auch sinnhaftig wird. „Und dann kam Corona. Und ich hatte eine Idee …“

Seit Freitagvormittag zeigt sich im Seniorenbereich des Parks am alten Bahndamm nun, welche Idee Wolfgang Schuster kam, der unter anderem auch Schnitzereien für den Andachtsraum im benachbarten Seniorenzentrum erstellte. Denn an diesem Vormittag traf man sich zur Einweihung eines ganz besonderen Kreuzes. Hergestellt aus Fichte, darauf der besagte Korpus Christus. Das Ganze gegen die Witterung durch eine Einfassung aus Eiche samt Dächlein geschützt. Besser hätte der Standort nicht gewählt sein können. Denn jetzt grüßt das in einer kleinen Andacht durch die beiden Geistlichen Joji Matthew und Margot Neuffer geweihte christliche Symbol direkt am vorbeifließenden Klotzbach, umrahmt von Bäumen.

Die Inschrift am Kreuz „Corona 2020/2021 – Zeit zum Nachdenken!?“ macht deutlich, welchen Sinn Wolfgang Schuster in dieser Arbeit und für das Kreuz fand. „Es gibt Menschen, denen es viel schlechter geht als uns“, stellt er fest. Erinnert an hungernde Menschen in Afrika, an Medikamentenmangel. Und beklagt, dass man immer am Jammern sei in unserem Land. „Statt querdenken sollten wir nachdenken“, fordert Schuster.

„Otto Müller hat zu mir gesagt, ich soll was draus machen“, lächelt er Besagten an. Und er hat nicht nur „was draus gemacht“, sondern auch noch viel mehr. Er hat so etwa auch das Herz der Stifterin, Ilse Klaus, getroffen. Denn als sie sich dem Kreuz näherte, standen ihr die Tränen in den Augen. „Es ist so wunderschön“, stellt sie fest. Schuster erklärt weiter: „Man soll positiv denken und immer das Schöne sehen.“ Die beiden Pfarrer beschrieben, dass Corona das Leben stark durcheinandergebracht hat. Dennoch sei man in Deutschland gut durch die Pandemie gekommen. Das Kreuz sei stets ein Zeichen für Hoffnung. Mit Christus im Mittelpunkt des Kreuzes stünden die Linien für die Gegensätze, die die Menschen trennen. „Er erleidet das Zerrissensein der Menschen, aber er vereint auch das, was wir oft nicht zusammenbringen.“

Bürgermeister Jürgen Stempfle erklärte, dass es sich um eine besondere Woche für Böbingen handle. Denn zum einen werde der Tunnel nun geplant, zum anderen gehe für ihn ein persönlicher Wunsch in Erfüllung mit dem Kreuz im Park. „Das berührt mich sehr.“ Wolfgang Schuster gab bekannt, dass der Erlös seines „Schwäbischen Abends“, 1500 Euro, an den Verein Tukulere Wamu in Afrika geht. Anja Jantschik

Zurück zur Übersicht: Böbingen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare