Warten auf die Tunnel-Entscheidung

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Noch immer teilt die Bundesstraße 29 die Gemeinde Böbingen. Noch immer gibt es keine Entscheidung, ob es einen Tunnel oder eine Brücke geben soll. Das Aktionsbündnis Böbinger Tunnel und Bürgermeister Jürgen Stempfle sind sich allerdings absolut einig: Nur ein Tunnel macht Sinn.
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Nach der Papierform sollte dem Tunnel durch Böbingen nichts mehr im Wege stehen. Das Aktionsbündnis und die Gemeinde fragen sich, warum das grüne Licht trotzdem noch aussteht.

Böbingen

Wir haben uns über ein Jahr relativ ruhig verhalten", sagt Manfred Gold, vom Aktionsbündnis Böbinger Tunnel, "Jetzt wollen wir mal wieder Dampf machen", führt er aus. Denn obwohl die erforderlichen Unterlagen soweit vorhanden seien, steht eine Entscheidung für einen Tunnel oder eine Brücke noch aus. Ein Umstand, der beim Aktionsbündnis, das für den Bau eines Tunnels ist, und bei Gemeindeoberhaupt Jürgen Stempfle für Unverständnis sorgt.

Es herrsche Funkstille seitens des Bundesverkehrsministeriums. Die letzte Instanz, die einer Entscheidung im Wege steht. "Das macht uns doch irgendwo heftige Sorgen", sagt Gold. Denn soweit seien alle erforderlichen Gutachten und Prüfungen eingeholt. Der Nutzen-Kosten-Faktor müsse einen Wert von mindestens 1,0 betragen. Im Falle des Böbinger Tunnels habe sich dieser Wert von anfänglichen 1,3 auf mittlerweile zwischen 1,9 und 2,0 verbessert. Zwar stehe das Ergebnis eines geologischen Gutachtens bislang aus, allerdings habe diese Prüfung keine Auswirkungen. Das Gutachten gehöre zum Planungsprozedere und sei sowohl bei einer Brücke, als auch bei einem Tunnel notwendig. "Das Argument, diese Prüfung abzuwarten, ist aus unserer Sicht nicht haltbar", sagt Otto Betz vom Aktionsbündnis.

Ob es nun ein Tunnel oder eine Brücke wird, die die Bundesstraße 29 aus dem Herzen Böbingens holen soll, ist momentan also noch ungeklärt. Innerhalb der Gemeinde ist man sich aber absolut einig: Ein Tunnel soll her. "Es macht mehr Sinn, einen Tunnel zu bauen", sagt Bürgermeister Jürgen Stempfle. Denn eine Brücke berge die Gefahr von Autobahnverhältnissen aufgrund des womöglich starken Verkehrs. Das aktuelle Verkehrsaufkommen habe das Aktionsbündnis bereits mit verschiedenen Amtsträgern begutachtet. Unter ihnen war auch Verkehrsstaatssekretär Steffen Bilger. "Ich erinnere mich noch, wie Steffen Bilger sagte, hier wolle er nicht wohnen", erzählt Gold. Von einer Brücke befürchtet die Initiative eine noch schlimmere Situation.

In uns allen brodelt es.

Jürgen Stempfle, Bürgermeister Böbingen

Auch aus der Region erhalte die Gemeinde Unterstützung. Sei es der Kreisrat, der sich für den Bau des Tunnels ausspricht, oder andere Gemeinden, die den Umleitungsverkehr für die Bauzeit des Tunnels stemmen müssen. "Niemand kämpft da gegen uns. Jeder hat großes Verständnis für die Situation", sagt Bürgermeister Stempfle.

Aber warum verzögert sich die letztendliche Entscheidung? "Uns ist völlig intransparent, warum sich diese Entscheidung so lange hinauszögert", erklärt Aktionsbündnismitglied Dr. Peter Högerle. Eigentlich könne Verkehrsstaatssekretär Bilger das grüne Licht geben. Zumindest einen Termin für die Entscheidung ankündigen. Doch weder beim Spatenstich für den Ausbau der B29 zwischen Mögglingen-Ost und Essingen, noch beim Verkehrsgipfel Ostwürttemberg wurde das Ersehnte angesprochen. Sehr zum Unwohl der Böbinger. "Es ist ein sehr heißes Thema", schildert Högerle. Betz bestätigt: "Die Frage nach dem Tunnel kommt immer wieder." Doch von offizieller Seite bekomme die Gemeinde trotz erneuter Nachfrage beim Staatssekretär keine Antwort. "In uns allen brodelt es", sagt Stempfle. "Das ist ein Projekt, das der Staatssekretär alleine entscheiden kann", erklärt der Bürgermeister, "und aufgrund der Fakten, soll er es auch machen".

Die B29 und Böbingen – ein Rückblick

Böbingen. Tunnel oder Brücke? Eine Frage, die die Gemeinde Böbingen bereits seit 2019 beschäftigt. Mehrere Instanzen befassten sich inzwischen mit der Frage, welche Variante die B29 aus Böbingen holen soll. Im Jahr 2019 machten sich neben den Einwohnern Böbingens auch Abgeordnete auf Bundes- und Landesebene für die Tunnelvariante stark.

Im April 2020 sprach sich auch der Kreisrat des Ostalbkreises für die Tunnellösung in Böbingen aus. Noch im selben Monat gab es auch vom Land Baden-Württemberg grünes Licht für die unterirdische Lösung.

Seit August 2020 warten die Verantwortlichen der Gemeinde auf eine Entscheidung des Bunds. err

Eine Entscheidung soll her: Manfred Gold, Dr. Peter Högerle und Otto Betz vom Aktionsbündnis Böbinger Tunnel machen mit Bürgermeister Jürgen Stempfle (v.l.) Druck.

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