Was tun mit Streunerkatzen?

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In Böbingen gibt es Ärger um die Fütterung von Streunerkatzen. Symbolfoto: pixabay
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Frauen füttern Katzen an einer Scheune in Böbingen. Die Gemeinde will das in dieser Stelle verbieten. Was die Gründe dafür sind und was die Behörden dazu sagen.

Böbingen

Eigentlich, sagt Maria Hentschke, wolle sie nur helfen. Nun aber sei sie mit ihrem Latein am Ende. „Ich hätte nicht angenommen, dass das Ehrenamt, das ich hier damals übernommen habe, mich einmal so viele Nerven kostet.“ Worum geht’s? Gemeinsam mit Michaela Knödler füttert sie an einem offenen Anbau einer Scheune in Böbingen Streunerkatzen. Schon im vergangenen Herbst habe es deshalb mit den Behörden Ärger gegeben.

„Letztes Jahr konnten wir die untere Jagdbehörde mit einer Ortsbegehung, unseren Argumenten und der Vereinbarung, immer nur so wenig Nassfutter zu füttern, dass es innerhalb von wenigen Stunden aufgefressen wird, zum Einlenken bringen. Die Fallen wurden uns zurückgegeben, wir durften weiter füttern, fangen und kastrieren“, berichtet Maria Hentschke.

Frist für Katzenfreunde

Alleine diesen Sommer habe sie fünf Kitten aus zwei Würfen einfangen und über den Tierschutz vermitteln, eine der beiden Mütter sei ihr in die Falle gegangen. Sie wurde kastriert, dazu ein paar der neuen Kater, so Maria Hentschke. Für sie ist klar: Die Streunerkatzen seien eigentlich ein Problem der Gemeinde Böbingen, um das sich zu kümmern, eigentlich ihre Aufgabe wäre. „Wir vom Tierschutz sind so freundlich der Gemeinde unentgeltlich, da ehrenamtlich, unter die Arme zu greifen, die Anzahl der Tiere gering und die Population gesund zu halten. Dafür dürfen wir uns von den Verantwortlichen auf dem Rathaus in Böbingen in ziemlich harschem Ton immer wieder sagen lassen, dass wir und unsere Arbeit unerwünscht sind“, meint Maria Hentschke. Andere Gemeinden im Ostalbkreis seien da weiter und arbeiteten seit Jahren gut mit dem Tierschutz zusammen und unterstützten dessen Arbeit, etwa in Waldstetten oder in Schwäbisch Gmünd.

Die Gemeinde Böbingen habe den Katzenfreunden nun eine Frist gestellt. Bis September müsse die Futterstelle geschlossen sein. „Da wir uns nach dem Tierschutzgesetz strafbar machen würden, wenn wir die Tiere einfach aufhören zu füttern, müssen wir nun andere Lösungen finden. Wir brauchen jetzt dringend Hilfe von Menschen, die sich mit wilden Katzen auskennen und einigen vielleicht auf ihrem Hof ein neues Zuhause bieten könnten“, sagt Maria Hentschke. Die einfachste und praktikabelste Lösung wäre es ihrer Ansicht nach, wenn die Gemeinde Böbingen eine Stelle zur Verfügung stellen könnte, die sowohl in der Nähe ist, als auch einen gewissen Schutz für die Tiere biete.

Vermehrung unterbinden

Böbingens Bürgermeister Jürgen Stempfle sagt auf Anfrage, die Futterstelle müsse zurückgebaut werden. „Die Anlieger beschweren sich bitterlich, weil diese Futterstelle von immer mehr Ratten aufgesucht wird.“ Bildmaterial sei vorhanden. „Es werden immer mehr. Diese Tiere können wir nicht schützen. Wir wollen solche Futterstellen nicht, weil eine Rattenplage den Menschen nicht zugemutet werden kann“, sagt Stempfle. Wenn einer der privaten Tierschützer eine Futterstelle auf seinem eigenen Grundstück einrichten könne und in der Lage sei, diese hygienisch zu betreiben, sei das dort denkbar. Das Wohl der Böbinger Bürger sei ihm am Wichtigsten, das sei hier nicht mit der Futterstelle vereinbar. Auch betroffene Grundstückseigentümer hätten gebeten, dass die Futterstelle an dem Standort abgebaut werde. „Täglich erhalte ich wegen der abzubauenden Futterstelle teilweise sehr beleidigende Mails aus ganz Deutschland. Ich sammle alles und behalte mir rechtliche Schritte vor“, berichtet Stempfle und betont: „Tierschutz ist mir wichtig. Ansprechpartner sind für die Gemeinde Böbingen das Landratsamt Ostalbkreis und der Tierschutzverein (Tierheim Dreherhof) als anerkannte Organisation.“

Die Pressestelle des Landratsamts schreibt dazu auf Nachfrage: Freilebende, verwilderte Katzen, die sich unkontrolliert vermehren, könnten zu tierschutzrechtlichen Problemen führen. Aufgrund von Mangelernährung könne es zu Krankheiten und Leiden kommen. Beziehe sich die Hilfe von Freiwilligen lediglich auf das Füttern, ohne sie einzufangen und ohne die weiblichen und männlichen Tier tierärztlich kastrieren zu lassen, werde das Leid in der Population nicht gelöst, sondern durch die Vermehrung in der Population sogar vergrößert. Daher werde seitens des Landratsamts geraten, „dass sich die Hilfe von Freiwilligen auch auf die zielgerichtete Unterbindung der Vermehrung der Katzen richten, was ein Einfangen der Tiere und die Kastration bedeuten würde“. Es werde schwer möglich sein, verwilderte Katzenpopulationen ganz aus einer Gemeinde zu entfernen.

Die verwilderten Tiere seien schwer bis gar nicht vermittelbar, da sie meist den Umgang mit Menschen nicht gewohnt seien. „Durch nachhaltige Betreuung und konsequente Kastration sowie Freilassen der Tiere nach der Kastration zurück in ihre Population besteht die Möglichkeit, die Population stabil zu halten, eine Vermehrung in der Population zu verhindern und ein Zuwandern von fremden Katzen zu kontrollieren und zu verringern“, so das Landratsamt und ergänzt: Die Fütterung müsse so erfolgen, dass Wildtiere nicht angelockt und gefangen werden.

Aus dem Veterinäramt heißt es: Eine Futterstelle sollte so eingerichtet werden, dass sie den hygienischen Anforderungen entspricht. Es sollten keine Schädlinge angelockt werden, verdorbenes Futter müsse entfernt werden und es sollte nur so viel angeboten werden, wie die Tiere auch fressen könnten. „Im Idealfall kennen die Tiere ihre Fütterungszeit und kommen zeitnah und fressen ihre Schalen leer, so dass keine Hygiene- oder Schädlingsprobleme entstehen können. Deshalb sollte die Futterstelle täglich zu ähnlicher Uhrzeit betreut und kontrolliert werden“, so das Amt.

  • Was die Landespolitik empfiehlt
  • Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz rät Gemeinde dazu, eine kommunale Katzenschutzverordnung nach Paragraf 13b des Tierschutzgesetz zu erlassen. Die Landesbeauftragte für Tierschutz schreibt in einer Handreichung: „Mit einer Katzenschutzverordnung können Gemeinden langfristig die Katzenpopulation kontrollieren und somit vorbeugenden Tierschutz leisten.“ Die mit der Verordnung verpflichtende Kastration dämme die Anzahl von Jungtieren ein. Um eine Kastration nachvollziehen zu können, seien die Kennzeichnung und Registrierung des Tieres notwendig und ermöglichten auch im Falle eines entlaufenen Tieres eine schnelle Zuordnung und Rückgabe an den Tierhalter. Durch eine verpflichtende Kastration werde zudem die Höhe der Katzenpopulation verringert, so dass es insgesamt weniger Katzen im Gemeindegebiet gebe, was durch eine verminderte Anzahl an Abgabetieren in den Tierheimen ebenfalls zu einer langfristigen Kostenersparnis führe, so die Landesbeauftragte für Tierschutz.

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