Wie Gemeinde und Freikirche in Böbingen helfen

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Pressegespräch in Böbingen: Johann Voth und Bürgermeister Jürgen Stempfe mit dem zugeschalteten Pastor Samuel Ewert.
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Die evangelische Freikirche hat einen besonderen Bezug und baut ein Hilfsnetzwerk auf. Die Gemeinde Böbingen sucht Wohnraum und will als Vermittler die Mietverträge unterzeichnen.

Böbingen

Die Remsgemeinde nimmt bei der Aufnahme von geflüchteten Menschen aus der Ukraine eine gewisse Sonderstellung ein, wie Bürgermeister Jürgen Stempfle beim Pressetermin am Montag im Rathaus berichtete. Dies liege an der evangelischen Freikirche, die enge Bindungen zur Ukraine habe und diese nun nutze, um den Menschen zu helfen und damit gleichzeitig die Gemeindeverwaltung entlaste. „Die Freikirche ist für uns ein unglaublich toller und professioneller Partner“, betonte Stempfle. Bislang seien rund 300 Menschen aus der Ukraine im Ostalbkreis, knapp 50 alleine in Böbingen. Seine Gemeinde sei, dank der Unterstützung der Freikirche, hier auch gerne bereit, noch mehr zu leisten.

Die Rolle der Freikirche

Wie Pastor Samuel Ewert, zugeschaltet per Livevideo, erläutertet, seien bis zu sieben männliche Mitglieder der Kirchengemeinde aus der Ukraine in Deutschland zum Arbeiten gewesen. Über deren Kontakte sei ein großes Hilfsnetzwerk entstanden. „Wir erleben eine große Hilfsbereitschaft“, sagt Samuel Ewert. Dank der Sprachkenntnisse soll jeder geflüchteten Familie ein „Pate“ zugewiesen werden, der bei Behördengängen und Übersetzungen hilft, um so „auf möglichst natürliche Weise eine freundschaftliche Vertrauensbasis“ zu schaffen.

Wie es den Menschen geht

Samuel Ewert berichtet etwa von einer Familie, die ihm Fotos von der Straße gezeigt hätten, in der noch bis vor Kurzem die Kinder gespielt hatten, in der sie aufgewachsen waren. „Jetzt ist alles zerbombt. Das geht unglaublich unter die Haut. Da ist der Krieg nicht mehr nur in den Medien, er kommt persönlich bei einem an“, so Samuel Ewert. Da sei es hilfreich, dass die Freikirche selbst auch ausgebildete Seelsorger in ihren Reihen habe.

Was die Gemeinde leistet

Bürgermeister Jürgen Stempfle appelliert an alle Bürgerinnen und Bürger: „Stellen Sie Wohnraum zur Verfügung.“ Die Gemeinde Böbingen schließe den zunächst auf ein Jahr befristeten Mietvertrag ab. „So schaffen wir Vertrauen“, hofft der Bürgermeister. Wo sollen all die Wohnungen plötzlich herkommen? Der Bürgermeister meint, es gebe Eigentümer, die eigentlich nicht vermieten möchten, etwa, weil die Kinder manchmal zu Besuch kämen. In dieser speziellen Notsituation würden aber viele umdenken. Johann Voth, Mitglied der Freikirche und als gebürtiger Kasache des Russischen mächtig, war jahrelang beim Bauhof der Gemeinde tätig. Er soll als eine Art Hausverwalter dienen. „Wir garantieren den Vermietern hier Verlässlichkeit, Sicherheit und Professionalität“, betont Stempfle.

Wie man helfen kann

Je nach Ausstattung der jeweiligen Wohnung seien vor allem Möbel gefragt, Betten, Schränke, aber auch Waschmaschinen. Derzeit seien die Helfenden auf der Suche nach einer kleiner Küche. Noch habe die Freikirche eine ganze Garage voll mit Sachspenden, aus der sich die Helfenden bedienen können, berichtet Samuel Ewert.

Wie sieht die Zukunft aus?

Johann Voth meint, die Geflüchteten wollten, so es irgendwie geht, so schnell wie möglich zurück in ihr Land. Samuel Ewert betont, es seien „sehr arbeitswillige Leute, die auf eigenen Füßen stehen wollen“. Ziel sei deshalb auch, mit Firmen in Kontakt zu treten.

Gerade wenn die Geflüchteten länger bleiben, müssten auch die Kinder angemessen betreut werden, so Jürgen Stempfle. Es können jedenfalls nicht sein, dass Kinder ausgeschlossen würden, nur weil die Gruppen in den Betreuungseinrichtungen „dem Gesetz nach voll belegt sind“. Hier müsse die Politik über ihren Schatten springen und für Lösungen sorgen. Dasselbe gelte für die Schule, wo man in Böbingen gemeinsam mit der Schulleitung und dem Kollegium an Lösungen arbeiten wolle.

Kontakt: Freikirche: (07173) 5519, info@freikirche-boebingen.de oder Gemeinde Böbingen: (07173) 18560-0.

Bankdaten der Freikirche für Spenden: IBAN: DE24 6145 0050 0440 0495 59

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