Zu viel Verkehr, zu wenig Wohnungen

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Die B 29 in Böbingen: Die Verkehrsbelastung ist eines der größten Probleme in der Gemeinde, das wurde bei der Umfrage zum großen "Ostalbcheck" dieser Zeitung deutlich.
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Böbinger Bürgerinnen und Bürger bewerten ihre Lebensqualität als grundsätzlich gut, Kritikpunkte sind die Verkehrsbelastung, der Wohnungsmarkt und die Gesundheitsversorgung.

Böbingen

Wie lebt es sich in Böbingen im Vergleich zu den anderen Städten und Gemeinden im Ostalbkreis? Der Ostalbcheck unserer Zeitung ergab ein differenziertes Bild. Aufgerufen, in den jeweiligen Themengebieten null bis zehn Punkte zu vergeben, bewerten die Bürgerinnen und Bürger das Vereinsleben im Dorf als überdurchschnittlich gut (7,8 Punkte). Auch die grundsätzliche Bewertung der Lebensqualität liegt in Böbingen im oberen Bereich (7,4). Mit 7,1 Punkten wird auch die Sauberkeit in der Gemeinde als überdurchschnittlich gut wahrgenommen.

Wenig überraschend, dass bei den negativ bewerteten Themen die Verkehrsbelastung ganz oben steht. Schließlich ist Böbingen die einzige Gemeinde an der B 29 zwischen Stuttgart und der A 7, die von der Bundesstraße durchschnitten wird. Weniger gut bewertet werden darüber hinaus die Themen Digitalisierung sowie Immobilienmarkt und Gesundheitsversorgung.

Insgesamt betrachtet, belegt Böbingen im Vergleich der Regionen den 16. Platz sowie in neun von 15 Lebensbereichen einen überdurchschnittlichen Rang. Zur Lebensqualität trägt sicher auch der zur Remstal-Gartenschau im Jahr 2019 angelegte Bürgerpark bei, wie ein Leser bestätigt: „Der Park am alten Bahndamm ist eine Bereicherung für Böbingen.“ Ein Leser regt an, Außengastronomie im Park zu etablieren.

Große Verkehrsbelastung:

Die B 29 teilt den Ort und verhindert bis dato eine angemessene städtebauliche Entwicklung. Der geplante Bau des Tunnels könnte das mittelfristig verbessern. Bis dahin ist auch der Verkehrslärm ein Problem, wie ein Leser anmerkt: „Der Lärmschutz gegen den Lärm der B 29 ist echt unterirdisch und sollte dringendst verbessert werden. So eine Lärmschutzwand kann ja nicht die Welt kosten!“ Zwar ist die B 29 das wohl größte Problem in diesem Bereich, aber auch Anwohner kleinerer Straßen klagen über den Verkehr. Ein Leser fordert „mehr 30er-Zonen und Radarfallen!“.

Die Bahnanbindung bewerten viele Bürger grundsätzlich positiv, allerdings wird die fehlende Barrierefreiheit am Bahnhof kritisiert: Der „Bahnhof sollte dringend alters- und behindertengerecht gestaltet werden“, schreibt ein Leser. Ein anderer fügt an, es sei nötig, den öffentlichen Nahverkehr ausbauen, ohne eigenes Auto sei man „völlig abgeschnitten, wenn man nicht in der Nähe des Bahnhofs wohnt, Zugverbindung ist gut, Bus sehr schlecht“.

Auch die Verbesserung des Radwegenetzes wird mehrfach angemahnt, ebenso wie mehr Möglichkeiten, Car-Sharing-Angebote oder Ruftaxis nutzen zu können.

Angespannter Immobilienmarkt

Zur Situation auf dem Wohnungsmarkt exemplarisch eine Lesermeinung: „Ein großes Problem in Böbingen (und natürlich auch im Umland) ist, dass viel zu wenig Wohnraum existiert für die Nachfrage. Unsere Lage lässt Pendler von Stuttgart zu uns ziehen. Bauplätze sind rar, Planungen von Bauplätzen dauern viel zu lange und erfahren ständig Widerstand von Anwohnern. Baulücken, die von älteren Menschen besessen, aber nicht veräußert werden, sie aber dazu auch nicht angereizt werden. Sehr sehr viele ältere Personen leben in Riesenhäusern und suchen sich etwas kleineres, was auch nicht vorhanden ist.“ Auf der anderen Seite gibt es Kommentare wie: „Zu viele Baugebiete werden erschlossen“ und „Alles wird vollgebaut“. Ein Leser schreibt: „Mein Vorschlag wäre, über ein Tiny-House-Baugebiet nachzudenken, mit Verkauf von Bauplätzen bevorzugt an ältere Menschen, die im Gegenzug ihre Häuser für Familien freigeben!“

Auch die Gesundheitsversorgung sehen Teilnehmende kritisch. Sie wünschen sich eine „Hausarztpraxis, die auch über Sechzigjährige als Neupatienten annimmt“ oder ein „Ärztezentrum mit Hausarztpraxis“.

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