Zwei Niederlagen und doch gewonnen

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Stempfle und Marcell Jansen.
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Sportlich lief's nicht so rund für die Bürgermeister-Nationalmannschaft mit Böbingens Schultes am Mittwoch gegen Teams mit ehemaligen Profis. Warum sich der Abend trotzdem mehr als gelohnt hat, berichtet Jürgen Stempfle im Interview.

Böbingen. Nationalmannschaft der Bürgermeister? Sogar der Kommentator des Sportsenders „Sport1“ musste zugeben, dass er nicht gewusst hatte, dass es die gibt. Auch die Zuschauer, die das Benefiz-Spiel für die Flutopfer in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen am Mittwochabend in Trier auf dem Sportkanal verfolgt haben, wissen es nun besser. Die in Grün gekleideten Herren sind ein bunt durcheinandergewürfelter Trupp aus ganz Deutschland, von Anfang 30 bis ins gesetztere Alter. Zwar gingen die Schultes mit 0:3 gegen die DFB-Allstars und gar 0:8 gegen das Lotto-Team baden. Aber gelohnt hat's sich trotzdem, meint Böbingens Bürgermeister Jürgen Stempfle, rechter Verteidiger, Nummer 14. Seine Erfahrungen vom Benefizabend erläutert er im Telefon-Interview.


Herr Stempfle, liegen Sie noch in der Eistonne?

Jürgen Stempfle: Nein, ich war schon beim Kinderferienprogramm, das war mir wichtig. Aber heute Abend gehe ich wohl früher ins Bett.

War's eine kurze Nacht?

Das kann man sagen. Wir sind nach dem Spiel noch lange zusammengesessen und gegen 1 Uhr von Trier losgefahren. Ich war so um 6 zu Hause.

Was nehmen Sie mit?

Am Allerwichtigsten ist, dass so eine enorme Spendensumme zusammengekommen ist. Dafür hat es sich wirklich gelohnt. Aus vielen Gesprächen habe ich viel direkter erfahren, wie schlimm es die Menschen im Flutgebiet erwischt hat. Das sind teilweise Zustände wie im Krieg. Diesen Menschen zu helfen, darum ging es. Für uns Fußballer war es ein schönes Event, bei dem ich auch nach dem Spiel viele Leute kennenlernen durfte, zum Beispiel Hans-Peter Briegel oder Otto Rehhagel, der die tollsten Geschichten erzählt hat. Und die knapp 3000 Fans haben für eine super Stadionatmosphäre gesorgt.

Und fußballerisch? 0:3 und 0:8. Kann man da zufrieden sein?

Natürlich nicht. Ehrgeizig ist man als Fußballer ja immer. Wir mussten gleich zu Anfang zwei Spiele nacheinander bestreiten, das war heftig, wenn man bedenkt, dass manche der ehemaligen Profi-Kicker ja erst vor zwei, drei Jahren ihre Karriere beendet haben. Die sind zehn Jahre jünger als wir, stehen voll im Saft. Die haben uns ohne Ende laufen lassen, da waren wir 'maushee'. Es war klar zu sehen, dass die Teams den Zuschauer etwas bieten wollten. Die haben uns nicht geschont. Außerdem bestreiten unsere Gegner bis zu 14 Spiele im Jahr, wir Bürgermeister treffen uns zwei Mal.

In einer Szene grätschten sie den Ball gefährlich an die eigene Latte.

Sonst macht ihn der Gegner hinter mir rein. Beim zweiten Spiel hat bei mir dann auch der Muskel zugemacht und ich konnte nicht mehr rennen. Aber: Was bei dem Spiel wirklich gezählt hat, ist jeder 1000er der Spenden, die wir gesammelt haben.

Welcher Fußballer hat Sie besonders fasziniert?

Mit meinem Gegenspieler Marcell Jansen (der den Bürgermeistern das erste Gegentor einschenkte, Anm. d. Redaktion) habe ich mich länger unterhalten, der ist menschlich ein ganz, ganz feiner Kerl. Fußballerisch hat Michael Thurk überzeugt, der hat ja aus jedem Schuss ein Tor gemacht, der war nicht zu halten.Wie kommt man eigentlich in die Nationalmannschaft der Bürgermeister? Die Mindestanforderung ist, mal Bezirksliga gekickt zu haben. Die Nominierung erfolgt meist über Mund-zu-Mund-Propaganda. Anfang Oktober bestreiten wir unser nächstes Spiel und nächstes Jahr ist EM in der Slowakei.

  • Mehr als 750 000 Euro Spenden
  • Nach Angaben des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) kamen bei dem Benefizspiel „Hilfe nach der Flut“ in Trier zugunsten der Geschädigten der Überflutungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mehr als 750 000 Euro an Spenden zusammen. Alleine die Bürgermeister-Auswahl brachte 400 000 Euro mit, aus Böbingen kamen, bewilligt vom Gemeinderat, 5000 Euro. Die Einnahmen kommen vollumfänglich den Geschädigten der Flutkatastrophe zugute, darunter eine Sockelspende der DFB-Stiftungen von 100 000 Euro. Spenden sind weiter möglich online auf https://www.betterplace.orgZu dem Spiel eingeladen hatte der Fußballer Robin Koch von Leeds United, der bis 2015 in den Jugendteams und der Oberligamannschaft von Eintracht Trier gespielt hatte.Nach Angaben des Fernsehsenders Sport 1, der das Spiel am Mittwochabend live übertrug, gab es in der Spitze 340 000 Euro Zuschauer an den heimischen Bildschirmen. Im Stadion waren rund 3000 Fans zugelassen.
Stempfle nach dem Spiel.
Die Nationalmannschaft der Bürgermeister mit Jürgen Stempfle aus Böbingen (Zweiter von links, Nummer 14).

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